Gespräch zum Thema 'Literatur als Therapie' - Erich Garhammer trifft Rilke-Biograf Manfred Koch
Shownotes
Wohl kein Dichter hat die Poesie des 20. Jahrhunderts mehr geprägt als Rainer Maria Rilke. Der Germanist Manfred Koch legt zu dessen 150. Geburtstag eine augenöffnende Biografie vor. Er nähert sich Rilke über den Roman „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“.
Von der Erfahrung der Großstadt aus und ihren Abgründen, vor allem aber der Begegnung mit dem Bildhauer Auguste Rodin erschließt Koch die bekannten Gedichte „Der Panther“ und „Archaischer Torso Apollos“. Rilke überträgt das Handwerk des bildenden Künstlers Rodin auf die Lyrik: So schafft er Kunst-Dinge, tötet ihre bloße Materialität, bevor er sie mit einer neuen Perspektive zum Leben erweckt. Sie bekommen dadurch Offenbarungscharakter.
Literatur wurde für Rilke zur „Selbstheilung der Seele“. Eine Psychoanalyse lehnte er ab, weil er mit der „Austreibung der Teufel“ auch eine Beschädigung seiner „Engel“ fürchtete.
Koch gelingt mit seiner Biografie ein neuer Blick auf Leben und Werk von Rainer Maria Rilke. Über seine wichtigsten Entdeckungen wird er an diesem Abend im Gespräch mit Erich Garhammer berichten.
Das Gespräch zum Thema "Literatur als Therapie" von Erich Garhammer mit Manfred Koch fand am 4.12.2025 in der Katholischen Akademie in Bayern statt
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00:00:03: Ja meine Damen und Herren, auch von meiner Seite einen wunderbaren guten Abend.
00:00:09: Als ich mit Herrn Koch Kontakt aufgenommen habe haben wir sofort festgelegt das wir gesagt haben der vierte Dezember der Geburtstag von Rilke muss in der katholischen Akademie in München begangen werden.
00:00:28: Vielfach unterwegs war in diesem Jahr, ich glaube heute ist die vierundzwanzigste Veranstaltung mit diesem Buch.
00:00:33: Ich habe gesagt genau diesen Termin reserviere ich mir von Anfang an für die Katholische Akademie und sie alle sind heute Mitfeierende dieses Geburtstags und haben ja der wenige den besten Gratulanten mit an Bord Herrn Koch.
00:00:49: Herr Koch vielen Dank dass Sie sich auf dieses Miteinander von Anfang An eingelassen haben.
00:00:56: Nun ein paar Sätze zu Herrn Koch und seiner Arbeit muss ein bisschen hinzufügen.
00:01:02: Wir haben ja fast noch ein zweites Geburtstagskind, Herr Koch feiert in diesem Monat seinen siebzigsten Gewürztag am neunzehnten Dezember.
00:01:11: also insofern steht auch noch ein Fest ins Haus und das soll heute schon die kleine Vorfeier sein für das Ganze.
00:01:19: Herr Koch ist in Stuttgart geboren
00:01:24: hat
00:01:25: Germanistik studiert und gelehrt seine Orte, Tübingen
00:01:32: Giesen,
00:01:34: Thessaloniki dann Basel zum Schluss.
00:01:39: Und
00:01:40: er hat in seinen Arbeiten von Anfang an sowohl in der Dissertation als auch in anderen Qualifikationsarbeiten immer schon Rilke im Blick gehabt So als hätte er mit diesem Autor irgendwo doch ein Nahverhältnis, was aber nicht immer so war.
00:02:01: Der hat sich auch nähern müssen, aber dazu noch später.
00:02:05: Und Herr Koch
00:02:07: ist
00:02:10: in den Ruhestand gegangen und hat eine Abschiedsvorlesung gehalten.
00:02:15: Mit folgendem Titel möchte ich ihn ja nicht vorenthalten.
00:02:19: Orfeus mit H geschrieben... Orphäus in der Überwelt.
00:02:27: Rainer-Marie Rilke, Sonnette an Orphuis.
00:02:31: Also meine Damen und Herren damit sehen Sie schon dass er lange mit Rilken unterwegs ist auch auf dieses Buch lange hingearbeitet hat Und von daher dürfen wir uns wirklich freuen auf eine profunde Auslegung heute von Rilkes.
00:02:49: Ich möchte noch darauf hinweisen das Herr Koch verheiratete das mit einer bekannten Schriftstellerin, die hier auch am Pult schon gelesen hat.
00:02:58: Angelika Oberrath und Angelika Ovarath, auch da darf ich ankündigen, hat gerade ihren dritten Teil der Istanbul Trilogie abgegeben.
00:03:10: also da steht nächstes Jahr auch etwas ins Haus an Lesungen.
00:03:16: Und heute Abend ist unter uns auch die Tochter Silja Ovarad.
00:03:21: Und ich möchte darauf hinweisen, dass Silvia-Oberat, Angelika Oberato und Manfred Koch miteinander ein Kochbuch veröffentlicht haben.
00:03:33: Aber nicht irgendein Kochbuch!
00:03:37: Sondern sie haben Literatinnen und Literaten angeschrieben...
00:03:42: ...und
00:03:42: sie um ihre Lieblingsrezepte gebeten.
00:03:46: Also Hans Magnus Ensesberger Ulrike Dresner und Hans Josef Orthal Und sie mussten aber oder wurden wenigstens gebeten zu diesem Rezept, ihm auch eine Geschichte dazu zu schreiben.
00:04:01: Es sollte ein literarisches Kochbuch sein und es ist ein wunderbares Buch geworden und ein zweites Buch was ich noch erwähnen möchte Herr Koch das ist gerade erschienen zusammen mit ihrer Frau Rilkes Tiere im Inselverlag also Rilke's Tiere.
00:04:19: welche Rolle spielen die Tiere im Öfer von Rilke.
00:04:25: Ja aber genug der Vorrede Herr Koch, Sie schreiben ja in Ihre Einleitungen Ihren Buch das Verhältnis zu Rilken nicht immer ein Liebesverhältnis war sondern dass sie Zeit brauchten sich anzunehren.
00:04:41: was hat sie zunächst vielleicht sogar an ihm irritiert oder fern gehalten?
00:04:50: Ich fand, das schreibe ich im Vorwort, Rilke am Anfang meines Studiums also um neunzehntundachzig herum ein Autor der auf unerträgliche Weise eigentlich prezios süßlich, klebrig sogar ist und habe einige Zeit gebraucht, um zu ihm zu finden.
00:05:09: Und ich führe es auch ein bisschen weiter aus.
00:05:12: Das Erweckungserlebnis war dieser Roman die Aufzeichnung des Malte-Lauritz Brigghe kann man wirklich sagen der erste moderne deutsche Großstadt Roman, der auch wirklich dieses Thema Großstadt zum Zentrum hat.
00:05:27: Charakteristischerweise aber eben ist die Großstadt in der es spielt Paris also nicht Berlin Und es ist ein absolut moderner Roman, allein schon durch die ungewöhnliche Erzählweise.
00:05:41: Es wird nicht chronologisch die Geschichte dieses Helden Malte vorgeführt sondern es sind seventy-one relativ umverbundene Abschnitte und das ist natürlich schon eine gewisse Herausforderung an den Lesern dass permanent gewechselt werden muss zwischen verschiedenen Zeitebenen und es war für mich dann eben auch extrem eindrucksvoller Angstroman.
00:06:05: vielleicht auch wirklich der größte Angstroman der deutschen Literatur, vergleichbar mit unglaublich gerade psychologisch eindrucksvollen Texten wie Georg Büchner Lenz oder Gerhard Hauptmann, Bahnwerder Thiel.
00:06:21: Also das hat mich dann tatsächlich bekehrt und von diesem Roman aus habe ich mir dann auch nach den lürriger Rilke erschlossen.
00:06:31: Ja, ich finde es wunderbar dass Sie diesen eigenen Erkenntnis-Weg denn sie gemacht haben auch die Leserinnen und Leser miterleben lassen.
00:06:41: Das erste Kapitel wir werden einiges davon ja auch hören ist mir der weniger so etwas das einen Theatervorhang aufgeht und wir ganz neu auf diesen Rilke schauen und blicken.
00:06:54: Ganz neue Erkenntnisse und zwar eben auf bestimmten Hintergründe, Begegnungen mit Rodin aber auch diese Paris-Schilderung im Alte Laritz Bricke.
00:07:05: Und man merkt selber wie sie in Fahrt kommen – mit Rilke und das auch miterleben lassen.
00:07:14: Aber vielleicht noch einen Schritt zurück!
00:07:16: Auf Ihren Schreibprozess jetzt für diese Biografie.
00:07:21: gab es da eine Schreibkrise Gab es da etwas zu sagen, also ich höre auf jetzt mit diesem Rilke.
00:07:26: Jetzt reicht's?
00:07:28: Nein eigentlich hat... Also das klingt seltsam aber es hat Freude gemacht eigentlich.
00:07:34: Es war vor allem dieses Phänomen dass ich bis zum Jahr zwanzig-einundzwanzig haben sie gerade gesagt und richtet habe in Basel mit Kollegen die alle sehr produktiv waren.
00:07:44: Die haben dauernd im Abstand von drei vier Jahren dicke Bücher rausgehauen Und dann habe ich mich irgendwann unter Druck gesetzt gefühlt.
00:07:50: und wenn ich gefragt wurde, habe ich gesagt Ich sitze an einem großen Rilkebuch.
00:07:56: Faktum gab es wenig.
00:07:58: also ich hab ein paar Aufsetzleihen gemacht und dann war es eine ungeheure Erleichterung zwanzig-einenzwanzig raus zu sein aus dem Betrieb mit Unterricht mit Gutachtenschreiben mit Verwaltungsstätigkeit und allem drum und dran.
00:08:11: und endlich, endlich durfte ich den ganzen Tag nichts mehr anderes machen als Rilkel.
00:08:16: Und am Anfang habe ich noch manchmal gedacht, hältst du das durch und auch diese Tausende von Briefen zu lesen?
00:08:23: Und dann war es eigentlich eine Freude.
00:08:25: Und dann ist es natürlich immer also Schreibkrisen in dem Sinn dass man denkt Das war jetzt wieder gar nichts was du heute zustande gebracht hast und die kennt jeder.
00:08:35: Das ist ganz unvermeidlich.
00:08:38: Ganz oft hab' ich auch ein Fehler gemacht.
00:08:40: Also gerade weil man so viele Rilkebriefe lesen muss Und wenn ich so keinen rechten Impuls hatte zu schreiben, haben wir gesagt, da kann ich jetzt mal an dem Tag noch diesen Briefwechsel schnell lesen.
00:08:50: Das ist dann immer fatal und macht es auch Freude, den ganzen Tag nochmal Briefe zu lesen und am nächsten Tag merkt man, dass man nicht vorangekommen ist und die Schreiblast noch größer wird.
00:09:01: Aber in Großen und Ganzen muss ich sagen, das war befriedigend!
00:09:06: Schön, ja.
00:09:07: Auch weil ich natürlich, obwohl ich seit den Neunzehnten spätestens mich mit Rilge beschäftigt, dauernd neues entdeckt habe – es ist ungeheure Fundgrube dieses Werk und andersrum auch der Effekt des Sachen, die ich damals gelesen hab also zum Beispiel gerade in dem Briefen dass ich von denen keine Ahnung mehr hatte nach so vielen Jahren.
00:09:29: Also, ich hab dann meine alten Briefausgaben da ist dann dick angestrichen und das was ganz Wichtiges ist und ich habe keine Ahnung gehabt, was sich damals so wichtig fahnt und hab merktwürdige Kommentare an den Rand geschrieben in meiner Studentenschrift die mir mittlerweile auch zum Teil unentzifferbar wurden.
00:09:47: also es war eine schöne Wanderung nochmal durchrücken.
00:09:53: Was war Ihre größte Entdeckung beim Schreiben?
00:09:58: Also es hat sich für mich nochmal klarer herausgespielt, was zum Beispiel gerade für den Spätenrilke ganz entscheidend ist.
00:10:08: Ich habe in der Doktorarbeit schon hauptsächlich das Pariserwerk also die zwischen sind die neuen Gedichte, die sogenannten zwei Bände und den Malte behandelt.
00:10:24: Und das Spätwerk eher stiefmütterlich behandelt... ...und dann konnte ich mich eigentlich jetzt auch so richtig mal reinknien in diese großen Zyklen der letzten Lebensjahre seinerzeit in der Schweiz also Dueneselegien und so nette ein Orphäus und ich habe noch einmal deutlich gemerkt wie Rilke gerade auch in dieser Schweizer Zeit zu einem Dichter des Raums wird.
00:10:50: Ein Auto, der in ganz extremer Weise sein Schreiben auf die Erfahrung von Raumenergien verwendet.
00:10:59: Das ist was anderes als wenn man ... ja also kennt ja jeder, man sagt sich, Schriftsteller, wenn sie erfolgreich sein wollen suchen sich einen inspirierenden Raum.
00:11:12: Sie fahren dann vielleicht tatsächlich in eine ötylische Landschaft Suchen sich ein gemütliches Haus oder der gleichen Mehreren Zimmer und auf die Weise inspiriert fangen sie dann an zu schreiben.
00:11:23: Das ist bei Rilke um einige Stufen höher gelegt eigentlich, also dass er wirklich Räume brauchte, die für ihn fast so was wie die Autoren seiner Texte wurden.
00:11:34: Er redet da in einer ziemlich esoterischen Terminologie von Schwingungen, die sein Schreiben tragen würden.
00:11:45: Da war von mir, vom esoterischen Her auch immer so eine gewisse Abwehrhaltung da.
00:11:50: Und ich hab eigentlich erst jetzt im Schreiben der Biografie das noch mal richtig nachvollziehen können aufgrund zum Beispiel seiner Erfahrung, seiner Beschreibung der Erfahrungen in Schweizer Gebirgstälern also natürlich vor allem dem Wallis.
00:12:06: und dieser Raumautor Rilke, der tatsächlich sagt Ich lebe von Energien die ich auch in der Nacht durch einen Raumflutenfühle, das ist mir sehr viel verständlicher geworden.
00:12:22: Also eine große Überraschung war natürlich der Untertitel dieser Biografie.
00:12:29: Dichter
00:12:30: der Angst!
00:12:30: Ich denke viele von Ihnen die heute hier auch im Raum sind würden eher sagen ja, Dichtern des Rümens, Dichte der durch den Schmerz hindurch affirmativ die Welt anschaut.
00:12:45: und jetzt kommt Herr Koch Und schreibt im Untertitel dich, der da Angst hat Ihnen das Verlag durchgehen lassen?
00:12:56: Da gab es tatsächlich Vorbehalte.
00:12:59: Da gab's dann tatsächlich auf einmal ein gewisses Gemunkel ob ein Buch sich mit einem solchen Untertitl gut verkauft Ob die Leute nicht ihrerseits Angst bekommen und sagen nein Dann nehm ich mir einen Rilke der eher tröstet, der eher heiter ist, der zuversichtlich stimmt dann am Ende tatsächlich gewisse Schwierigkeiten auf diesem Untertitel zu beharren.
00:13:24: Denn es ist natürlich für mich ganz zentral, also das war auch eine Erfahrung von dieser Maltelektüre.
00:13:29: in der Zeit habe ich dann die Briefe ein... Rilkes-Briefen an Luandreya Salomey seine geliebte in den jüngeren Jahren und spätere Lebensfreundin eigentlich auch Lebenstherapeutin gelesen.
00:13:42: Und da schreibt er gerade unter dem Eindruck dieses ersten Halbjahres des so neunzehn oder zwei drei in Paris verbracht hat indem er tatsächlich auch sich an den Rand eines Nervenzuhabenbruchs gedrängt gefühlt hat.
00:13:55: Da schreibt er, er müsse aber diese Konfrontation mit der Großstadt Paris die ihn zu zerstören drohe Die müsse er aushalten.
00:14:05: Er muss die Angst auch aushalten, denn es sei seine Aufgabe Dinge machen aus
00:14:10: Angst.".
00:14:11: Das war für mich so ein Zentralbegriff in den Briefen an Luandrea Salomé.
00:14:16: und dieses Dingemachen aus Angst das kehrt nicht genau der Formulierung aber es kehrte immer wieder.
00:14:23: also ich hätte die Biografie auch nennen können Rilke Dichter der kreativen Angst.
00:14:28: darauf kommt's an und das wäre dann sozusagen wissenschaftlich korrekter gewesen, aber ich bin ja mittlerweile Rentner.
00:14:35: Und kann dann auch ein bisschen loggerer und auch was Zügigeres, was ein bisschen ja also publicity-trächtig ist nehmen.
00:14:43: Aber das ist es natürlich.
00:14:45: Es ist der Versuch Angst... Also nein man kann nicht sagen der Versuche!
00:14:49: Das ist die unablässige Aufforderung da bis ans Äußerste zu gehen in der Hoffnung dass aus dieser Angst eine kreative neue Sprache hervorgeht.
00:15:00: und er wusste, dass es eigentlich nur durch die Tiefung dieser Angstzustände möglich ist.
00:15:07: Da gibt's immer wieder neue Formulierungen wo er sagt ich muss die Angst auskosten quasi bis an ihr Ende.
00:15:13: Ich muss mich ausfürchten bis in die letzte Konsequenz.
00:15:17: Und der englische Germanist Judo Mesen den ich sehr verehrt hat auch mal sehr schön geschrieben Rilke hatte Die Fähigkeit zur absoluten Angst Und gleichzeitig dann doch auch einen enormen Selbstehaltungswillen.
00:15:30: Also immer wieder natürlich große Klagen über das zerstörige dieser psychischen Krisen und dann doch die unglaubliche Zähigkeit, mit der er darauf beharrt hat dass irgendwann der Umschlag erfolgen muss in gelingendes Schreiben.
00:15:47: Es gab für ihn immer wieder auch die Frage ob eine Psychoanalyse machen sollte, ob er sich heilen lassen sollte von dieser Angst und der schreibt ja dann mal nein also wenn ich mir den Teufel austreiben lasse verliere auch meine Enge.
00:16:04: Also das heißt für ihn war es wirklich eine Form von Selbsterkenntnis.
00:16:08: da sagt schreiben und ist auch der Titel unserer heutigen Veranstaltung als Therapie, als meine Therapie.
00:16:17: Er hat zwei bis drei Mal, man kann es nicht zu genau festlegen.
00:16:21: Jetzt tatsächlich erwogen sich in Therapie zu begeben als die Verzweiflungszustände so groß waren, dass er das Gefühl hatte, er schafft es aus eigener Kraft nicht mehr und auch das Schreiben würde nicht mehr helfen.
00:16:35: Und das war ganz zentrale eben, neunzehntelf zwölf in dem halben Jahr, indem er auf diesem Schloss Duino der Gräfin der Fürsten Marie von Turnon Taxis war.
00:16:44: Da hat sich das dann in Monaten so verdichtet, dass er in Erwägung gezogen hat bei einem Münchner.
00:16:51: Übrigens ja also beim Münchners Philosophenschriftsteller Viktor von Geb-Sattel eine Therapie zu machen.
00:16:58: Das war so in der Frühphase der Psychoanalyse.
00:17:00: Also Geb Sattl hatte selber nicht viel Ahnung vom Psychoanalyse aber hat munter drauf lostherapiert und Andermriches Frau um Wirilke Sarkastisch gesagt hat, ihn als Teufel aus der Frau auszutreiben.
00:17:13: Also nachdem er die Frau so mehr oder weniger psychisch auch in die Krise getrieben hat und da finden sich dann eben diese schönen Metaphern auch in den Briefen zu sagen, er hat es am Ende abgelehnt aus der Angst dass ihm mit seinen Teufeln auf seine Engel ausgetrieben würden also auch wieder genau dieses Bewusstsein das nur im Durchhalten in diesen schweren Verzweiflungszuständen, diesen schwerer Angst anfällen.
00:17:44: Dass daraus gelingendes Schreiben hervorgeht?
00:17:49: Ja meine Damen und Herren ich würde sagen hören wir mal unsere Geburtstagskind selber Original Rilke Und das erste Gedicht dass ihnen wohl vertraut ist, dass sie alle kennen.
00:18:04: An diesem Gedicht wird dann Herr Koch nochmal deutlich machen, seine Auslegung dieses Gedichts.
00:18:11: Und ich würde sagen es ist eine ganz neue Form von Auslegungen.
00:18:15: vergessen Sie all Ihre Schullektüren und Interpretationen.
00:18:20: ein völlig neuer Zugang zur Rilke der sich Ihnen heute gerade zu Epiphan zeigen wird.
00:18:26: Bitte Frau Landhold!
00:18:27: Der Panther nicht von Oliver Kahn gelesen, der das auch gelesen hat sondern jetzt von Frau Landelt.
00:18:37: Der Panther, im Chardin de Plont Paris.
00:18:44: Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe so müd geworden dass er nichts mehr hält.
00:18:53: Ihm isst als ob es tausend Stäbige gäbe und hintertausend Sterben keine Welt.
00:19:02: Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte das sich in aller kleinsten Kreise dreht ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht.
00:19:19: Nur manchmal schiebt sich der Vorhang der Popille lautlos auf.
00:19:27: Dann geht ein Bild hinein und geht durch die Glieder angespannte Stille und hört im Herzen auf zu sein.
00:19:40: Ja Herr Koch vielleicht versuchen Sie mal so die Hintergründe auch dieses Gedicht dass die Kontextualität, aber auch ihren Zugang zu diesem Gedicht uns etwas nahe zu bringen.
00:19:52: Das Gedicht ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz genau, kann man es nicht sagen, entstanden im November two in Paris das heißt etwa zwei drei Monate nach der Ankunft in Paris.
00:20:04: er hatte sich von seiner Familie getrennt.
00:20:07: er war vorher Investorwede in Norddeutschland bei Bremen und diese Ersten zwei Monate in Paris beschreibt er im Tagebuch und auch in Briefen schon als eigentlich ein einziger Horror.
00:20:20: Er ist der Großstadt psychisch nicht gewachsen, er haust in einem erbärmlichen Zimmer, ehrt auf den Pariser Boulevard herum, flüchtet sich in irgendwelche Bistrosse und trifft dort auf.
00:20:35: deklassierte Menschen, obdachlose Trinker Prostviere vollkommen den Boden unter den Füßen verloren.
00:20:45: Und gerettet hat er sich immer wieder in den Jardin de Blondt, den Pariser Zoo und hat ganz offensichtlich – das kann man im Tagebuch schön sehen – die Tiere einfach beobachtet.
00:20:56: Das war zum einen natürlich wirklich ein Rückzugsort, ein Ort der Ruhe und zum anderen war es für ihn auch der Durchbruch zu einer neuen Art von Schreiben einem Abkommen bis dahin eigentlich vorherrschenden Nürig in der Gefühlszustände direkt mit ich ausgestellt werden, zum Teil auch eben kitschig oder auch mit übertriebenem Pathos.
00:21:21: Und der neue Ansatz ist zu sagen, ich lege eigentlich all das was im Ich vor sich geht, ich leg das in die Beschreibung eines Dings wir es übergreifend nennt – in diesem Fall eines Tiers Und das ist das Fantastische Irrm-Panther.
00:21:37: Es ist ein Ichgedicht ohne ich, wie man gesagt hat.
00:21:41: Also es kommt das Wort Ich nicht vor und natürlich handelt der Text... also es gibt ältere Interpretationen, da schreiben die Leute rilkewollte nur ganz sachlich des Tierbeschreibens.
00:21:51: Das ist natürlich Quatsch!
00:21:53: Der Panther is eine Spiegelfigur eines Gefühls von Ausweglosigkeit, von Gefangen sein.
00:21:59: Von Fremd am Platz sein.
00:22:01: also wie dieses exotische Tier in einem Pariser Zoo in diesem Käfig hin und her wandert das ist ganz deutlich.
00:22:08: aber wie gesagt ohne dass das Gefühl explizit ausgestellt wird sondern es wird alles auf ganz wenige Details beschränkt nämlich Blick- und Gang dieser Raubkatze.
00:22:19: Und dann finde ich das faszinierende an dem Text Trostlosigkeit und von Hoffnungslosigkeit handelt, aber gerade auch mit diesem Schluss.
00:22:30: Nur manchmal schiebt der Vorhang der Publie sich lautlos auf, dann geht ein Bild hinein, geht durch die gliederangespannte Stille und hört im Herzen auf zu sein.
00:22:39: Das ist natürlich irgendwo ein sehr trauriger Schluss.
00:22:41: übrigens wie der Germanist dann sofort feststellt in der Schlusszeile fehlt eine Hebung.
00:22:48: Also da ist sozusagen denn auch ein Raum des Nichts, der sich auftut.
00:22:52: Aber auf der anderen Seite ist es meiner Meinung nach eben auch und das ist der Akzente nicht so gegenüber alten Interpretationen etwas stark machen.
00:23:00: Es ist eine Beschwörung natürlich auch dieser Kraft also der weiche Gang geschmeidig starke Schritte der sich im allerkleinsten Kreise dreht wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte in der betäubt ein großer Wille steht.
00:23:13: Das fantastische an so einem Gedicht immer gesagt wird negativ.
00:23:18: Es ist eigentlich zerstört, es ist nicht da und das Gedicht schafft uns aber trotzdem diese Kraft dieses herrlichen Raubtiers zu vermitteln und damit eben auch natürlich die Hoffnung dass diese Kraft wiederkehren kann.
00:23:32: also wenn auch gesagt wird wie geht durch der Glieder angespannte Stille?
00:23:39: Also wenn sie mal im Zoo ein Panther beobachtet haben oder anderswo dann haben wir ja dieses feine Muskel spielt es über das ganze Rückgrat bis hin zu den Hinterbeinen, mit dieser gewaltigen Sprungkraft geht.
00:23:52: All so was wird von Rilke beschworen und natürlich in der Hoffnung dass auch in ihm wieder die ursprüngliche Kraft also die dichterische Kraft hervorbrechen könnte.
00:24:02: Und es ist das Fantastische an diesem Gedicht mit dem er tatsächlich eine Art Kehrtwende seine ganzen Lyrik weg vom extrem gefühligen Ich und Kunden seiner Innenbefindlichkeiten gemacht hat.
00:24:17: Und hingegangen ist in die Verlagerung alles Inneren, alles Psychischen, alles Subjektiven in sogenannte Dinge.
00:24:24: Das sind vielfach Tiere, das können aber auch Figuren in der Großstadt sein.
00:24:29: also die neuen Gedichte sind tatsächlich eine faszinierende Sammlung ab.
00:24:35: da gibt es wirklich den Rilke der Weltlideragenrang einnimmt.
00:24:41: Also man hat ja oft auch von dieser Reimmaschine Rilke gesprochen.
00:24:45: Vorher, der einfach alles gereimt hatte, was ihm untergekommen ist und jetzt plötzlich ein ganz neuer Ansatz, einen ganz neuen Weg und so.
00:24:54: Und da war natürlich wichtig seine Begegnung mit Rodin.
00:25:01: Vielleicht hören wir vom Rodin Essay den Anfang Und weil da eine Entdeckung bei ihm selber auch stattgefunden hat, dass er dieses künstlerische Tun und Formen dann auch in seine Lyrik, also in seine Handwerkskunst sozusagen auch das Schreiben übertragen hat.
00:25:21: Frau Landhold!
00:25:24: Rodin war einsam vor seinem Ruhme – und der Ruhm, der kam, hat ihn vielleicht noch einsamer gemacht.
00:25:33: Denn Ruhmen ist schließlich nur der Inbegriff aller Missverständnisse die sich um einen neuen Namen sammeln.
00:25:41: Es sind Ära sehr viele Umråder, und es wäre eine lange und mühsame Aufgabe sie aufzuklären – es ist auch nicht nötig!
00:25:51: Sie stehen um den Namen, nicht um das Werk, dass weit über dieses Namens Klang-und-Rand hinausgewachsen und namenlos geworden ist wie ein Ebenenamen los ist oder ein Meer, das nur auf der Karte einen Namen hat in den Büchern und bei den Menschen.
00:26:10: In Wirklichkeit aber nur Weite ist, Bewegung und Tiefe.
00:26:17: Dieses Werk von dem hier zu
00:26:19: reden
00:26:20: ist gewachsen seit Jahren und wächst an jedem Tage wie ein Wald – und verliert keine Stunde!
00:26:28: Man geht unter seinen Tausend Dingen umher überwältigt von der Fülle der Funde und Erfindungen die es umfasst Und man sieht sich unwillkürlich nach den zwei Händen um, aus denen diese Welt erwachsen ist.
00:26:46: Man erinnert sich wie klein Menschenhände sind, wie bald sie müde werden und wie wenig Zeit ihnen gegeben ist, sich zu regen.
00:26:57: Und man verlangt die Hände zu sehen, die gelebt haben wie hundert Hände – wie ein Volk von Händern das vor Sonnenaufgang sich erhob zum weiten Wege dieses Werkes!
00:27:09: Man fragt nach dem, der diese Hände beherrscht.
00:27:13: Wer ist dieser Mann?
00:27:17: Es ist ein Greis und sein Leben ist eines von denen die sich nicht erzählen lassen.
00:27:25: Dieses Leben hat begonnen und es geht.
00:27:28: Es geht tief in ein großes Alter hinein Und das ist für uns als ob es vor vielen hundert Jahren vergangen wäre.
00:27:36: Wir wissen nichts davon!
00:27:39: Es wird eine Kindheit gehabt haben Irgendeine.
00:27:42: eine Kindheit in Armut, dunkel, suchend und ungewiss.
00:27:49: Und es hat diese Kindheit vielleicht noch?
00:27:51: Denn wie der heilige Augustinus einmal sagte, wohin sollte sie gegangen sein?
00:27:59: Es hat vielleicht alle seine vergangenen Stunden die Stunden der Erwartung und der Verlassenheit, die Stunden des Zweifels und die langen Stunden der Not.
00:28:09: Es ist ein Leben das nichts verloren und vergessen hat!
00:28:13: Ein Leben, das sich versammelte da es verging.
00:28:18: Vielleicht wir wissen nichts davon aber nur aus einem solchen leben glauben wir kann eines solchen Wirkens Fülle und Überfluss entstanden sein.
00:28:30: Nur ein solches Leben in dem alles gleichzeitig ist und wach und nicht vergangen Kann jung und stark bleiben und sich immer wieder zu hohen Werken erheben.
00:28:43: Es wird vielleicht eine Zeit kommen da man diesem Leben seine Geschichte erfinden wird.
00:28:49: Seine Verwickelungen, seine Episoden und Einzelheiten – sie werden erfunden sein!
00:28:56: Man wird von einem Kinder erzählen das oft zu Essen vergaßt weil es ihm wichtiger schien mit einem schlechten Messer Dinge in geringes Holz zu schneiden Und man wird in die Tage des jungen Menschen irgendeine Begegnung setzen Die eine Verheißung zukünftiger Größe eine von jenen nachträglichen Prophezeiungen enthält, die so volkstümlich und rührend sind.
00:29:23: Ja vielen Dank Frau Landolte!
00:29:25: Herr Koch, an Sie die Frage natürlich wie kommt Rilke zu Rodin?
00:29:31: Da müssen wir jetzt einfach mal biographisch nochmal etwas nachfassen.
00:29:35: Also zunächst einmal biografisch war es einfach mehr Auftragsarbeit, die Chance Geld zu verdienen.
00:29:40: viel verdient hat er nicht damit dass er diese Rodin Monographie geschrieben hat und vielleicht biografisch noch wichtiger, dass er durch diesen Auftrag ein Essay könnte man sagen über Auguste Rodin den berühmtesten Wildhauer der Zeit zu schreiben.
00:29:56: Nach Paris gehen musste?
00:29:59: hat er die Chance sofort ergriffen die Familie zu verlassen.
00:30:02: also er hat sich unvorsichtigerweise vor allem weil er eben eine Tochter gezeugt hat auf eine Ehe eingelassen und es war nach relativ kurzer zeit klar das nicht geht Das muss man so hart sagen, ein Mann von sagenhafter Verantwortungslosigkeit.
00:30:17: Also er hat in jeder... lebensgeschichtlichen Situation immer betont, dass das einzige, den man verpflichtet ist, sein Werk, seine Arbeit sei und dann natürlich doch auch alle Menschen mit denen er zu tun hat auf der Strecke bleiben müssen.
00:30:32: Denn also bewundernswert wird trotzdem dann unendlich viele Unterstützer immer gefunden hat die ihm da nie sonderlich verdient hat durchs Leben geholfen haben.
00:30:43: Und wie gesagt Der Gang nach Paris war dann eigentlich auch die Möglichkeit einer bürgerlichen Ehe und Familienführung zu entkommen.
00:30:53: Rodin wurde aber sehr schnell für ihn eine Art Vaterfigur.
00:30:58: Es gibt jetzt gerade im Gedenk ja unendlich viele Bücher über Rilke und die Frauen, riesen Thema!
00:31:03: Und seine vielen Geliebten und seine vielen Gönnerinnen, die ihn finanziert haben.
00:31:09: Aber was schon auch eine Rolle spielt sind diese großen künstlerischen Faderfiguren an denen Orientierung suchte.
00:31:15: Das war vor Rodin Warters Tolstoy in Russland, der ihn relativ schlecht behandelt hat und dann eben die Möglichkeit sich an Rodin anzuschließen.
00:31:25: Und das Interessante an dem Essay wo wir gerade den Anfang gehört haben ist dass Rilke zum einen anfängt mit so einer
00:31:34: fast
00:31:35: Sakralisierung von Rodin als eine Art Kunstgott als Rauschebärdiger Kunstgött der Unvergängliches in seiner Werkstatt erschafft und es geht einem dann schon auch, also mir ging's als Student auch schon wieder auf die Nerven.
00:31:49: Auf der anderen Seite wenn man genau schaut wie er Rodin das Arbeiten beschreibt ist es eine der hellzichtigsten kunstgeschichtlichen Studien von jemanden der zwar offiziell Kunstgeschichte studiert hat also Rilke war ja auch mal Student aber sehr sehr bar also allenfalls sporadisch mal ein bisschen sich ernsthaft ins Studium reingegnied.
00:32:10: Aber da beobachtet er ganz genau Rodin's Arbeitsweise.
00:32:14: und was sie jetzt gehört haben, das ist ein Grundtenor der sein ganzes Werk in Bezug auf Kunstproduktion durchzieht.
00:32:23: bei Rodin sagt er dass eigentlich die Hände nur die Händen dieses Tattoos machen und der Kopf weitgehend ausgeschaltet Kunst hervorbringen wollen, führt eigentlich ins Versagen oder führt in Dilithentismus.
00:32:42: Stattdessen ist es wichtig quasi aus dem Unbewussten herauszuarbeiten und das führte ganz wunderbar an der Arbeitsweise von Rodin Vauder.
00:32:52: unendlich viele Zeichnungen anfertigt und schon beim Zeichenen ist alles drauf ausgerichtet dass gar nicht überlegt wird was er da zeichnet sondern dass quasi die Hand ein eigenes Gedächtnis entwickelt.
00:33:06: Also von Formen, von Menschen und von Gegenständen.
00:33:10: Und das aus diesem Handgedächtnisse heraus am Ende er wieder mit Ton seine berühmten Statuen macht.
00:33:17: Der Punkt kommt dann bei Rilke durchs ganze Leben hindurch.
00:33:22: also nicht wegkommen von dem was sozusagen ich absichtlich willendlich machen will als reflektierendes Ich sondern reinkommen in eine Kreativität des Unbewussten.
00:33:36: Absichtslos, namenlosenänderndes bei Rodin.
00:33:39: Und das zweite ... Wir kennen die meisten werden ja Rodins Statuen kennen.
00:33:45: Was ihn maßlos fasziniert hat war die Bewegtheit dieser Statuen.
00:33:50: Statue heißt ja eigentlich steht und ist immobil.
00:33:53: Und Rodin sagt er schafft es, Statuen zu einem Bewegungsgeschehen zu machen.
00:33:59: Das ist diese Technik dass Rodin die traditionelle, skulpturale Oberfläche aufbricht.
00:34:05: Die Statuen haben ja nicht mehr dieses glatte wie jetzt irgendwelche Renaissance-Statuenskulturen sondern sehen eher aus wie eine zerfruchte Ackerlandschaft.
00:34:16: also Rodin formt ja Buckel und Höhlungen in Brust und Armen und es ist eine Technik die dazu führt das die Rodins Statuen so eine Art Lichtfangobjekte werden.
00:34:28: Also wenn sie entsprechend beleuchtet werden, sieht es ja aus als ob die in verschiedene Richtungen abstrahlen und dadurch im Grunde eine extreme Bewegungsdynamik in so eine Statuerreihen kommt.
00:34:40: Und die Parallele, die Rilke sich dann eigentlich vorgestellt hat ist bei diesen Dingen, die in den neuen Gedichten beschrieben oder eigentlich geschaffen werden ähnlich energiegeladene einzelne Dinge vorzustellen.
00:34:56: also auch da Es gibt dieses berühmte Gedicht archaischer Torso Apollos, wo er das quasi in der Parallele zur Rodin vorführt.
00:35:05: Wie eine Statue so betrachtet werden kann im Grunde ein Todeklumpenstein, dass auf einmal unendlich kraftvolles Leben strahlend aus ihm hervorbricht.
00:35:15: Das ist der Grund für diese.
00:35:19: viele kennen wahrscheinlich das Gedicht mit dieser berühmbten Schlussseile du musst dein Leben ändern denn da ist keine Stelle die dich nicht sieht.
00:35:26: Du musst dein Leben ändern.
00:35:28: Das ist tatsächlich das Gedicht, an dem wir am ehesten sehen können wie er diese Rotörerfahrung in sein eigenes Schreiben hinein nimmt.
00:35:37: Frau Landau, vielleicht bringen Sie uns dieses Gedicht noch mal in Erinnerung.
00:35:43: Archäischer Torso Apollos.
00:35:47: Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt Darin die Augenäpfel reiften.
00:35:54: Aber Sein Torso gibt es noch wie ein Kandelaber In dem Sein Schauen, nur zurückgeschraubt sich hält und glänzt.
00:36:08: Sonst könnte nicht der Buch, der Brust dich blenden Und im leisen Drehen Der Länden Könnte Nicht Ein Lächeln Gehen Zu jener Mitte Die die Zeugung trug.
00:36:27: Sonst stünde dieser Stein Entstellt und kurz unter der Schultern Durchsichtigen Sturz und flimmerte nicht so wie Raubtierfälle.
00:36:38: Und bräche nicht aus allen seinen Rändern, aus wie ein Stern!
00:36:45: Denn da ist keine Stelle die dich nicht zieht.
00:36:51: Du musst dein Leben
00:36:52: ändern.".
00:36:56: Ja Herr Koch sie haben uns ja praktisch schon vorweggenommen in ihrer Rodin Auslegung jetzt mehr oder weniger auch dieses Gedicht eine Umsetzung dessen was er an der Rodin erfahren hat.
00:37:08: sie haben angedeutet Hauptsächlich auch diese Tonarbeit, dann diese Fingerfertigkeit und Rilke entdeckt plötzlich.
00:37:17: Kunst braucht
00:37:19: Übung,
00:37:21: im Grunde genommen diese täglichen Auseinandersetzung mit dem Objekt und ist dann der Versuch etwas scheinbar Totes zum Leben zu erleben.
00:37:36: Und das die lürigt in den neuen Gedichten.
00:37:41: Also das finde ich wirklich an dem Gedicht, das Sie gerade gehört haben, das Faszinierende, dass wirklich analog er versucht über Spracheffekte zu erreichen einen toten Steinglumpen zum fast zum explodierten Lichtkörper zu machen Wenn Sie mal schauen, das ist ein Torso, den er im Lufi gesehen hat.
00:38:07: Das heißt keine Arme, keine Beine, kein Kopf und auch die Genitalien fehlen.
00:38:13: also wirklich einen relativ unförmiger Klumpen.
00:38:16: archaischer Torso heißt es noch vor der Zeit eigentlich der griechischen Klassik also so etwa siebtes sechstes Jahrhundert vor Christus.
00:38:24: Und dann ist es natürlich schon schwer wenn man sagt ich weiß jetzt wie Rodin seine Skulpturen macht Aber wie versuche ich das in die Beschreibung eines Gedichts reinzukriegen?
00:38:36: Und dann kommen diese unglaublich geschickte Lichtmetaphorik bei Rilke, wo am Anfang sich eben auch wahnsinnig was getraut.
00:38:45: Also überlegen Sie mal also so einen gewagten Vergleich.
00:38:49: wir kannten nicht sein unerhöhtes Haupt indem die Augenäpfel reiften aber Aber als Reimwort, das gibt es auch selten vorher in der Deutschen Lyrik.
00:38:58: Aber sein Tausoch lüht noch wie ein Kandelaber, indem sein Schaun nur zurückschraubt sich hält und glänzt.
00:39:05: Und über diesen Kandelabervergleich also im Grunde ein schwaches Schimmern eines zurückgetreten Dochtes in einem Leuchtkorber trägt er dann im Gedicht immer weiter diese Lichtwelle auf bis es eben heißt, dass sozusagen dieser Steinklumpen aussieht als ob er hunderttausend Augen hätte den Betrachter anstrahlen.
00:39:28: und daraus kommt dann diese überwältigende Schlussaussage.
00:39:32: Denn da ist keine Stelle wie gesagt die dich nicht zieht.
00:39:34: du musst dein Leben ändern.
00:39:37: großartig natürlich auch gerade weil nicht gesagt wird was man denn jetzt um Gottes Willen ändern soll sondern nur umstürzende Erfahrung, die dir sagt es ist was nicht in Ordnung und es gäbe eigentlich auch eine völlig andere Orientierung.
00:39:54: Und das ist meisterhaft gemacht.
00:39:56: also ich meine Germanisten machen da immer noch mehr draus indem sie auch zeigen wie er mit seiner Enchaupement Technik diesen Körper diesen Tosso nicht nur zum leuchten sondern quasi auch noch zum rotieren bringt.
00:40:10: Das sieht man dann auch wirklich, was Rilke technisch gelernt hat.
00:40:14: Das ist etwa in der Entstehung fünf Jahre nach dem Panther-Gedicht und da wird er tatsächlich noch mal immer besser aber sind wahrscheinlich schon zu Recht die zwei berühmtesten Gedichte aus den neuen Gedichten.
00:40:27: Also es ist ja ganz spannend, was er aus dieser Begegnung mit Rodin einfach auch gelernt hat für das eigene Tun, für die eigene Poesie.
00:40:36: Aber vielleicht werfen wir noch mal auch einen Blick auf diesen Rodin.
00:40:42: War ja auch ein etwas ambivalente Figur, also muss man vielleicht auch erwähnen... Rilke hat ihn fast etwas überhöht in diesem
00:40:52: Essen
00:40:54: und er hat ja auch andere Seiten, vielleicht kennen sie Camille Claudel, die bei ihm auch gearbeitet hat Und er hat im Grunde genommen die Frauen auch, die bei ihm gearbeitet haben.
00:41:07: Ja ich weiß nicht welches Wort man gebrauchen soll Herr Koch?
00:41:13: Spontan würde mir jetzt was sehr Unanständiges einfallen aber das verschweige ich Aber es war schlichtweg so.
00:41:18: also Rodin war ein Erotomane der unablässig sofort mit auch Modellen in dem Bett gelandet ist und auch nicht sich viel drum gekümmert hat, ob die das jetzt wollten oder nicht.
00:41:33: Also viele haben sicher auch wirklich aus Verehrung des großen Mannes gemacht.
00:41:39: Und es ist ganz interessant wie Rilke in dieser Monographie des Vollkommens aussparte.
00:41:45: also Rodin ist ein Heiliger, ist ein Kunstgott und selbst in den Briefen wo dann doch relativ deutlich wird wie Miserable Rodin seine Lebensgefährtin behandelt hat Rospiré, das noch da spielt eigentlich ... Das waren Frauen.
00:42:05: Und Frauen, die nicht unbedingt mit ihm in eine intime Beziehung kommen wollten, die mussten halt sofort sich entfernen und richtig gehen fliehen.
00:42:16: Und dann spät also schon ein Zerwürfnis mit Rodin dahinter sich hat, schreibt einmal an seine Frau Clara dass er versucht habe klarzumachen, dass die Liebe auch das Erotische eigentlich immer sofort ins Geistige überführt werden müsse und gar nicht ausgelebt so richtig werden dürfe.
00:42:40: Und dann schreibt er aber riskierend also der Meister habe sich das angehört, aber ich werde ihn nicht ändern.
00:42:49: Genau!
00:42:50: Also doch eine Form von Erkenntnis auf.
00:42:52: diesbezüglich haben sie nicht weiter ausgewaltigt.
00:42:54: Ja schön meine Damen und Herren, ich denke Das war jetzt mal so.
00:42:58: ein erster Schritt, um Rilke Neue kennenzulernen in seinen neuen Gedichten und vor allem auch den Hintergrund.
00:43:06: Die Hintergründigkeit, die Auseinandersetzung mit Rodard diese Bekanntschaften mit Rodards, diese künstlerische Technik, die er dann übersetzt hat in die Poesie in sein jurisches Werk.
00:43:20: Der zweite Schritt
00:43:20: wäre jetzt so von uns
00:43:22: angedacht, dass wir uns nochmal den Malte-Lauretz-Bricke zuwenden.
00:43:26: Diesen Erzählungen der Malte Lauretze Bricke, der ja für sie der Entdeckungshintergrund für Rilke war.
00:43:33: Das ist auch dieses
00:43:36: Angstthema
00:43:37: das da ganz stark da ist.
00:43:39: und vielleicht Herr Koch versuchen Sie noch mal diese Aufzeichnungen die ja sehr vielschichtig sind aber sie in ihrer Grundkohärenz mal darzustellen, also was da alles verarbeitet ist.
00:43:54: Was da alles vorn kommt?
00:43:56: Also die Grundlage ist natürlich wie gesagt dieses Halbjahr in Paris und es ist ganz interessant seine ja also seine müterliche geliebte Luandrea Salome zwischen Schriftsteller geformt hat.
00:44:14: Sie war fast fünfzehn Jahre älter und intellektuell eben deutlich überlegen, das hatte eigentlich Zeit seines Lebens anerkannt dass sie ja die intellektuelle dominierende Gestalt in seinem Leben ist.
00:44:29: Die hat in nineteenhundert verstoßen da das Zusammenleben mit ihm tatsächlich zu anstrengend war und hat in einem Verstoßungsbrief am Ende geschrieben wenn er wirklich in Zuständen größter Verzweiflung sei und nicht weiterwisse, dann dürfe er sich wieder ins Eventen.
00:44:47: Und in diesem Pariser Halbjahr schreibt er eben nach diesen furchtbaren Erfahrungen in der Großstadt die ersten Briefe wieder an Sie – und da sie freundlich reagiert schon auf das erste Schreiben kommt es zu einer Warnsturzflut von Briefen über seine Schocks, muss man sagen, über seine Zerstörungserfahrung im Paris.
00:45:08: Und diese Briefe an Du sind eigentlich die Grundlage des Romans, die übernimmt er zum Teil mit leichten Veränderungen in die einzelnen Malteabschnitte.
00:45:20: Das kann man sich auch relativ klarmachen also jetzt fast küchenpsychologisch.
00:45:25: Er beschreibt in dem Roman öfters wie dieser Heldmalte von Angstzuständen in der Großstadt auf einmal wieder in seine Kindheit zurückkartupultiert wird das all die alten längst vergessenen Kindheitsängste wieder in ihm aufsteigen und ihn würgen auch tatsächlich.
00:45:44: Und im Roman ist es dann so eben gestaltet, dass dieser Held Malte sich an seine Kindheit in Dänemark erinnern dessen ein dänischer Adler eigentlich von verarmten Familien aber immerhin einen Landedelmann.
00:45:58: und so ist dann der zweite Teil des Malte eigentlich hauptsächlich eine Schilderung dieser Kindheitswelt in Dänemark.
00:46:07: Der ist extrem schwer zu verstehen.
00:46:11: Ich weiß noch, dass ich bei der ersten Lektüre überhaupt vollkommen ratlos war, worum es da überhaupt geht.
00:46:18: Da kommen auf einmal lauter Geschichten zum Teil kräuliches Zeug über französische Könige des XV Jahrhunderts oder des XIV Jahrhunderts die schwere Verletzungen erlitten haben oder wahnsinnig wurden und in ihrem Bett verfolgen oder dergleichen mehr.
00:46:32: also ganz kräuliches Zeug.
00:46:34: Und das kann man sich vielleicht so zurechtlegen, dass dieser Malte beim Versuch auch in seine Kindheit wieder zurückzukommen.
00:46:43: Wilke hat es genannt die Kindheit zu leisten.
00:46:47: Das heißt gegen alle Vertränungen tatsächlich auf den Kern der Kindheitserfahrung zu kommen, dass da etwas hoch kam jetzt des Schilders Das lässt es einen Helden erleiden, aber das ist wahrscheinlich auch die Grundlage bei Rilke im Schreiben dieses Buchs.
00:47:03: Dass die Angstüberwältigung dann so groß wurde, dass dauernd eine Reflexion der Spiegelung in vollkommen zerstörten Figuren also wie zum Beispiel diesem König Karl VI auftaucht und dann wird es über Seiten beschrieben.
00:47:21: grauenhaft, aber ich würde sagen jetzt so als Literaturhistoriker es ist ein Versuch eigentlich Formen von einem fast delirierenden Schreiben.
00:47:32: Also einem Schreiben das ganz tief auch in psychische Krisenzustände hineingeht vorzuführen.
00:47:39: Das bedeutet für den Leser in erster Linie dass er tatsächlich erst mal nichts versteht, aber dieses Nicht-Verstehen richtige Aufnahme von dem, was da in dem Text vor sich geht.
00:47:53: Also dass einer wirklich jeden Halt verliert und jede Orientierung nur noch zwanghafte Identifikation mit jaer psychisch oder körperlich kranken vollzieht.
00:48:04: Und dann am Ende eben dieser Schluss indem doch die Hoffnung wieder erweckt wird das aus diesen Zerstörungserfahrungen eine neue Kreativität, eine neue herrliche Sprache wie es heißt hervorgehen konnte.
00:48:18: Für Ilke selber war das der Versuch, wie er es gesagt hat seine Kindheit noch einmal zu leisten durch diesen dann doch irgendwo autobiografischen Roman.
00:48:27: Für ilke selber was verheerend also.
00:48:29: er hat am Ende dann immer wieder betont dass das Schreiben dieses Romans in noch tiefer eigentlich so tief wie nie zuvor in die psychische Krise hineingetrieben hat.
00:48:39: deswegen denn auch diese Überlegung ob sich nur Psychoanalysen unterzieht und Da gibt es auch irrsinnige Formulierungen.
00:48:49: Er hat dann zum Beispiel mal schreibt, nachdem er den Malte fertig hat und eigentlich alles gut wäre in dem Sinn das Buch auf dem Markt ist, schreibt der Malte habe ihn mehr oder weniger auf die andere Seite des Todes gebracht.
00:49:04: Und zwar so weit hinter dem Tod dass nicht einmal mehr sterben möglich war.
00:49:08: Das ist eine typische rätselhafte Rilke-Formulierung eine ungeheure Wucht hat, glaube ich.
00:49:15: Also da muss man jetzt gar nicht versuchen das noch weiter zu analysieren sondern es hat ja etwas existenziell wirklich sehr sehr schlagkräftiges und natürlich auch Schreckliches.
00:49:27: kann man anders nichts sagen?
00:49:31: Wir haben für den heutigen Abend eine Textpassage ausgewählt Aus den Erzählungen von Malte Lauritsbrück nämlich den Schluss Die Geschichte vom verlorenen Sohn, das ist ja nochmal auch eine interessante Wendung.
00:49:45: Und das wollen wir jetzt hören von Frau Landhold und darüber noch mal ins Gespräch
00:49:49: kommen.".
00:49:51: Man wird mich schwer davon überzeugen dass die Geschichte des verlorenen Sohnes nicht die Legende dessen ist der nicht geliebt werden wollte.
00:50:02: da er ein Kind war liebten ihn alle im Hause.
00:50:06: Er wuchs heran, er wusste es nicht anders und gewöhnte sich in ihrer Herzweiche, da er ein Kind war.
00:50:15: Aber als Knabe wollte er seine Gewohnheiten ablegen.
00:50:19: Er hätte es nicht sagen können aber wenn er draußen herumstrich den ganzen Tag und nicht einmal mehr die Hunde mit haben wollte so war's weil auch sie ihn liebten.
00:50:30: Weil in ihren Blicken Beobachtung war und Teilnahme, Erwartungen und Besorgntheit, weil man auch vor ihnen nichts tun konnte ohne zu freuen oder zu kränken.
00:50:42: Was er aber damals meinte, das war die innige Indifferenz seines Herzens, die ihn manchmal früh in den Feldern mit solcher Reinheit ergriff, dass er zu laufen begann um nicht Zeit und Atem zu haben mehr zu sein als ein leichter Moment, in dem der Morgen zum Bewusstsein kommt.
00:51:07: Das Geheimnis seines noch nie gewesenen Lebens breitete sich vor ihm aus.
00:51:12: Unwillkürlich verließ er den Fußpfad und lief weiter fällt ein.
00:51:17: Die Arme ausgestreckt, als könnte er in dieser Breite mehrere Richtungen auf einmal bewältigen Und dann warf es sich irgendwo hinter eine Hecke und niemand legte Wert auf ihn.
00:51:31: Er schälte sich eine Flüte, erschleuderte einen Stein nach einem kleinen Raubtier, erneigte sich vor und zwang einen Käfer umzukehren.
00:51:41: Dies alles wurde kein Schicksal und die Himmel gingen wie über Natur.
00:51:47: Schließlich kam der Nachmittag mit lauter Einfällen, man war ein Bukaniee auf der Insel Tortuga und es lag keine Verpflichtung darin es zu sein!
00:51:57: Man belagerte Kompäsch, man erobert Wera Cruz.
00:52:02: Es war möglich das ganze Herd zu sein oder einen Anführer zu Pferd oder ein Schiff auf dem Meer je nachdem man sich fühlte.
00:52:12: Vieles einem aber ein hinzuknien, so war man rasch Deodat von Guson und hatte den Drachen erlegt.
00:52:19: Und vernahm ganz heiß dass dieses Heldentum hofffertig war ohne Gehorsam Denn man ersparte sich nichts was zur Sache gehörte.
00:52:31: So viel Einbildungen sich auch einstellten Zwischendurch war immer noch Zeit Nichts als ein Vogel zu sein Ungewiss welcher Nur das der Heimweg.
00:52:42: dann kam Mein Gott, was war da alles abzulegen und zu vergessen?
00:52:49: Denn richtig vergessen das war nötig.
00:52:51: Sonst verriet man sich wenn sie drängten Wie sehr man auch zögerte und sich umsah Schließlich kam doch der Giebel herauf.
00:53:02: Das erste Fenster oben fasste einen ins Auge.
00:53:05: Es mochte wohl jemand dort stehen.
00:53:08: Die Hunde in denen die Erwartung den ganzen Tag angewachsen war preschten durch die Büsche und trieben einen zusammen zu dem, den sie meinten.
00:53:19: Und den Rest tat das Haus!
00:53:22: Man musste nur eintreten in seinen vollen Geruch – schon war das Meiste entschieden.
00:53:28: Kleinigkeiten konnten sich noch ändern.
00:53:30: Im Ganzen war man schon der für den Sie einen hier hielten.
00:53:35: Der, dem Sie aus seiner kleinen Vergangenheit und Ihren eigenen Wünschen längst ein Leben gemacht hatten.
00:53:42: Das gemeinsame Wesen das Tag und Nacht unter der Suggestion ihrer Liebestand, zwischen Ihrer Hoffnung und Ihrem Argwohn vor Ihrem Tabel oder Beifall.
00:53:56: So einem nützt es nichts mit unsäglicher Vorsicht die Treppen zu steigen – alle werden im Wohnzimmer sein!
00:54:03: Und die Thüre muss nur gehen?
00:54:04: So sehen Sie hin… Er bleibt im Dunkel … er will Ihre Fragen abwarten ... aber dann kommt das Ärgste.
00:54:14: Sie nehmen ihn bei den Händen, sie ziehen ihn an den Tisch und alle so viel ihrer da sind strecken sich neugierig vor die Lampe.
00:54:47: Zwischen der zarten Wahrhaftigkeit seines Willens und dem plumpen Betrug, der sie ihm selber verdirbt.
00:54:56: Wird er es aufgeben das zu werden was denen aus seiner Familie die nur noch ein schwaches Herz haben schaden könnte?
00:55:05: Nein!
00:55:06: Er wird fortgehen zum Beispiel während Sie alle beschäftigt sind ihm den Geburtstagstisch zu bestellen mit den schlecht erratenen Gegenstände Die wieder einmal alles ausgleichen sollen Fort gehen für immer.
00:55:22: In diesen Jahren gingen in ihm die großen Veränderungen hervor.
00:55:27: Er vergaß Gott beinahe über der harten Arbeit, sich ihm zu nähern und alles was er mit der Zeit vielleicht bei ihm zu erreichen hoffte war ... Die Zufälle des Schicksals auf die die Menschen halten waren schon längst von ihm abgefallen aber nun verlor selbst was an Lust und Schmerz notwendig war den gewürzhaften Beigeschmack und wurde rein- und nahehaft für ihn.
00:55:59: Aus den Wurzeln seines Seins entwickelte sich die feste, überwinternde Pflanze einer fruchtbaren Freudigkeit.
00:56:06: Er ging ganz darin auf zu bewältigen was sein Binnenleben ausmachte.
00:56:11: er wollte nichts überspringen denn er zweifelte nicht dass in alledem seine Liebe war und zunahm Ja.
00:56:19: seine innere Fassung ging so weit dass er beschloss das Wichtigste von dem, was er früher nicht hatte leisten können.
00:56:27: Was einfach nur durchwartet worden war nachzuholen.
00:56:32: Er dachte vor allem an die Kindheit.
00:56:35: Sie kam ihm – je ruhiger er sich besann – desto ungetaner vor.
00:56:41: Alle ihre Erinnerungen hatten das Waage von Ahnungen an sich und dass sie als Vergangen galten machte sie nahezu zukünftig.
00:56:51: Dies alles noch einmal und nun wirklich auf sich zu nehmen, war der Grund weshalb der entfremdete Heimkehrte.
00:57:00: Wir wissen nicht ob er blieb!
00:57:02: Wir wissen nur das Erwiderkam.
00:57:07: Die die Geschichte erzählt haben versuchen es an dieser Stelle uns an das Haus zu erinnern wie es war denn dort ist nur wenig Zeit vergangen ein wenig gezählter zeit.
00:57:18: alle im haus können sagen wie viel.
00:57:21: Die Hunde sind alt geworden aber sie leben noch.
00:57:25: Es wird berichtet, dass eine Aufhalte.
00:57:29: Eine Unterbrechung geht durch das ganze Tagwerk.
00:57:32: Gesichter erscheinen an den Fenstern Gealterte und erwachsene Gesichter von rührender Ähnlichkeit Und in einem ganz alten schlägt plötzlich Blass das Erkennen durch.
00:57:46: Das erkennen?
00:57:49: Wirklich nur das erkennen?
00:57:52: Das verzeihen!
00:57:55: Das Verzeihen wovon?
00:57:57: Die Liebe Mein Gott Die Liebe, er der er kannte.
00:58:05: Er hatte daran nicht mehr gedacht beschäftigt wie er war dass sie noch sein könne.
00:58:12: Es ist begreiflich das von allem was nun geschah nur noch dies überliefert ward Seine Gebärde die unerhörte gebärde Die man nie vorher gesehen hatte die gebärder des fleens mit der er sich an ihre füße warf Sie beschwörend dass sie ihn nicht liebten.
00:58:32: Erschrocken und schwankend hoben sie ihn zu sich herauf.
00:58:36: Sie legten sein Ungestüm nach ihrer Weise aus, indem sie verziehen.
00:58:42: Es muss für ihn unbeschreiblich befreiend gewesen sein, dass ihnen alle missverstanden – trotz der verzweifelten Eindeutigkeit seiner Haltung.
00:58:53: Wahrscheinlich konnte er bleiben!
00:58:55: Denn er erkannte von Tag zu Tag mehr das die Liebe ihm nicht betraf auf die sie so eitel waren Und zu der sie einander heimlich ermunterten.
00:59:07: Fast musste er lächeln, wenn sie sich anstrengten und es wurde klar wie wenig Sie ihn meinen konnten.
00:59:13: Was wussten sie wer er war?
00:59:18: Er war jetzt furchtbar schwer zu lieben und erfühlte das nur einer dazu im Stande sei.
00:59:26: Der aber wollte noch nicht.
00:59:30: Ja.
00:59:31: vielen Dank Frau Landhold für den Schluss der Aufzeichnung des Maltes Laritz Bricke.
00:59:37: Herr Koch Wie hören Sie diese antige Geschichte zum verlorenen Sohn?
00:59:44: Also dieser Abschnitt ist für mich schon jetzt auch, wenn man es biografisch also in Bezug auf den Autor deutet eine der alleraufschlussreichsten Stellen.
00:59:55: Wenn sie mal sich zurück erinnern an den Anfang die Beschreibung eines Knaben, der sich im Grunde in der unendlichen Weite natürlichen Vorgängen identifiziert, die ganz in sie eingeht.
01:00:12: Also diese wunderbare Formulierung, er war nichts als ein Moment in dem der Morgen zur Bewusstsein kommt oder er war ein Vogel.
01:00:20: und diese wunderbare Beschreibung von Weite, von Uneingeschränktheit.
01:00:26: und dann die geniale Wendung wenn er nach Hause kommt.
01:00:30: und dann wird jetzt nicht gesagt das stehen die Eltern und machen aus dir dieses Kind, das sich so und so verhalten soll.
01:00:38: Sondern das literarische Geniale ist dass er sagt der taucht am Horizont des Haus auf und die Fenster gucken dich an Formendicht schon zu dem, der du sein sollst in deiner Familie.
01:00:52: Dass von dir erwartet wird.
01:00:54: und dann kommen die Hunde auch, die haben ein bestimmtes Bild von dir Und die Eltern kommen im Endeffekt gar nicht vor.
01:01:00: aber das ist natürlich der Hintergrund.
01:01:02: Es ist die Familie als eine Formungsinstanz Als eine Instanz, die einem Rollen auferlegt und bestimmte Erwartungshaltungen an einen richtet.
01:01:14: Wie gesagt auf diese Art brillant beschrieben Und ohne jetzt Küchenpsychologie zu betreiben, kann man das glaube ich schon plausibel auf frilges Erfahrung vor allem mit seiner Mutter beziehen.
01:01:24: Die im Grunde eine Erziehung die in erster Linie Abrichtung war mit ihm Betrieben hat.
01:01:30: also sie kennt es alle dass er bis zum sechsten Lebensjahr als Mädchen gekleidet wurde, dass er Rollenspiele mit ihr vollziehen musste in denen er seine seine vor ihm verstorbene kleine Schwester mehr oder weniger wieder Dernrolle ausfüllen musste und sagen musste, dass der Böse René jetzt weg sei.
01:01:50: Und stattdessen die tote Schwester eigentlich er sei.
01:01:54: solche Geschichten, die als psychologisch unglaublich brutal sind was die Mutter mit ihm betrieben hat.
01:02:00: Der interessante Aspekt ist eben diese Geschichte das gesagt wird.
01:02:05: Das Ganze ist vor allem fatal für das Kind weil es eine Erfahrung ist, die mit Liebe verbunden ist.
01:02:13: Also im Grunde sagt er ja, es ist ja einfacher sich zu wehren oder aus dem Auszubrechen wenn da jetzt wirklich als feindlich empfundene Erziehung von den Eltern ausgeübt wird.
01:02:25: aber das Schlimme war sein Gefühl dass es Liebe war und geliebt werden Gefängnis eigentlich, der vorgesehenen Rolle in der Familie hineingetränkt hat.
01:02:36: Und deswegen immer die Betonung dass er am Ende auf Knien bietet nicht geliebt zu werden denn dagegen ist schlechterdings nichts zu machen.
01:02:45: also das ist einer der wenn man es jetzt biografisch deutet eine der aussage kräftigsten Passagen über Rilkes tatsächlich auch sehr problematische Mutterbeziehungen und dann deswegen auch immer wieder diese.
01:03:00: Also damit hat mit einiger Sicherheit auch zu tun seine Bindungsunfähigkeit und seine panische Reaktion, wenn er in irgendeiner Art und Weise sich aufgeliebt werden einlassen sollte.
01:03:13: Ja das ist so.
01:03:15: wie gesagt ich bin kein Psychologe aber das halte ich doch für relativ plausibel.
01:03:21: Ja hier ist ja René der
01:03:25: Renatus,
01:03:26: die verstorbene Schwester.
01:03:28: Er setzten sollte ihm Geschwistergefüge und dann erst in der Begegnung mit Lu Andrea Salome wurde er reiner.
01:03:38: Die Reinerwertung, überschreiben Sie das Ganze nicht die Reiner Wertung von Rilke Das heißt in dieser Begehnung hat er etwas erfahren also was im Vorher fehlte gerade zu einer neuen Form von Identität auch.
01:03:54: Wobei Zeit seines Lebens immer wieder diese Betonung, dass er eigentlich keinen stabilen Kern der Persönlichkeit hat.
01:04:03: Dass er ein Mensch ohne Identität ist.
01:04:07: Er spricht immer von einer ungeheuren inneren Lehre und Orientierungslosigkeit.
01:04:12: Auch ein ganz merkwürdiges Gefühl ... Weil kein stabiler Kern in ihm ist, der so etwas wie eine einheitliche Persönlichkeit ergäbe.
01:04:24: Dass er eigentlich ein unablässiges Hinschwinden verschwindend auslaufen manchmal regelrecht ist.
01:04:31: Es gibt von Rilke, neunzelter dreizehnen.
01:04:34: Gedichtes heißt Narzis.
01:04:35: es ist natürlich jetzt rollenlyrik also erspricht aus der Position von Narziss der sich wie sie wissen über diesen Teich beugt.
01:04:45: und während in der Naziserzählung diese Jüngling vor allem seine eigene Schönheit genießt, nimmt Trilke das als Bild für genau diese Gefahr des vollkommen Auslaufens.
01:05:00: Das beginnt quasi mit diesem Bild also dass er darunter guckt und dann aber eigentlich in dieses Wasser verläuft.
01:05:08: und dann heißt eine Strophe die finde ich extrem eindrucksvoll.
01:05:12: Dies hebt sich unaufwürdig von mir fort.
01:05:15: Ich will nicht weg, ich warte, ich verweile doch alle meine Grenzen haben Eile stürzen hinaus und sind schon
01:05:22: dort.".
01:05:23: Und selbst im Schlaf nichts bindet uns genug.
01:05:26: und dann kommt eine Wahnsinns-Paschage nachgiebige Mitte in mir Kernvoll Schwäche der Nichtsein Fruchtfleisch anhält Flucht oh Flug Von allen Stellen meiner Oberfläche.
01:05:38: Der Kern meiner Persönlichkeit ist ein Kern voll Schwäche, der nicht zahlten kann und einen unablässigen Prozess haltlosen Verströmens in die Wege leitet.
01:05:50: Und es ist sicher auch da würde ich wieder sagen, kann man autobiografisch deuten?
01:05:56: Ein Grundgefühl und ja sicher auch diese Betonung der Lehre das was was Fiat Rilke in ihm angelegt hat.
01:06:10: Ja, kommen wir vielleicht
01:06:12: zum
01:06:13: Höhepunkt auch noch mal ihre Biografie zu den Elegien und zu den Sonnetten weil sie stellen ja die These auf dass sie sagen Rilkes ist die Angst nicht los geworden Auch durch der Malte nicht mehr.
01:06:27: Und die Elegion und die Sonnette an Orphäus sind letztlich auch nur Melodie in der Angst dass man den Auto auch mal lesen hören, aus seinem Buch.
01:06:40: Das soll ja nicht nur ein Sprechen über sein heute, über dieses wunderbare Buch sondern auch noch einmal eine Passage daraus hören.
01:06:49: und es
01:06:49: gibt ja
01:06:50: diese Geschichte mit diesem Februar, neunzehnzwanzig also diesen demonischen Februar wo er gerade so in einer Sturzkaskadie an Produktivität kommt und das sie uns da nochmal hineinführen der
01:07:05: Koch Also ich habe das Kapitel überschrieben über diesen Februar, der Jahr neunzehntzweiundzwanzig.
01:07:11: Wunderfebruar um eben den Akzent drauf zu legen.
01:07:15: Das gibt es meiner Meinung nach.
01:07:16: Ich kenne mich eigentlich schon ganz gut aus in der deutschen Literatur oder auch in der Europäischen und ich kenn keinen vergleichbaren Fall von Produktivität innerhalb von drei Wochen in dieser Form.
01:07:26: Vielleicht ganz, ganz grob zum Kontext ja wir haben jetzt auch relativ viel Zeit in Anspruch genommen aber und ich versuche vielleicht unterwegs jetzt hier zu kürzen Rilke kam in die Schweiz, und es war eine gewisse Rettung für ihn.
01:07:43: Er war vorher in München die meiste Zeit.
01:07:46: Am Ende hatte er den ganzen Unruhen der Novemberrevolution, wir sind zur Bayerischen Räderrepublik, miterlebt und hatte dann die Chance durch ne Vortragsreise aus diesem fast grausamen München rauszukommen immer mit der Gefahrenhintergrund, dass er wieder zurück muss.
01:08:07: Weil er gar keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen hätte in der Schweiz und das hat sich Gott sei Dank zu ergeben, dass die immer weiter verlängert wurden.
01:08:13: Und dann war er die letzten sieben Jahre seines Lebens tatsächlich fast sesshaft in der Schweizer ungewöhnlich für ihn.
01:08:22: Der Hintergrund war natürlich dieses Projekt diese Duineselegien, die er angefangen hatte im Januar neunzender zwölf zu Ende zu bringen.
01:08:31: Das Fatale für ihn war, dass er in diesem Januar zwei komplette Elegien eins und zwei hinbekommen hat.
01:08:38: Und gleichzeitig aber schon den Anfang der letzten, der Zehnten.
01:08:43: Es war für ihn ausgemacht, dass eigentlich das Ganze nur gültig ist wenn all diese zehn Elegiendah sind.
01:08:52: Er hat mit einer Besessenheit, sondern das Gleiche daran festgehalten über zehn Jahre lang auf diese Vollendung der Elegien hinzuarbeiten.
01:09:00: Also in die Schweiz kam, hatte er vier von ihnen fertig und drei weitere angefangen.
01:09:07: Und dann hat sich ... Es war immer von ihm die Betonung, er müsse jetzt in der Schweiz den sogenannten Elegiendort finden.
01:09:15: Das heißt träumliche Verhältnisse, in denen endlich dieses große Projekt zu Ende geführt werden
01:09:21: kann.".
01:09:22: Das gelangt dann tatsächlich eben im Wallis, im unteren Wallis in Sier.
01:09:27: In diesem Chateau-Messot oberhalb von Sier und ich habe versucht es oder ich will ihn jetzt auch mal so damit sie so die alltägliche Voraussetzungen bei Rilke des Schreibens ein bisschen genauer mitbekommen.
01:09:43: Die Voraussetzung wie ist denn zu diesem Sturm?
01:09:45: Zu diesen wahnsinnig produktiven Februar twenty zwei kam beschreiben wichtig auch wieder.
01:09:51: Er hatte wieder eine Geliebte in den Schweizer Jahren, einen Malerin namens Paladin Klosowskar.
01:09:57: Die er, die ihr neunzehntundzwanzig in Genf richtig kennengelernt hat, er kannte sich schon ein bisschen aus seiner Pariser Zeit weil sie auch in Paris überwiegend gelebt hatte.
01:10:09: und mit Paladin Klosowskar fuhr er im Herbst neunzelne zwanzig zum ersten mal ins Wallis und hatte den Eindruck das könnte der Ort sein.
01:10:19: Und dann ein Jahr später erneut eine Fahrt mit ihr, jetzt schon deutlich mit dem Ziel im Wallis sich niederzulassen und seine Schreibklausel dort zu gründen.
01:10:34: Da lässe ich jetzt einfach mal diesen glücklichen Sommer-Ninzenundzwanzig vor.
01:10:41: Am achtenzwanzigsten Juni-Nunzehn-Einzwanzich kamen Balladin und Rilke in Sia an und stiegen im zentral gelegenen Hotel Bellevue ab.
01:10:50: Wie um seine Wiedersehensfreude auszudrücken, hieß das Tal sie am nächsten Tag mit Glockenglangen willkommen.
01:10:57: Es war der Peter und Paulstag eines der größten katholischen Feste, berichtete Rilke entzückt.
01:11:03: ein strahlender Wehen der Tag wars und die Luft schwingend von dem Aufleuten aller der kleinen Kirchen ringsum sehr.
01:11:12: Auch dies war ein wichtiger Faktor für rilkes Gefühl vollkommener Schwimmungsverhältnisse.
01:11:17: er war wieder in einer katholischen Region Das war tatsächlich für ihn wichtig.
01:11:22: Die zunächst über ein Immobilienmarkt organisierte Suche nach einer geeigneten Unterkunft blieb erfolglos.
01:11:29: Baladin und Er hätten schon entmutig das Hotel aufgesucht, schrieb Ernanny Wunderli Volker – es war seine große Gönnerin in der Schweizer Zeit – sich dann aber vor einem abendlichen Spaziergang noch einmal aufgeraft.
01:11:41: Und da geschah das Wunder.
01:11:43: Zitat?
01:11:44: Denken Sie!
01:11:45: Im Schaufenster des Coiffure-Basar, dicht an Dicht am Hotel Bellevue, wo man täglich vorüberkommt die Fotografie eines Tomes oder Schlösschens aus dem dreizehnten Jahrhundert mit der Aufschrift zu verkaufen und zu mieten.
01:12:00: Meine Liebe!
01:12:01: Das ist vielleicht mein Chateau en Suisse pétêtre.
01:12:06: Tatsächlich sollte dieses Château mit Namen Müsot seine Heimstadt der letzten Lebensjahre sein.
01:12:12: von diesem Sommer an wurde Rainer Maria Rilke der ewig unbehauste Seshaft in der Schweiz.
01:12:18: Doch zwischen der Entdeckung Müsotz und seiner Anmütung verging fast noch einmal ein Monat, indem Rilkem mehrfach kurz davor war einen Rückzieher zu machen – aus teilweise sehr verständlichen Gründen wie man einräumen muss.
01:12:31: Denn ein Luxus-Schloss war Müsott gewiss nicht!
01:12:35: Das Wort Chateau ist missverständlich.
01:12:38: Es handelte sich um einen der vielen für das Wallis charakteristischen mittelalterlichen Wohntürme die dem ländlichen Kleinadel einst auch als Amtssitz dienten, mehr Wehrturm als Repräsentationsbau.
01:12:51: Wenn Rilke in seinen Briefen von drei Räumen auf jeder der zwei Etagen Plusküche plus Balkonsprach ist zu berücksichtigen dass die Zimmer eher klein und nicht allzu hoch waren.
01:13:03: Seine spätere Haushälterin hat überliefert das der Dichter nur dank seiner geringen Körpergröße von knapp eins fünfundsechzig Die Türbogen zwischen den Zimmern durchqueren konnte ohne sich zu bücken.
01:13:15: Es gab kein elektrisches Licht, kein fließendes Wasser die Toiletten waren primitiv und die Räume schwer beheizbar.
01:13:23: nach Klosofskas Erinnerung an die erste Besichtigung war Ilke sehr geängstet von der mittelalterlichen Atmosphäre.
01:13:31: das dürfte sich aber auf das fehlend jegliche Komfort bezogen haben den grundsätzlich war im mittel alterlicher atmosphäre in allen seinen Schreibklausen willkommen.
01:13:41: Wie im Schloss Duino sollte sich auch in diesem dreizehnten Jahrhundertgebäude die Weite des umgebenden Raums idealerweise mit der Weite, der in den Gemäuren sedimentierten Vergangenheit verbinden.
01:13:54: So gingen unauflöslich ineinander verwirkt gleichermaßen starke Anziehungs- und Abstoßungskräfte von dem Haus aus.
01:14:01: Hinderlich war auch die Haltung der Besitzerin einer Madame Roignet nach Rilkes Schilderung eine ältere – nicht unfeine aber schon etwas Dementedame die für das von ihm vorgeschlagene erst einmal auf drei Monate befristete Mietverhältnis, die Scheußlichkeiten mit denen sie die Zimmer vollgestellt hatte nicht wegräumen wollte.
01:14:21: Zudem fehlte eine Haushälterin eine rechte Leni wie Rilke zur Verdeutelung seiner Qualitätsansprüche formulierte.
01:14:28: er war das Jahr vorher in einer anderen Gönnerin eingeladen auf das Schloss Berg am Ircheln im Kanton Zurich und da war eine Haushälterin namens Leni die ganz ideal seine Bedürfnisse befriedigte.
01:14:43: Ganz grob kann man sagen, er war von Anfang an eigentlich dann drauf aus den Winter da zu verbringen weil er spürte das könnte klappen aber er bekam als es ernst wurde einfach Angst vor der eigenen Courage.
01:14:53: mit Juli bekannte Ernani Wunderli dass die Verhandlungen über dem Mietvertrag vor allem wegen seiner Furchtverbindungen stockten.
01:15:01: alles sei wieder in der Schwebe.
01:15:03: er könne eventuell auch ein Haus am Wörtersee anmieten und danach in Böhmen unterkommen.
01:15:08: Früher oder später müsse er wegen der Valuta die Schweiz ja doch verlassen.
01:15:13: Frau Klausowska leidet zwar sehr unter dieser Unentschiedenheit, er könne sich aber einfach nicht entschließen.
01:15:19: und mit einem typischen Rilkeschlänker fragte er Nani Wunderli was denn Werner Reinhard von der Sache hielt?
01:15:25: Werner Reinhard war der Fetter von Nani wunderli aus dem sehr reichen Handelshaus gebrühter Vollkart & Co in Winterthur Aufenthalts.
01:15:40: Und er schreibt eben an Nani Wunderli, fragt er was denn Werner Reinhard von der Sache hielt?
01:15:46: Zitat manchmal denk ich wenn erst doch mietete.
01:15:50: Nani wunderli verstand.
01:15:52: zwei Tage später erhielt Rilke per Expressbrief ihre Nachricht das Reinhart bereits sei nicht nur die Miete zu übernehmen sondern auch als offizieller Mieter aufzutreten.
01:16:03: Der Bahn war gebrochen.
01:16:05: Umgehend machten sich Rilke und Klausowska unterstützt von der Tochter, der Besitzerin sowie zwei Scheuerfrauen an die Einrichtung des Tomes.
01:16:13: Oder um genau zu sein, rilkefertigte Zeichnungen der Räumlichkeiten an während Paladin Klausowski gleich mit anpackte.
01:16:21: Zitat – Mit jeder Handlung der Scheuertücher, mit jedem hinaus schaffendes Imposiblen wurden die Zimmer heller, heiterer, glücklicher als in der Sonne des Nachmittags.
01:16:30: Schließlich geriet auch ich trotz des Staubs, den wir schluckten in ein freudigeres Gläubigsein.
01:16:37: Dann schreibt er als einen langen Brief an Werner Reinhardt.
01:16:40: Er sei jetzt sein Burgfugd.
01:16:42: Werner Rheinhart der Lehnsherr auf seinem Schloss.
01:16:46: und dann kommt noch mal eine genaure Beschreibung der Einrichtungen.
01:16:51: Dass mir sortbewohnbar wurde war das Werk zweier Frauen.
01:16:55: Nenne Wunderli erhielt zahllose rilke Bestellbriefe.
01:16:59: Kerzen, Leuchter eine Petroleum-Lampe, Kopfkissen, Bettwäsche sein von Nöten.
01:17:05: Und sie besorgte das Gewünschte und schickte ihre Pakete so viele und so schwere oder unhandliche dass der Postbode von Sier echtste vor Ort war aus Balladin Klosowska die Handwerkerin und Innenarchitektin in einer Person Die Dinge bis ins kleinste arrangierte Aus dem im Haus verhandenen und vom Burgvogt akzeptierten Mobilär und den Zusendungen aus Meilen am Zürichsee, also in Wunderli mit großem Geschick stimmiger Räumeschuf.
01:17:34: Madame Klosowska ist voller Unternehmungsfreude – nichts scheint ihr zu schwer, berichtete Rilke!
01:17:39: Es sei unglaublich was sie alles in diesen Tagen mit Nichts geleistet
01:17:43: hat.".
01:17:44: Am fünfundzwanzigsten Juli, neunzehntundzwanzige, dem Tag vor dem Einzug war immer noch viel zu tun.
01:17:50: Zitat «Ungehäure Löcher durch die Mäuse und Ratten ins Haus eindringen müssen Vorsichtshalber bald vermauert werden».
01:17:57: heißt es in dem Brief gleichen Datums an Nani Wunderli.
01:18:01: Die Plage beginne aber Gott sei Dank erst im Spätherbst, sodass er die morgenbeginnende Abhärtung also den Umzug einigermaßen gefasst angehe.
01:18:10: Was zuletzt noch fehlte war eine rilgetaugliche Haushälterin.
01:18:17: Wieder war Nani Wonderli als Vermittlerin gefordert.
01:18:21: Der Traum Leni vom Schloss Berg nach Mussott zu versetzen, die sich nicht realisieren.
01:18:26: Also ging es darum, ein brauchbares Zurogat zu finden.
01:18:31: Das war schwierig, denn Rilke wollte weder eine Walliserin noch eine Deutsche.
01:18:36: Es sollte eine Schweizerin aus einem anderen Kanton sein und er wollte vor allem keine gebildete Frau die in womöglichen Gespräche über Kunst verwickeln würde.
01:18:48: als mit ihnen eine deutsche Akademikerin vorschlug.
01:18:51: Also da haben sich auch wirklich Akademikerinnen beworben, weil die Inflation in Deutschland so furchtbar war dass man alles ernehmen musste.
01:18:58: Als wenn ihm eine deutsche akademikerin Vorschlug lehnte er energisch ab das Liege sehr sehr weit außerhalb des Leni-Bereichs.
01:19:08: ein bisschen weniger intellektuelle Herkunft eine Spur Kuhaug und Kuhatem wäre schon vorzuziehen.
01:19:16: Frische und Dummheit einer einfachen Natur, wenn es mit einer gewissen freundlichen Begabtheit zusammengeht.
01:19:24: Solche Passagen finden sich in Müllgebriefen öfters.
01:19:27: Im September präsentierte Wunderli im die sechsunzwanzigjährige Frieda Baumgartner aus dem Kantonsolotoren.
01:19:35: Jetzt war Rilke zufrieden!
01:19:37: Die Kandidatin stammte aus einfachen Verhältnissen.
01:19:40: von dem Dichter den sie betreuen sollte hatte sie noch nie gehört war Katholikin und sprach Französisch, das stimmte ihn zuversichtlich.
01:19:49: Mitte Oktober empfing er sie am Bahnhof von Sier und nahm ihr durch seine Liebenswürdigkeit gleich die Anfängerangst Mit einem Wägelchen.
01:19:57: seien sie den Stellenanstieg nach Missort hochgefahren berichtet Baumgartner in ihren Erinnerungen Und dort im Haus habe sie eine Dame aus Paris Freundin des Dichters eingewiesen.
01:20:09: Es war Ballardin Klausowska's letzte Arbeit für Rilke.
01:20:12: Drei Wochen später reiste sie nach Berlin zurück.
01:20:16: und jetzt, da wir in der Zeit schon sehr fortgeschritten sind, lasse ich vielleicht nur noch eine kleine Passage, indem es jetzt darum geht dass Rilcke eben diese unglaubliche Produktivität die dann tatsächlich wenige Monate später angefangen hat das die nicht wie er beschrieben hat als mehr oder weniger Göttliches Geschehen über ihn kam, sondern wir das doch in gewisser Weise auch vorbereitet hat.
01:20:42: Die Müsotteinsamkeit selbstverständlich mit Hauselterin erwies sich als fruchtbar wie keine anderen Rilgesleben.
01:20:48: Zwischendem zweiten und dem XXIII.
01:20:50: Februar, neunzehntzwanzig vollendete er die Duinese Elegien schrieb fünfundfünfzig Sonnette an Orfeus und verfasste einen Essay von zwölf Druckseiten, die mir den Titel Brief des jungen Aubeiters gab – und das war nicht alles!
01:21:07: Darüber hinaus entstanden weitere Gedichte, Gedichtfragmente und Entwürfe die überwiegend erst nachildiges Tod an der Öffentlichkeit gelandten.
01:21:16: Ein vergleichbaren Produktivitätsschub kennt man von keinem anderen Autor.
01:21:20: Kafka schrieb seine Erzählung das Urteil in einer einzigen Nacht nieder.
01:21:25: solches Schaffen eines Werks in einem Flow von ein zwei Tagen gibt es öfters aber drei Wochen ununterbrochener Kreativität die sich in sehr verschiedenen Werken von hoher Qualität niederschlägt.
01:21:38: Das ist ein veritables Wunder, das Staunen macht und zugleich auch ein wenig unheimlich
01:21:44: anmutet.".
01:21:45: Peter von Matt hat von Rilkes Moussot Februar gesagt es sei ein dämonischer Monat vielleicht der Dämonischste der ganzen deutschen Literatur.
01:21:57: Rilke nannte den Vorgang ein Diktat dass er empfangen habe.
01:22:00: das trug ihm vielfach den Spot von Kollegen ein Als könne sich ein Dichter in modernen Zeiten noch gebärden, wie die von Göttern ergriffenen Sänger des Altertums.
01:22:10: Moderne Lüriger haben sich häufig als Wort Techniker vorgestellt – poetische Ingenieure, die ihre Texte nach genauem Kalkül verfertigen.
01:22:18: Vor diesem Hintergrund war Rilke ein aus der Zeit gefallener Mystifikator.
01:22:23: Wer wollte im zwanzigsten Jahrhundert mit einer solch naiven Vorstellung von Inspirationhausieren gehen?
01:22:31: Aber... Aber zum einen sind Gedichte nie rational planbar.
01:22:35: Ein unerklärliches Inspirationsgeschehen verbindet sich in ihrer Entstehung immer mit der bewussten Arbeit an der Wahl der Wörter, ihre Anordnungen setzen Fers und Strophen in der Abwägung wie Bedeutungen, Klänge und Rhythmen eine ideale Konstellation bilden.
01:22:52: Die Verbindung der zwei gegensätzlichen Momente von irrationaler Überwältigung hat Friedrich Hölderlin mit einer antigen Formel als nüchterne Trunkenheit bezeichnet.
01:23:09: Der Dichter muss berauscht und zugleich völlig klar im Kopf sein, wenn man will ein extatischer Feinmechaniker.
01:23:18: auch bei Rilke gibt es selbstverständlich das Kalkül die bewusste Arbeit am Gedicht.
01:23:23: nur hat er wie kein anderer Autor der frühen Moderne den Anteil der Nichtplanbarkeit in kreativen Prozesse herausgestrichen.
01:23:32: Das war immer noch eine Gegenreaktion auf das posenhafte Dichten seiner Jugend, seine damalige wie er später einsah fatale Fähigkeit jederzeit die Reimaschine anwürfen zu können.
01:23:43: Nur wenn dem Unbewussten gleichsam alle Zeit der Welt gelassen wurde, wenn es nicht drängte zum Ausdruck nötigte entstanden akzeptable Gebilde.
01:23:52: also hieß es warten!
01:23:55: Er sei ein Partisan der Langsamkeit hat Rilke einmal gesagt.
01:23:59: Aber dieses Warten war ein permanentes Konzentriertsein auf das, was da tief in ihm noch unartiguliert vor sich ging.
01:24:08: Es war der paradoxe Versuch, das unwillkürliche doch irgendwie willendlich zu steuern.
01:24:14: Der Primat lag bei Rilke dabei stets auf dem Passiven geschehen lassen und nicht auf dem Aktiven machen.
01:24:20: Befragt, was seine nächsten Werke seien?
01:24:23: Sprach Rilkel charakteristischerweise nicht davon dass er etwas gestalte sondern dass er beobachte, ob sich in ihm etwas gestalte was ihn zwinge ausaussich herauszustellen.
01:24:36: Das schloss dann freilich die Möglichkeit des Scheiterns ein vielleicht sogar das Entgültigen denn der Reiferilke war nicht bereit in einem im geläufigen erfolgreichen Stil einfach weiterzuschreiben.
01:24:47: Er musste ständig über sich hinauskommen und das in Gedichten, die seinen hohen Anspruch genügten.
01:24:52: damit stand aber das drohende Verstummen jederzeit im Raum.
01:24:57: In Müsot ging es, wie gesagt, glücklich aus und ich habe dann noch längere Ausführungen über eine ganz typische Technik von Rilke.
01:25:03: Dass er sich im Grunde wie in der Art Gymnastik warmschrieb durch unglaubliche Briefproduktionen.
01:25:09: Also er hat gerade Ende Dezember also nachdem er vier Monate in Müsod war und zwei Monate bevor dann eben dieser große Monat einsetzt Februar schreibt an seine Verlegerin Katharina Gippenberg innerhalb der letzten vierzehn Tage vielhundert Seiten Briefpapier vollgeschrieben.
01:25:31: Also eine Art, ja wirklich jetzt Gymnastik oder Muskulatur Training für Sware schreiben so ging dann idealerweise in der Einsamkeit also Briefe haben wir den großen Vorteil dass man kommunizieren kann ohne die Leute am Hals zu haben und gleichzeitig eben auch die das ausformen, das allmähliche Form von dem was dann im Endeffekt in den großen Gedichten sich niederschlägt.
01:26:01: Ja vielen Dank Herr Koch dass Sie uns nochmal diesen Einblick jetzt auch gegeben haben was an Alltag notwendig war für Rilke also Haushälterinnen und Einrichtungen.
01:26:12: Es gibt ja auch den Rilke der Bettelbriefe, er konnte unheimlich betteln.
01:26:16: Also nicht nur seinen Verleger sondern auch den Frauen gegenüber also bis hin.
01:26:21: sie haben gesagt Bettwäsche Handtücher und ähnliches was ihm gerade fehlte.
01:26:25: Und
01:26:25: zwar alles erlesen also keineswegs Schlafanzüge werden wenn es der falsche Stoff ist.
01:26:31: die eine Wunder die schickt werden dann schon wieder zurückgewiesen.
01:26:34: Also hätte lieber den Englisch Flanellen oder statt diesem Material das Kratzig sei.
01:26:41: Und die gute Frau hat permanent neue Pakete geschickt, also mit einer Unvertrossenheit, die ihresgleichen sucht.
01:26:49: Aber wenn man das mit dem Schnorrilke... Das ist natürlich richtig!
01:26:53: Wenn man das aufgreift finde ich schon immer wieder dann doch fast wieder bewundernswert wird wie er es durchgehalten hat.
01:27:01: Also ich persönlich würde mich nie getrauen in ein teures First Glass Hotel zu gehen ohne einen Pfennig in der Tasche.
01:27:08: Das hat er dauernd gemacht, also er fuhr erste Klasse-Stieg in besten Hotels ab.
01:27:12: Und nach einer Woche als klar war das es irgendwann bezahlt werden muss schreibt er halt einen Brief an Kippenberg oder eine Wunderli oder die Fürstin von Ton und Taxis dass jetzt leider wieder eine Rechnung da sei.
01:27:27: Eine Freundin von ihm, eine der geliebten in den ersten Kriegsjahren Lu Albert Lassard hat gesagt Er war vom ganzen Lebensstil eigentlich ein Snob und in gewisser Weise ein Abenteurer.
01:27:39: Also dieses Permanente eigentlich sich nicht kümmern darum, was ein solches Leben an Bodenlosigkeit auch in sich hatte.
01:27:48: das hat dann schon eine bemerkenswerte Zähigkeit und Durchhaltefähigkeit ja.
01:27:55: Ja schön Herr Koch dass wir uns nochmal diesen Rilke vor Augen geführt haben und gezeigt haben.
01:28:00: aber eine Frage, kann ich Ihnen in diesen Räumen der katholischen Akademie natürlich nicht ersparen?
01:28:11: Rilke und Guardini.
01:28:14: Was
01:28:15: halten Sie von den Interpretationen von Guardinis zu Rilkes?
01:28:21: Ich finde es absolut wunderbar dass ich heute hier an diesem Ort den Geburtstag begehen darf.
01:28:28: Einem Ort wo wirklich eines der besten Rilgebücher halt Ja, nicht entstanden ist.
01:28:34: Aber wo der Verfasser eine zentrale Figur ist?
01:28:37: Also dieses Buch von Three-in-Fünfzig Romano Guardini Reiner Maria Rallidges Deutung des Daseins Das ist von einem Theologen, von einem genialen Theologem ein Text in dem die Zehntuinéser Elegien Absatz für Absatz durchgegangen werden.
01:28:58: Es ist ein absolut souveräner Text Insofern Guardini Keinerlei Versuch macht irgendwie Rilke fürs Christendom oder für den Katholizismus wieder zu reklamieren, sondern ganz deutlich immer wieder sagt das ist was anderes.
01:29:13: Also er hat ja selber gesagt der sei von einer rabiaten Antikristlichkeit.
01:29:18: aber Gwardini deckt sehr schön natürlich dann doch den religiösen Anspruch auf der in all dem steckt und Der ist heute.
01:29:26: das ärgert mich wirklich.
01:29:27: jetzt auch als rilke Forscher wird es kaum noch irgendwie aktuellen Forschung behandelt, sondern ist irgendwie halt vergessen weil es auch schon so lange her ist.
01:29:37: Und ich habe Studenten meinen Studenten immer gesagt wenn ihr euch durch diese Elegien durchschlagen wollt lese dieses Buch.
01:29:44: das ist tausendmal besser als vieles ganz ganz vieles von euren Publikation und deswegen fände ich ja also wird's mir jetzt auch sehr sehr recht sein das ans Schluss zu nehmen also den Hinweis auf Quardini eine sehr verständliche Führung durch natürlich sehr komplexe und schwerverständliche Texte.
01:30:10: Ja, dieser Hinweis, meine Damen und Herren, musste natürlich sein in der katholischen Akademie an der Romano-Guardine den Hausgott dieses Hauses auch.
01:30:19: Und wenn Sie im nächsten halben Jahr wieder mehr Lust haben auf Poesie Auf solche Abente wie heute, dann kann ich Ihnen drei Angebote machen.
01:30:33: Am einunddreißigsten Januar wird Hans-Joseph Orteil lesen aus den Schwebebahnen allerdings nicht hier im Haus sondern in Freisingem Dürze Seinmuseum.
01:30:45: Dann am dreiundzwanzigsten April wird hier im Hause einen Abend sein über Gottfried Bachel.
01:31:05: Im Juni wird in diesem Haus Christoph Peters lesen aus seinem neuen Roman, auch darauf sollen sie schon hingewiesen sein.
01:31:17: Aber zunächst mal lassen Sie den heutigen Abend, sagt man und ich kann nur sagen Frau Landholdt.
01:31:22: Vielen Dank fürs Lesen für die Texte!
01:31:34: Liebe Herr Koch vielen dank für das Ex-Temporieren wir haben nichts geplant sondern einfach sozusagen
01:31:44: Frist auf Hose gesprochen
01:31:46: und auch für den Lesetext zum Schluss Und ich hoffe meine Damen und Herren sie haben es nicht bereut den Geburtstag von Rilke den hundertfünfzigsten Geburtstag heute hier in der Katholischen Akademie begangen zu haben.
01:31:59: Und vielen Dank fürs Kommen und Ihnen allen noch einen schönen wunderbaren
01:32:03: Abend!
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