Nora Bossong und Markus May: Jenseits der Schutzzonen
Shownotes
Wie verändern sich Individuen, wenn sich die Gesellschaft wandelt – und umgekehrt? Diese Frage zieht sich durch das Werk der vielfach ausgezeichneten Autorin Nora Bossong. In ihren Büchern richtet sie den Blick auf die feinen Verflechtungen von persönlicher Erfahrung und politischer Wirklichkeit. Sie zeigt, wie äußere Umbrüche individuelle Krisen hervorrufen können – und wie die Neuorientierung eigener Werte und Überzeugungen wiederum gesellschaftlich wirkmächtig werden kann.
Nach einer Einführung und der Lesung ausgewählter Textstellen wird Nora Bossong mit dem Literaturwissenschaftler Markus May ins Gespräch kommen – eine Einladung über die Dynamiken von Transformation und die gegenseitige Abhängigkeit von privatem Erleben und öffentlichem Wandel nachzudenken.
Der literarische Abend mit Nora Bossong und Markus May fand am 24.11.2025 in der Katholischen Akademie in Bayern statt.
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00:00:03: Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste!
00:00:06: Herzlich willkommen zur heutigen Veranstaltung jenseits der Schutzzonen mit der mehrfach preisgegründeten Autorin Nora Bossong.
00:00:14: Wir freuen uns dass Sie heute Abend hier sind vor Ort wie auch online und mit uns darüber nachdenken wie sich Individuen verändern wenn sich die Gesellschaft wandelt und umgekehrt.
00:00:26: Mein Name ist Sophia Hackenmüller.
00:00:27: ich bin Studienleiterin hier im Haus und darf Sie im Namen der Katholischen Akademie Bayern ganz herzlich begrüßen.
00:00:34: Ich freue mich sehr auf die Gelegenheit, dem Werk von Nora Borson heute ein bisschen näher zu kommen!
00:00:39: Wie schön, dass Sie sich auf den Weg zu uns nach München gemacht haben, Frau Borsong.
00:00:43: Herzlich willkommen!
00:00:48: Nora Bosson wurde in two-undhtzehn-achtzig in Bremen geboren, wuchs dort und in Hamburg auf und lebt in Berlin.
00:00:55: Sie studierte Literatur-, Kulturwissenschaft-, Philosophie- und Komparatistik etwa in Leipzig, Potsdam, Berlin und Rom.
00:01:03: Mit ihrem schriftstellerischen Werk, Romane Essays Lyrik hat sie sich längst einen Namen gemacht.
00:01:10: So erschien im Jahr twohundneinzehn ihr romanschutzzone der auf der Longlist des deutschen Buchpreises stand.
00:01:16: Darüber hinaus erhielt es die bedeutende Preise wie den Thomas Mann Preis und den Josef Breitbach-Preis im Jahr zwanzigzwanzig.
00:01:25: Ihr jüngstes Werk das Sie auch an unserem Büchertisch im Foyer finden ist dem letzten Jahr unter dem Titel Reichskanzlerplatz erschienen.
00:01:33: Darin, so viel darf ich wahrscheinlich erzählen, erzählt sie die fiktionalisierte Geschichte Magda Goebbels aus der Perspektive ihres jungen Liebhabers beziehungsweise im Laufe des Buchs dann Ex-Liebhaber.
00:01:46: In ihrem Werk setzt sich Nora Bosong mit Themen auseinander, die uns alle betreffen.
00:01:51: Welche Rolle spielt das Individuum in der Gesellschaft?
00:01:55: Wie für Verantwortung kommt ihm zu?
00:01:57: Wie gestaltet es Wandel gesellschaftlich politisch kulturell?
00:02:02: Wie erlebt es Ihnen?
00:02:05: Wie entsteht Neuorientierung, wie verschieben sich Werte.
00:02:09: Wie wird Subjektivität in bewegten Zeiten geformt?
00:02:13: Zeitlose Fragen, denen trotzdem vielleicht heute mehr Relevanz zukommt als früher oder die wir anders diskutieren.
00:02:24: Diese These führt uns aber schon in Richtung Diskussion und so weit sind wir natürlich noch lange nicht.
00:02:29: Zunächst darf ich Ihnen auch noch Markus May vorstellen.
00:02:32: Er ist Professor für neuere deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
00:02:37: Seine Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem Fantastik als literarisches und kulturelles Phänomen, ich darf anmerken eine gemeinsame Leidenschaft von uns Deutsch-Jüdische Literatur und Kultur, Transmedialität sowie Literatur vom XVIII bis XXI Jahrhundert.
00:02:55: Ich bin froh
00:02:56: dass wir ihn und seine Expertise für den heutigen Abend gewinnen konnten.
00:03:03: Zunächst sind wir nun eingeladen zuzuhören.
00:03:06: Der Einführung durch den Fachmann, der Lesung der Autorin und dem Gespräch zwischen beiden.
00:03:11: In einem zweiten Schritt möchte ich Sie einladen sich in den Austausch zu begeben über das Werk Nourablesons, über Transformation, über Individuen und ihr Verhältnis zur Gesellschaft im Plenum, in kleinere Runde – und jede und jeder mit sich selbst!
00:03:28: Ich wünsche Ihnen nun einen anregenden erkenntnisreichen Abend.
00:03:32: Bleiben Sie offen für das Neue, vielleicht auch für das Unbequeme.
00:03:36: Für das was uns in Bewegung versetzt.
00:03:38: Danke.
00:03:43: Guten Abend meine Damen und Herren!
00:03:44: Ich danke der Katholischen Akademie für die Gelegenheit über sie besprechen zu können heute.
00:03:51: Und meine Ausführungen heißen ACH Europa, ein sehr bekannter Titel Norbert Bosons Teilnamsvolle Beobachtung der Wirklichkeit.
00:04:02: Was ist Literatur?
00:04:04: fragte der Philosoph Jean-Paul Sartre in den gleichnamigen Essay nach all den Verheerungen, die der Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg und die Shoah angerichtet hatten.
00:04:15: Sartres, der im Krieg selbst eine Zeit lang den Schreibtisch und seine kontemplative Existenz als Philosoph und Schriftsteller mit der aktiv ins Geschehen eingreifenden eines Soldaten- und Widerstandskämpfers vertauscht hatte Zieht darin seine Konsequenzen nicht allein aus dem Persönlich-Erlebten, sondern auch aus den Versagen der intellektuellen und insbesondere der Autorinnen und Autoren die den Zivilisationsbruch nicht verhindern konnten.
00:04:41: Ja es auch in vielen Fällen nicht einmal versucht hatten.
00:04:46: entwirft in diesem Essay einen Literaturbegriff, indem der Autor einerseits seine eigene Subjektivität einsetzt um die Objektivitäten der Verhältnisse zu gestalten.
00:04:57: Andererseits aber entzieht sich das Werk unmittelbar im Akt seiner Entstehung seinem vermeintlichen Schöpfer in einem Vorgang der Objektiverierung.
00:05:06: Das Werk benötigt dann gewissermaßen seine Leserinnen und Leser, die ihm mit ihrer Freiheit begegnen, um es dadurch als Text zu aktivieren.
00:05:16: Der Freiheit der Leserin entspricht.
00:05:19: die Freiheit der Autorin, die hinter dem ästhetischen Imperativ den moralischen Imperativerkennen lasse.
00:05:31: Die Freiheit seiner Leser anerkennt.
00:05:36: und da der Leser allein dadurch, dass ein Buch aufschlägt die Freiheit des Schriftstellers anerkennend ist.
00:05:42: das Kunstwerk von welcher Seite man es auch betrachten mag.
00:05:46: Ein Akt des Vertrauens zur Freiheit des Menschen.
00:05:51: Und da Leser wie Autor diese Freiheit nur anerkennen um zu verlangen Dass sie sich offenbare kann Das Kunstwerk in dem Maße als eine imaginäre Dastion der Welt definiert werden Indemes Anspruch auf die menschliche Freiheit erhebt.
00:06:07: Schon in diesem Zitat sollte deutlich sein, dass Sartres Verständnis einer Literatur-Engagé eine engagierten Literatur nichts mit einer manipulativen Tendenzliteratur zu schaffen hat – ein Vorwurf der gegen die Werke des zeitweiligen Kommunismus nahestehenden Intellektuellen und Hauptvertreter des französischen Existenzialismus durchaus das Öfteren erhoben wurde.
00:06:31: Vielmehr vertraut Saatre auf die kommunikativ freiheitliche Kraft der Literatur ihrer Autorinnen und Autoren ebenso wie ihre Leserinnen und Lesern.
00:06:42: Gerade darin weiß sich auch die demokratiefördernde Macht der Literature als ein, ich zitiere es nochmal, Akt des Vertrauens zur Freiheit des Menschen.
00:06:53: Und in diesem Sinne sind die Texte Nora Boussaint's Akte des Vertrauen zu Freiheit des Menschen Denn Bosons romane Gedichte, Essays und Reportagen setzen ein hohes Maß an Vertrauen in ihre Leserinnen und Leser
00:07:09: die
00:07:10: wie im freundlichen Gespräch weder über Rumpit noch überredet werden sondern viel mehr an der Entwicklung der Fragestellungen und Probleme aktiv um Partizipation gebeten werden.
00:07:23: Kitsch- und Kolportage hingegen leben ja ebenso wie die Agitationsliteratur vom Prinzip des Hypersugistiven.
00:07:30: Nichts davon ist in Bosson's Texten zu spüren.
00:07:34: Diese Texte sind stets auf die Intelligenz ihrer Leserinnen und Lesern avisiert, auch deshalb weil sie sie in ihre Freiheit erhamst nehmen.
00:07:45: Denn anders als viele Autorinnen und Autoren ihrer Generation, die sich in autofiktsionalen Erkundungen des großen Egos und seiner mikroskopischen Verästelung verlieren bleibt Bosson in ihrem Schreiben eigentlich immer eine Situyenne eine durch und durch politische Autorin und Staatsbürgerin.
00:08:05: Auch dieser Inedansatre, und sein Diktum – ich zitiere nochmal Satre – Literatur ist Stellounahme.
00:08:12: Poisson's teilnahmsvolle Beobachtung der Wirklichkeit reflektiert die eigene Position kritisch mit statt sie zum alleinigen Zentrum der zu erfassenden Welt zu machen.
00:08:22: Etwa, wenn sie im Essay die Geschmeidigen, die Politikerinnen und Politiker ihrer Altersgehorte wie Anna-Lena Baerbock, Christian Lindner, Katja Kipping, Paul Ziemiak und Lars Klinbal ins Visier nimmt.
00:08:33: Zwischen den nineteen achtundsechzigern unter Gen Zituiert wird hier ein wohlbegründeter Pragmatismus analysiert der die großen Errungenschaften und positive Entwicklungen seit den neunzehnten siebzehr Jahren ebenso bewahren möchte wie die ökologischen und politischen Existenzgrundlagen und sich dies eben auch zutraut.
00:08:54: Poisson ist ebenso vorurteilsfreier, wie neugierigere Blick schreckt auch vor tabuisierten Bereichen nicht zurück, wie etwa der Umgang mit Sexualität in unserer Gesellschaft in dem zehntinzebten publizierten Reportageband Rotlicht – die Lust, der Markt und wir!
00:09:09: Die sozial-psychologische Tiefenschärfe dieses Blickes legt dabei die ökonomischen und machtstrukturellen Verbindungen von Kapitalismus und Sex und Sexindustrie offen, die letztlich viel über die herrschende Genderordnung verraten.
00:09:22: Dabei prioriziert die Autorin nicht sondern sie beobachtet genau und entgeht so stets den Fallen der Klischees, die gerade bei solchen Themen wie dem des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Begehren überall lauern.
00:09:37: Insofern erinnert sich immer wieder daran, dass Aufklärung also im kannten Sinne der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit ein perinierender und andauernder Prozess ist, der immer wieder aufs Neue nottut und daher auch immer wieder das neue angegangen werden muss.
00:09:55: Denn letztlich geht es um die Konfrontation des Menschen mit seinen eigenen aus Bequemlichkeit, Boshaftigkeit oder Frucht aufrechterhaltenden Vorurteilen, die überwunden werden müssen?
00:10:06: um zu einer wirklich mündigen Position zu gelangen.
00:10:11: Und diese Mündigkeit ist letztlich die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben in einem demokratischen Staat.
00:10:19: Man denkt in dieser Hinsicht an eine Funktionsbestimmung der Literaten als Teil des öffentlichen politischen Diskurses, wie sie in den neunzigzechziger bis neunzehntachzieher Jahren in der Bonner Republik gepflegt wurde.
00:10:31: Als Autoren wie Ingeborg Bachmann, Günter Graß, Heinrich Böll, Hans Magnus Enzensberger und andere sich nicht allein durch ihr künstlerisches sondern auch durch Ihr gesellschaftspolitisches Engagement auszeichneten und manche kontroverse Losstraten und Befeuerten.
00:10:48: Nora Boisson steht in eben dieser Tradition und einer sehr ehrbaren Tradition, wie ich hinzufügen möchte.
00:10:55: Und die ist nicht nur weil sie die gesellschaftspolitisch relevanten Fragen- und Themen aufgreift sondern auch weil sie, wie es den genannten Autorinnen und Autoren gelungen ist aus den Problemen der Gegenwart wirklich gegenwärts Literatur von hoher Qualität zu machen.
00:11:15: Das liegt neben ihrer außergewöhnlichen Sensibilität für das Gewicht und die Unwägbarkeiten der Sprache, vor allem an ihrem vortals frei empathischen Blick auch auf schwierige, auf kontroverse Themen.
00:11:28: Denn das ist ein Merkmal des Passants von Schreibens insgesamt in all ihren Modalitäten und allen verschiedenen
00:11:35: Genres.".
00:11:36: Und dabei profitiert das literarische Werk im engeren Sinne von den Errungenschaften ihrer essistischen Texte und umgekehrt.
00:11:43: Auch in dieser Hinsicht ist sie eine intellektuelle Satreserprägung, wenngleich – wie man ihren Ausführungen entnehmen kann – für Sie der Einfluss von satris Freund und rivalen Albert Camus erkennbar der Wichtiger ist.
00:11:58: Denn Camus Tendenz, Widersprüche und auch Aporien auszuhalten, ist auch in Bosson's Texten spürbar.
00:12:06: In eben diesem Sinne müssen wir uns auch die Autorin als einen glücklichen Menschen vorstellen.
00:12:14: Einer der Gründe, weshalb Poissonstexte ästhetisch überzeugen und nicht zu dem gro-gutgemeinter aber schlecht gemachter Thesen auf der Tendenz Literatur zu zählen sind liegt darin dass sie die Komplexitäten der Verschlungenheiten des politischen und des privaten ernst nimmt und eben das sie nichts... dass sie nicht versucht diese zu glätten oder wegzueskamotieren.
00:12:38: Diese konsequente Haltung lässt an ein Diktum von Hannah Arendt denken, ich zitiere Arend.
00:12:44: Politik ist etwas was für menschliches Leben eine unabweisbare Notwendigkeit ist und zwar sowohl für das Leben des Einzelnen wie dass der
00:12:53: Gesellschaft.".
00:12:56: Erst vor dem Hintergrund der individuellen Charaktere und deren Schicksale scheinen die tiefen Strukturen überhaupt gestaltbar denn ansonsten blieben die Figuren schatten.
00:13:08: Statistiken.
00:13:11: Das zeigt sich etwa an dem Roman-Schutzzone, der im Jahr twohundneinzehnt publiziert wurde und eine Auseinandersetzung mit einer der großen Institutionen darstellt die sich global für die Wahrung und Sicherung von Gerechtigkeit einsetzen nämlich der UN.
00:13:26: Obwohl er dies nicht explizit thematisiert, so darf doch angenommen werden und ich nehme das an.
00:13:32: Dass der Roman nicht zuletzt eine Reaktion auf die in der Folge des Ereignisses des Jahres zweitausendfünfzehn einsetzende Debatte mit den Geflüchteten gewesen ist.
00:13:43: Eine Reaktionen, die bemüht sind den menschenverachtenden Positionen, die teilweise auch und sogar von Vertretern der christlichen Parteien geäußert wurden, wurde eine Stimme und der Humanität entgegenzusetzen, und zugleich auch diese Stimme wieder kritisch zu hinterfragen bzw.
00:14:03: in ihrer Fragwürdigkeit
00:14:05: zu
00:14:05: zeichnen.".
00:14:07: Das ringen nur eine adäquate Beschreibung der Wirklichkeit die Suche nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit in diesen transformierten Zeiten das sind die treibenden Kräfte hinter dem Roman Schutzzone.
00:14:20: Der Text ist nicht chronologisch erzählt denn wie die Icherzählerin Mira Weidner feststellt ich zitiere aus Schutzzone.
00:14:27: Geschichten, die uns Angst machen, erzählen wir meist nicht chronologisch.
00:14:31: Es gelingt einfach nicht oder wir versuchen es nicht gelingen zu lassen.
00:14:37: und die Geschichten eigens und Begebnisse, die sich verstören, uns eine Sicherheit genommen haben irgendwann von der wir später nicht einmal mehr sagen können ob sie eine gewesen ist.
00:14:49: Erzählen wir sprunghaft und den falschen Reihenfolge.
00:14:52: Und oft erzählen wir sie gar nicht, es sind die Details, die plötzlich Bedeutung bekommen.
00:14:59: Dieser Satz finde ich in einem extrem poetologischen Satz auch.
00:15:02: Nicht nur einen inhaltlich wichtigen Satz sondern einen psychologischen Satz, sondern auch einen sehr poetologisch wichtigen Satz für diesen Rummachen!
00:15:10: Mira Weidner ist selbst eine, die den Verlust ihrer persönlichen Sicherheit als Kind erlebt hat.
00:15:15: Da sich ihre Eltern getrennt haben und ihr Vater sie während der Trennungsphase in die Obhut einer befreundeten Diplomatenfamilie gegeben hat also eine dramatische Transformationserfahrung sozusagen gemacht hat.
00:15:29: Und hier an dieser Mischung kündigt sich bereits die Verschränkung von persönlichen und politischen Motiven an Die charakteristisches für den Roman.
00:15:39: Mit Milan, dem sieben Jahre älteren Sohn von Darius und Lucia wird Mira später als Milan selbst verheiratet ist.
00:15:45: Und zunächst für die UN in Genf und dann am internationalen Strafgerichtshof in Den Haag tätig ist ein Liebesverhältnis beginnen.
00:15:53: Mira selbst wird während ihrer Zeit in New York ebenfalls für die Un angeworben und arbeitet dann unter anderem für die Wahrheitskommission der UN, die den Genozidvorwürfe in Burundi untersuchen soll wo es nicht erst seit nineteen-neunzig zu Massakken zwischen verschiedenen Volksgruppen gekommen ist.
00:16:12: Ein Handlungsstamm spielt demzufolge auch zwölf in Burundi, wo Mira bei ihnen Befragungen mit den verschiedenen Positionen konfrontiert wird die von traumatisierten Opfern bis hin zur offensichtlichen Tätern reichen.
00:16:26: Zudem werden auch die europäischen und amerikanischen Experts, die in ihren luxuriösen Enklaven mit Pool- und Eisgekühlten Drinks ein Leben voller Andenlehmlichkeiten führen.
00:16:36: Das sind scharfe Kontrast zu ihrem ausgegrenzten und ausgeschlossenen Umfeld steht – mit Insaspamorama der Stimmen einbezogen!
00:16:44: Dadurch wird ein vielstimmiger Kosmos geschaffen, in dem eine Polyphonie einander widersprechender Perspektiven und Haltungen sich entfalten kann.
00:16:54: Das reicht von der Position einer enttäuschten Idealistin wie Sarah – eine Mitarbeiterin der Gesundheitsorganisation und zeitweise geliebte Miras, die trotz der offensichtlich Misserfolge ihrer Arbeit weitermacht.
00:17:06: über die sich langweilende mitreisende Gattin die sich da langweilt, über den Hin zum Zyniker Pietro der alle Bemühungen der westlichen Institutionen in Afrika und sonst wo als Vorkommen zwecklos diskreditiert.
00:17:24: Falsche Romantik ist sein Etikett dafür.
00:17:28: Dann hin zur einheimischen Ortskraft Jean, der Mira über die internen Geplogenheiten des Landes aufklärt.
00:17:35: Bis hin zu dem ehemaligen Kindersoldaten einen Jungen in einem Flüchtlingslager den Mira befragt und der er von seinem Kommandeur erzählt.
00:17:45: Dieser Kommandeurs ist mutmaßlich derjenige Mann, den Mira dann an einem geheime Ort trifft, zu dem sie mit verbundenen Augen gefahren wird.
00:17:53: General Emé – was für eine Name für einen Kriegsverbrecher!
00:17:57: General Emé, der Geliebte.
00:18:03: Er weiß sich dann für Mira, deren große Fähigkeit es ist die Menschen zum Reden zu bringen als eine faszinierende ebenso kultivierte gebildete wie vollkommen skrupellose Person.
00:18:16: und man denkt hier unwillkürlich an die übergroßen Übeltäter von Milton Satan über Goethe's Mephistopheles bis zu Joseph Conrad's Mr.
00:18:24: Curds und seinen Nachfahren zum Beispiel den Formal und Brand of Verkörperten Colonel Kurtz in Coppola's Apocalypse Now oder auch an Hannibal Lecter.
00:18:34: Diese Reihe ist nicht so abiträr wie sie erscheinen mag, sind doch all diese Figuren Meister in der argumentativen Rechtfertigung ihres abscheulichen Tuns.
00:18:45: Für den General Emé ist es letztlich das Erbe des Kolonialismus sowie die Kollateralschäden der De-Kolonisation, die verantwortlich zu machen sind für den Kreislauf der Gewalt in seinem Land.
00:18:57: Und damit wird der Blick auf die Auseinandersetzung um das kolonialistische Erbe Deutschlands gelenkt – denn Burundi war von.
00:19:09: Im Gespräch mit Mira macht Emé den kaiserlichen Kolonialismus mit seiner Kategorisierungswut auch für die Unterscheidung, die später Auslöser für die vermeintlichen ethnischen Konflikte werden sollte verantwortlich.
00:19:22: Und beschuldigt Mira jetzt noch im selben Geiste zu
00:19:26: handeln.".
00:19:27: Ich zitiere das was der General Emé sagt Dass sie damals als Sie, also nicht Sie persönlich aber doch Sie in unser Königreich eingefallen sind den Ursprung gesetzt haben für das Morden einhundert Jahre später.
00:19:41: Sie wollten ja damals alles verwalten.
00:19:43: Das liegt Ihnen halt!
00:19:45: Also haben sie durchgezählt.
00:19:46: Und die mit zwölf oder weniger Ziegen auf der auf die eine Seite gestellt und Hutus genannt, und die mit mehr Ziegen auch die andere und Tutsis genannt.
00:19:54: Dann haben Sie noch ein paar Nasen vermessen, Hutunasen, Tuzinasen.
00:19:57: Sie sind durch die Dörfer gezogen so wie Sie es jetzt gerade machen für Ihre, wie sagen Sie noch?
00:20:03: Wahrheitskommission!
00:20:06: Ende des Zitats.
00:20:07: Das Beklemmende an dieser Passage ist, dass sich zwar die historischen Ursachen und Verantwortlichkeiten durch das Unrechtes Kolonialismus nicht abstreiten lassen, dass sie aber hierher halten sollen für die Rechtfertigungen der persönlichen Verfehlungen eines Kriegsverbrechers.
00:20:24: Poisson schildert zudem genau die politischen gesellschaftlichen Mechanismen, weshalb derartige Sittenmonster letztlich doch kaum für ihre Traten sich vor einem Gericht rechtfertigen müssen.
00:20:35: Und auch Emets mutmaßlicher Suizid im Roman bleibt obskur.
00:20:38: Es wird nicht ganz aufgeklärt ob er wirklich stattgefunden hat oder nicht Doch lässt sie auch nicht das Versagen europäischer und amerikanischer Diplomaten aus, die aus Eitelkeit, Feigheit, Opportunismus oder anderen Formen menschlicher Schwächen in den entscheidenden Momenten, die wirklich eine Veränderung der Zustände herbeiführen könnten sich zurückhalten oder einknicken.
00:21:02: Und dennoch sind die großen Postulate der UN Frieden Wahrheit Gerechtigkeit und Versöhnung.
00:21:09: Und so sind auch die ersten vier Abschnitte dieses Roman zu überschrieben, auch wenn sie nicht in ihrer Absolutheit erreicht werden oder bisweilen überhaupt nicht erreicht werden.
00:21:18: ein Versprechen das nicht nur den Geist der Utopie atmet sondern eine konkrete Zielvorgabe an der sich trotz aller Absurdität der Verhältnisse der sinnlosen und endlosen Spirale der Gewalt festzuhalten lohnt.
00:21:34: Es ist ein Trotzdem Ein Einspruch gegen die Erkenntnis der gewalttätigen Natur des Menschen.
00:21:42: Plü jamaisa, nie wieder.
00:21:46: Immanuel Kant hat dies in seinem Alterswerk Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre von siebzehntseinundneunzig in die Maxime gefasst – ich zitiere Wenn die Gerechtigkeit untergeht so hat es keinen Wert mehr das Menschen auf ihren
00:22:01: Leben.".
00:22:02: Ende des Zitats.
00:22:04: Und auch wenn die Protagonistin und die UN – und wir mit ihnen immer wieder daran scheitern, so ist es das Scheitern des Kamüschen Sisyphus, den wir uns aus einen glücklichen Menschen vorstellen müssen.
00:22:17: Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
00:22:26: Ach Europa!
00:22:28: Auch nur dieses kleine gerüttelte Wiesendingen Königstoch damit einer panischen Angst vor Stieren.
00:22:35: Wer nimmt ihr das übel nach all dem?
00:22:39: Kriege hatte sie wie andere Leute Erkältung Eine Schürze von der Länder über die Ebene geschüttelt, Babel an jedem Grashalm errichtet.
00:22:49: Verwaltungskaos drapiert in Brüsseler Spitze ein Panoptikum aus Irren und Ehrenbürgern, Bagatellen- und Bösengeistern.
00:23:01: Die Sumpfdotterblume wäre die sichere Wahl.
00:23:04: doch irgendetwas liegt uns an ihr Europa dieser verschreckten Zwergen am Ende der Welt.
00:23:12: Wir muntern sie auf und beteuern dass es einmal gut ausgeht mit ihr.
00:23:19: Ja, Frau Besson ich habe schon die vier ersten Untertitel genannt, die vier Maximum der UN, die sie im Roman sozusagen als Kapitel aus Großkapitel mitgegeben haben.
00:23:34: aber... Eines ist ein wenig rätselhaft.
00:23:38: Übergang ist der letzte große Abschnitt überschrieben?
00:23:42: Ich habe ja vorhin schon gesagt, der Roman ist nicht chronologisch erzählt.
00:23:44: Es springt zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her Und auch im letzten Teil haben wir es nochmal mit ein paar Springen zumindest zu tun Auch ein paar Ortswechseln.
00:23:55: Der Übergangswozu?
00:23:57: Ist die Frage.
00:24:00: Transformation ist ja in diesem UN-Kosmos ein durchaus beliebtes Wort.
00:24:06: Es ist sozusagen das Ende der Schachpartie, wenn eine Krisenregion befriedet wurde dann soll diese Transformation hin zu einer stabilen Staatlichkeit gelingen.
00:24:21: Transformation Die sogenannten Wahrheits- und Versöhnungskommission ist Teil einer Transformation.
00:24:31: Transformation aus einer Krise hin zu etwas Stabilen, zu etwas Friedlichen.
00:24:36: Und in diesem Roman sind ja eigentlich alle diese Schlagworte so dass sie auch immer wieder einbrechen.
00:24:45: also auch Kapitel Frieden haben wir nicht nur Frieden!
00:24:49: Und die Transformation misslinkt natürlich auch sehr häufig.
00:24:53: UN-Mitarbeiter ziehen ungetaner Dinge wieder ab oder werden rausgeschmissen, wie wir es in Sudan übrigens haben.
00:25:00: Oder hatten also die UN Mission?
00:25:03: das große Tragik der neunziger Jahre, dass in Ruanda UN Soldaten stationiert waren und den Völkern nicht haben verhindern können hat sich in gewisser Weise heute noch gesteigert, indem UN-Soldaten in Sudan, wo gerade genau so etwas offensichtlich zu passieren scheint gar nicht mehr vor Ort sind.
00:25:25: Und dieser Glauben an Transformation hin zu etwas Besseren war jetzt im Versöhnungskommission halt natürlich ein urchristlichen Ansatz, also Nelson Mandela und Desmond Tutu haben das damals für Südafrika sich überlegt als eine Möglichkeit einer in so schlimme Gewaltspiralen verflochten Gesellschaft rüber zu retten hin zu etwas, wo wirklich Versöhnung möglich ist.
00:25:52: Damit einfach weitere Gewaltrache-Spiralen nicht gelingen, den dem Bund entzogen wird.
00:26:03: Der amerikanische Präsident hat jetzt gerade wieder verkündet das oder in irgendeinem seiner etwas immer wieder überraschenden Interviews – ich weiß gar nicht, ob es im Interview gesagt hat oder wo auch immer Er verkündet das in Südafrika jetzt die Weißen verfolgt werden.
00:26:20: Es gibt dafür keinerlei Belege, es ist eine Geschichtsklitterung wie wir es in der heutigen Zeit leider sehr oft haben bei einigen sehr einflussreichen Männern der politischen
00:26:32: Bühne.
00:26:33: und aber man sieht dass eben bestimmte Gesellschaften natürlich nicht nur bestimmte gesellschaften sondern jede Gesellschaft an den Traumaternen die sie mitbekommen hat über die Generation hinweg weiter zu kämpfen hat.
00:26:48: Und dass diese Transformation so gesehen letztlich immer zum Scheitern verurteilt ist, aber nicht zur Versuchung wäre auch fahrlässig.
00:26:56: und dann gibt es natürlich auch wiederum Transformationen, die man versucht zu vermeiden.
00:27:00: also um auf diese persönliche Ebene des Romans einzugehen.
00:27:04: Da gibt es ja die Liebesgeschichte zwischen Mira Weidner der Becherzählerin und Mila in diesem Kinderschulfreund aus der damaligen Zeit.
00:27:15: Er ist in einer unglücklichen Ehe verräumt, könnte man sagen.
00:27:23: Und da wird die Transformation angegangen aber auch wieder abgebrochen weil Ehe ist ja quasi heilig oder nicht quasi.
00:27:33: und was dann zu einem Verbleiben in einem eigentlich unglücklichen Zustand... darauf hinausläuft und jeglicher Versuch aus dieser Situation irgendwie glimpflich herauszukommen, wird abgeblockt weil man eben vor Transformationen, Vorveränderungen, für Übergängen große Angst hat.
00:27:54: Andere Möglichkeit wäre natürlich auch das Ganze von innen daraus zu lösen.
00:27:57: aber auch dazu sind diese Figuren eigentlich nicht in der Lage oder ist zumindest diese eine Figur nicht in die Lage.
00:28:03: Das heißt Übergänger als Möglichkeit, immer Möglichkeit des Scheiterns Und als etwas, was mitunter abgeblockt wird.
00:28:14: Was Angst macht?
00:28:15: Was Unruhe reinbringen könnte und was die festgesetzten eingeübten Formen irgendwie irritieren könnte und deswegen gar nicht erst gewünscht wird.
00:28:26: Ja aber der Übergang ich gehe nochmal zurück sozusagen zur politischen Komponente dieses Romans.
00:28:33: Ich meine der Üergang der zu einer relativem Stabilität führen sollte, da werden jetzt sozusagen auch die Voraussetzungen überhaupt erstmal abgeblockt.
00:28:46: Es wird eigentlich eine Art... Status quo in gewisser Weise wiederhergestellt und die eigentlichen Verantwortlichen werden natürlich auch nicht zur Rechenschaft gezogen.
00:28:58: Und das ist eine bittere Note am Ende dieses Textes, wie der Realität entspricht diese bitteren Note?
00:29:07: Ja es ist die Frage, weil ich meine wir kennen es aus der deutschen Geschichte auch nur zu gut Die Frage nach Amnestie, nach Erlassen von Schuld.
00:29:17: hätte man in Deutschland alle Menschen die sich doch mit schuldig gemacht haben an denen was bis zum Mai fünfundvierzig passiert ist entlassen und nicht wieder eingestellt.
00:29:27: Und nie verbeamtet oder aus dem Beamtenverhältnis entlassen.
00:29:32: dann hätte man hier dieses Land mit wahrscheinlich fünfhundert Leuten Regieren, verschulen, verbeamt und so weiter ein bisschen.
00:29:41: Also man ist ja immer in diesen Realitäten gefangen.
00:29:45: und die Frage... Und ich glaube das ist dann eine Frage nach den grenzigen irdischer Gerechtigkeit.
00:29:54: Damit sind wir schon mal beim Metaphysischen Diskurs?
00:29:56: Ja natürlich!
00:29:57: Die jüngliche Gerechtigkeit?
00:30:00: Und setzen zu Sisyphos noch Kohle.
00:30:03: Zu Sisythos konnten wir Kohle bringen.
00:30:07: Wir passen eigentlich ganz gut zusammen.
00:30:09: Stimmt, aber es wird ja immer wieder auf die Bibel verwiesen?
00:30:15: Auf die Metaphysischen-Dimension des Größen und wir werden aber im Abgab blockt oder?
00:30:21: Werden Sie das?
00:30:21: Ich weiß nicht.
00:30:22: also es gibt ja.
00:30:23: im Neh beispielsweise spielt wiederum... Wie Sie ja gesagt haben, ist es eine hochintelligente Figur der sehr genau weiß mit welchen Narrativen er zu spielen hat.
00:30:34: Er spielt mit dem ... Mit der Figur des Judas die er auf sich anwendet und die er dann aber auch sozusagen gegen die anderen wendet.
00:30:42: also was musste dieser Judas auf sich nehmen?
00:30:47: dass er am Erlösungsgeschehen eigentlich eine notwendige Position inne hatte nicht gerade die es sich irgendjemand wünscht.
00:30:56: Also das Täter- oder Opferverhältnis wird da noch mal von der Seite hinterfragt.
00:31:03: Das macht eine ganz hochinteressante Geschichte, gerade mit Blick eben auf die literarische Verarbeitung des Judas, der Judasfigur, der ja ganz unterschiedlich immer auch immer gedeutet worden ist.
00:31:14: und also die Selbstdeutung von Emei, die sie in dem Roman verschlagen, gibt es natürlich eben auch in anderen Texten, dass auch schon thematisiert haben, die Judas dadurch exkupiert haben.
00:31:27: Weil ja eben notwendig ist fürs Heilsgeschehen.
00:31:30: und das heißt man zieht sich sozusagen auf eine Position zurück, die innere Notwendigkeit aus einer Art geschichtsphilosophischen und heilsphilosofischen Perspektive des Eigenhandels begründet.
00:31:44: Genau!
00:31:45: Und ich weiß nicht ob die metaphysische Ebene in dem Roman immer wieder eingerissen wird sie wird jedenfalls hart kontrastiert mit dem realen, was innerhalb dieses weltlichen Friedensversprechungs der UN passiert.
00:32:02: Und das natürlich immer... Also es ist schade dass ich natürlich sage aber, dass immer scheitert.
00:32:08: also das Plü jamaisat ist eben nicht Jamai und nicht plü sondern ist es da.
00:32:18: Ich meine wenn wir zukannt schauen der ewige Frieden Ein Schild einer Kneipe, einer Gaststätte die neben einem Friedhof liegt und letztlich hat selbst Kant offenkundig das als doppelten Boden einbauen müssen.
00:32:34: Als er über den ewigen Frieden nachdachte.
00:32:36: also Die die Tragik unseres Hierseins ist das stetige Scheitern an dem was aber doch eigentlich lebensnotwendig wäre nämlich die Hoffnung auf so etwas wie Frieden der haltbar und belastbar ist.
00:32:51: Und nicht nur für eine kleine Kohorte, die hier in München sitzt, wo es seit einigen Jahrzehnten ja einigermaßen gut hält mit dem Frieden?
00:33:00: Das führt mich eben auch zu der Frage nach der wirklich internationalen Perspektive, die dieser Roman noch aufmacht.
00:33:12: ganz stark wirklich sozusagen eine Art neues International Theme, wie das mal hieß in der amerikanischen Literatur.
00:33:20: Deutlich macht mit den verschiedenen Positionen Mentalitäten und eben damit auch bestimmten Argumentations- und Legitimationstrategien die hier ganz hart eben aufeinander prallen.
00:33:34: also diese Poolparty Geschichte zum Beispiel Das merkt man schon, aber es hat ein bisschen den Schalk dahinter mit dem, wo am Ende sozusagen die Idealistin als einzige Möglichkeit zu sagen Antwort sieht das Glas auf den Boden zugrafen.
00:33:51: Also einen eigenen Akt der Gewalt auszubrechen, die sie ja ironischerweise durchbrechen wird.
00:33:57: also auch das ist wirklich auch ein Spiel finde ich für die dass ja die Relativität der Positionen noch mal klar macht oder deutlich
00:34:07: macht die Relativität und auch die Ungleichzeitigkeit der Position.
00:34:11: Also das ist ja, was wir in glaube ich mindestens in einer global vernetzten Welt erleben.
00:34:19: aber gut Kirch ist ein gutes Beispiel dafür.
00:34:22: Die Ungleichzeitigkeit von von Istzuständen In unterschiedlichen Orten, in unterschiedlich sind ja auch allein schon Generationen Unterschiede Allein schon innerhalb von Deutschland, vergleichen sie Berlin mit ... Ich weiß nicht.
00:34:40: Mit München ist wahrscheinlich auch schon Gefälle.
00:34:43: Aber ...
00:34:44: Politiker sagen in diesem Fall immer mit Gilamos aber gut.
00:34:49: Aber dieses Aufeinandertreffen von Legitimitätsstrategien?
00:34:56: Ja.
00:34:56: Aber eben auch von ... ich würde fast sagen unterschiedlichen Weltzugriffen oder ... Verständnis sind dessen, wie Leben zu verlaufen hat.
00:35:08: Das ist das Kracht aufeinander und es kracht eigentlich ständig aufeinander.
00:35:14: nur in dieser Szene bei einer Poolparty im Burundi merkt man es schmerzlich.
00:35:20: genauso pervers ist es ja wenn jemand in einem schicken Hotel München bleiben wir hier vor Ort in einen Pool springt.
00:35:29: Weil Burundi sieht da ja auch nicht besser aus, nur weil diese Person im München in einem Pool springen.
00:35:35: Also dieses Gefälle zwischen den Lebensrealitäten ist ja da.
00:35:38: Wir übersehen es nur ständig und machen es uns glaube ich sehr selten bewusst, weil es uns eigentlich und das schließe ich mich auf jeden Fall mit ein zu einem anderen Handeln zwingen würde.
00:35:50: aber dieses handeln wäre unbequem für uns.
00:35:52: Das sieht man eben noch mal die Diskussion darüber die Position des weißen Europäers oder des weiße Amerikaner als eine schon a priori privilegierte Position.
00:36:04: Und das, glaube ich, wird in dem Text auch noch mal sehr deutlich.
00:36:08: Auch wenn es dann natürlich Abstufungen gibt und es auch nicht privilegierte Menschen hier in diesem Land gibt, die eine helle Hautfarbe haben aber trotzdem natürlich global gesehen sind wir eines der reichsten Länder.
00:36:19: Und auch wenn sich unsere Koalition gerade über Renten die Köpfe einschlägt sind das alles und dass für Menschen, ob so oder so ausgeht, Konsequenzen haben wird?
00:36:33: Sind das natürlich alles noch Diskussionen die in sehr vielen Ländern gar nicht stattfinden würden und schon gar nicht mit solchen Zahlen.
00:36:40: Und diese Frage, die dann ja noch in eine ökonomische Privilegiertheit mit reinspielt ist die Frage nach einer Deutungssoheit, politischen Missionswillen die Frage nach ja den Werten, die man meint eben auch teilweise in so einem Transformationsprozess vermitteln zu müssen.
00:37:05: Weil wir haben es sehr schon besser verstanden als ihr und deswegen müssen wir euch jetzt beglücken damit dass ihr so leben wollen müsst wie wir das gerne möchten.
00:37:16: Auch das ist Teil der Argumentation von EMI überwiegend nicht?
00:37:19: Also dieses Warlords, denen er mir verschiedene Male trifft.
00:37:26: Vielleicht möchte ich noch mal zurückgehen zu einem ganz wichtigen Begriff, der gerade im letzten Teil nochmal thematisiert wird.
00:37:32: Nämlich den der Versöhnung.
00:37:37: und ich glaube Sie haben halt in dem Interview gesagt dass also sich auf Derridan, sagt Derrida, Französian Philosophen berufen das eigentlich sozusagen diese Begriffe von Versöhnung und Verzeihung nur dann in irgendeiner Art und Weise einen validen Sinn haben wenn sie sich mit dem Unverzeihlichen konfrontiert sehen.
00:37:59: Und da gibt es eben auch nicht diese eine Szene in den Romanen, wo eben Sarah die Freundin, zeitweise Freundin und Vertreterin der Gesundheitsorganisation der UN sich darüber noch mal Gedanken macht und sagt wie geht das eigentlich?
00:38:14: Also wenn jemand mein Kind getötet hat kann ich den verzeihen?
00:38:19: Ja also ist glaube ich ein ganz starker Punkt.
00:38:22: Also da finde der Roman, also ich sage das sozusagen auf einer sehr positiven theologischen Fragestellung.
00:38:33: Es werden ja viele teologische Motive werden verwendet um die eigene Argumentation stark zu machen aber hier glaube ich geht es nochmal um wirklich metaphysische Kategorien.
00:38:47: Ja und bei Derrida zu bleiben, also diesen Begriff des Pardonni diese Vergebung immer wieder durchdenkt und bedenkt, sich aber auch mit dieser Wahrheits- und Versöhnungskommission in einem anderen Text beschäftigt hat.
00:39:05: Und was er schon auch stark macht ist die Frage dann nach inwiefern dieses immer sehr persönliche Pardonné, das über uns eigentlich hinausgeht Inwiefern das von Institutionen eingefordert werden kann, dem gibt ja eigentlich eine Absage.
00:39:25: Und auch das was in einer Stelle wichtig ist, ich glaube er nimmt es übernimmt es von Timothy Gardner-Esch.
00:39:36: Paar Song Koch also noch nicht!
00:39:39: Niemand kann den Moment bestimmen wann diese Vergebung stattfindet und ob die Vergebungen zu Lebzeiten stattfinden.
00:39:49: Das Pardonnay ist nichts, was eingefordert werden kann, sondern es ist eine Denkfigur, ein Möglichkeitenhorizont der aber weder verordnet werden kann noch schon gar nicht vom Täter gefordert
00:40:03: wird.".
00:40:03: Genau!
00:40:04: Sie haben auf Team Music Garden Ash verwiesen, zentral in der jüdischen Theologie vorhanden ist.
00:40:15: Weil Walter Benjamin das noch nicht ... Das ist die messianische Denkfigur eigentlich par excellence an dieser Stelle, ja?
00:40:23: Also es heißt jetzt eine Hoffnung auf einen messianischen Moment wie auch immer der Aussehen mag.
00:40:31: Aber es ist trotzdem sozusagen ein messianischer Gedankel oder dahinter.
00:40:35: Ja aber es ist schon auch ins Christentum eingesickert mit... Der Parosie-Frage und dem Schon und noch nicht.
00:40:43: Also dieses Angelöste, aber noch nicht ganz Eingelöse ist ja auch in christlichen Denken verankert.
00:40:51: Und bei Paul Zeeland zum Beispiel kommt es dann auf die Sprache also auf das Gedicht... Das kann ich leider nicht auswendig, aber er, dieses Schon und Noch Nicht wandelte ein bisschen ab und in seiner sehr schönen Büchnerpreis redete, die ich Ihnen allen zum Nachlesen empfehle Wo ist das messianische, also eigentlich nicht mehr fähig zum Glauben nach der Shoah?
00:41:21: Eine gebrochene Glaubensfähigkeit die sich auf die Sprache zurückzieht und letztlich auf die Zeugnishaftigkeit.
00:41:29: Also was das Gedicht tut Bergen, was geschehen ist oder vielleicht kann man es wenn man es jetzt theologisch ausdeuten wollte.
00:41:38: Den Sprechakt aus Genesis eins der in bei Zehlein in den Gedichten dann zu einem also nicht schöpferisch wird sondern nicht schaffen was sein soll sondern das bewahren und archivieren und bezeugen hat sein dürfen.
00:41:57: Also das finde ich auch eine sehr, sehr interessante Denkbewegung die ist eben in diesen fünftiger oder sechziger Jahren bei Céline gab.
00:42:09: Ich musste auch an übrigens bei einer Passage im Roman an den Céland Zitat denken nämlich als ich mir durch die Flüchtlingslage bewegt und eben ist immer, sie infrage stellt ob das jetzt so wirklich ist.
00:42:23: Ob das stimmt was ihr an Aussagen bekommt oder ob diese Aussage nur bekommt weil die Leute sich echt erwarten gibt es ein bisschen Geld dafür oder so nicht?
00:42:33: Und bei ZELANG gibt's ein berühmtes Zitat Wer zeugt für den Zeugen.
00:42:38: also das ist glaube ich der Punkt wo man sagen kann dass die, da wird die Zeugenschaft im Grunde genommen sozusagen ins Grundlose in den Abgrund.
00:42:49: Der ja auch in der jüdischen Mystik nicht immer nur das ganz negative ist sondern auch im Moment des Widerstehens, der Hoffnung und des Neubeginns eben auch gerade messianisch mitbeinhaltet also dass es dahin sich bewegt oder?
00:43:05: Ja und ich meine diese Idee bei C-Lang dann auch später von vielen wieder aufgegriffen.
00:43:14: Also ich meine, Deridar bezieht sich auf Ceylan.
00:43:17: Heidegger hat auch seine Beziehung zu Sedan, wenn gleich Ceyland vielleicht sogar eher eine Beziehungen zu Heideger hatte und man weiß es nicht so genau oder
00:43:25: bzw.,
00:43:27: man weiß das wahrscheinlich schon genau aber am Ende werden's nur die beiden beantworten können.
00:43:31: Und bei Agam zum Beispiel kommt dann die Ethik des Bezeugens vor oder die Ethik der Zeugenschaft, was letztlich bleibt von der ganzen THC.
00:43:42: Also er nimmt Hans Jonas irgendwie in zwei Sätzen auseinander und sagt ja das ist alles nur versöhnlerisch dass so kommen wir nicht aus dieser THC Frage raus nach der Shoah und es wird hier gar nichts über die Opfer gesagt kann man auch wieder kritisieren.
00:43:57: aber das was bei ihm letztendlich bleibt is dann die Zeugschaft als der ethische Und die ethische Dimension, die uns noch bleibt nach der Katastrophe.
00:44:06: Nicht als eine Figur.
00:44:07: bei Erkampen stellt sich ja die Frage nicht wie kann da Muselmann sozusagen sein eigenes Zeugnis ablegen?
00:44:13: Also derjenige, der sozusagen an der Schwelle des Todes steht und das heißt er braucht immer einen anderen Zeugen.
00:44:20: Der zeugt nicht für sich selber.
00:44:22: Das ist dieser Gedanke, der wird von Primo Levi erstmals glaube ich artikuliert.
00:44:27: Den ist es ein Mensch aus dem siebenundvierzig.
00:44:30: Aber genau darum geht es sozusagen um die Form der Zeugenschaft, die keine andere Beglaubigung hat als das Vertrauen auch auf die Zeugenschafft letztendlich.
00:44:42: Auf die Zeugschaft ist eine Haltung.
00:44:47: Und da spielt ja dann auch wieder diese Wahrheits- und Versöhnungskommission mit hinein?
00:44:50: Genau!
00:44:50: Die man natürlich kritisieren kann in ihrer institutionellen Verhaftetheit aber Revolutionär war in dem Sinne, dass sie überhaupt die Geschichte der Opfer hat hören lassen.
00:45:03: Und in diesem Versöhnungsansatz einen großen Raum geschaffen hat für das Leid was widerfahren ist und was vorher überhaupt nicht artikuliert werden konnte oder jedenfalls nicht so öffentlich artikulliert werden könnte?
00:45:20: Auch da muss ich an eine Stelle hin im Roman denken wo Der Vorgesetzte von Mira sagt, sie liest doch nach was Emigius gesagt hat.
00:45:33: Und er sagt in den Berichten steht nichts.
00:45:37: Also es ist ein sehr doppelbödiges Erzählen meine Damen und Herren.
00:45:40: Es sind wirklich sehr raffiniert erzählt
00:45:43: worden auch.
00:45:45: Ja doppel bürtig auf jeden Fall soll ich eine Passage daraus lesen bei der Gelegenheit?
00:45:50: Unbedingt!
00:46:00: Und dass darin bestand, in unsere Berichte und Korrespondenzen ein Wort einzuschleusen – etwa Nilferdt, das nichts mit dem zu berichten hinzutun hatte.
00:46:09: Und doch möglichst viele Schreibtische und Ebenen passieren sollte!
00:46:14: Wem es gelang sein Nilfert bis zum obersten Vorgesetzten zu bringen?
00:46:18: Der erhielt einen Punkt, in dem vollkommen zweckfrei aber er uns mit dem Gefühl der Selbstermöchtigung erfüllenden Spiel.
00:46:26: Wir wollten autonom sein gegenüber den Hierarchien, wir wünschten uns ein wenig Anarchie in den bürokratischen Strukturen.
00:46:34: Das Nilpferd war so etwas wie der Schuh von Nikita Khrushchev mit dem er bei einer Rede in der Generalversammlung auf den Tisch getrommelt hatte.
00:46:41: Wie die Comic-Bombe Benjamin Netanyahus, der auf deiner Papptafel den Verwunderten Delegierten präsentierte.
00:46:48: oder auch wie die N-Karter die Muammar Al Gaddafi Ceres einen Ding das an die falsche Stelle geraten etwas das nicht hierher gehörte, etwas dass ich nicht gehörten.
00:47:03: Requisiten auf einer Weltbühne, auf der die Staatenlenker ihre Hoheit zu verteidigen suchten.
00:47:08: Ihre Gebiet mehr aber noch ihre Deutungshoheit und immer wieder waren dazu requisiten verwendet worden über die zumindest wir jungen in der Ausbildung noch verwunderten Neuankömmlinge der UN-Familie unsere Wetten abschlossen.
00:47:21: wer sie erdacht hatte wie sie funktionierten Wann sie aufgehen würden, denn wie der Revolver im bürgerlichen Theater, der irgendwann vor Ende des Stücks einen Schuss abgeben musste um die Handlung überhaupt zu ihrem Ende zu bringen.
00:47:33: So waren auch die Requisiten in unserer Erzählung gesetzt, deren retardierendes Moment nicht ewig würde andauern können.
00:47:40: Die Schuhe von Krusstoff, die Karte von Gaddafi, die wir in einem Comic gezeichnete Bombe nettern ja aus.
00:47:47: Während allerdings die Schuhen, die Comic-Zeichnung und die Karten möglichst auffallen sollten, musste unser Nilfett abtauchen.
00:47:54: Es trieb als Spion durch die Texte und wurde selten entdeckt.
00:48:23: gespött der Menge.
00:48:27: Es gab die Lager, die Plastikmatten in den Hütten, die Impfungen und die Kindersterblichkeit.
00:48:32: Es gibt drei Britinnen, verschworene Grazien, die Tagsmeleganten etwas zu strengen Kostümen in ihren Büros ein fernes Land ordneten, obwohl niemand ins Rilanker großes Interesse daran hatte von ihnen geordnet zu werden – von diesen steifen Bürokratinnen mit ihren Menschenrechten, die mal galten, mal diktiert wurden, mal rettelten, einfach nur schief liefen!
00:48:53: Man wusste nicht, wohin genau man in diesen Rechten kam.
00:48:56: Aber die britischen Schicksalsgöttinnen schnitten weiter ihre Fäden und wurden in das nächste Krisengebiet geschickt.
00:49:02: Und nach ein paar Jahren in das Nächste – dabei hatten sie nicht bemerkt wie schnell man firtzig wird.
00:49:06: und dann fünfzig und wieder einen Krisengebiet und wieder nur ein Container zum Leben!
00:49:12: Es gab den Anschlag im Bagdad bei dem zweiundzwanzig Menschen starben.
00:49:16: Einige von ihnen waren nach der Detonation noch durch den Raum gelaufen, lebende Tote ihrer Gliedmaße vom Körper geschnitten Bekommen in der UN, sagte Devon.
00:49:26: Und deshalb genau wollten sie noch mal hierher?
00:49:30: Es gab das Programm All for Food, in dessen Pipeline irgendwo ein Loch gewesen sein musste, denn das Essen kam nie im vollem Umfang an.
00:49:37: Es gab auch andere Skandale!
00:49:40: Es gab die Mitarbeiterin, die sich auf einer Toilette des Istanbuler Flughafens mit einem Schnulsänkler hängte.
00:49:46: Es gibt Blicke so leer dass ein ganzer Schwarm Fliegenderen unterkam... es gab die Melancholie der drei Britinnen wenn die letzte Runde gezahlt war oder war es eine ausgemachte Depression.
00:49:59: Es gab die Marke Mount Swiss, deren Schnürsenkel außerordentlich strapazierfähig waren – gemacht für Berg- und Busch- und Flughafentoiletten!
00:50:08: Es gab Kastros Rede vor der Generalversammlung im September, mit der das Jahrzehnt der Befreiung begann.
00:50:15: Wir werden unser Bestes tun uns kurz zu fassen verkündete Kastro und hörte vierundhalb Stunden nicht mehr aufzusprechen.
00:50:21: In seiner grünen Revolutionsjacker am Rednerpult, ein westlicher Premierminister heißt es, habe in der Nase gebohrt und Castro hatte nicht aufzusprechen.
00:50:28: Er hörte einfach nicht auf!
00:50:32: Es gab die glamourösen Empfänger, die unfassbar reichend des Poten- und Diktatoren, die ihre Gattinnen losschickten damit sie ein paar salbungsvolle Worte über Frauenrecht im Menschenrechtsrat sprachen.
00:50:42: Es gab die Berichte, die von Nairobi nach New York und dort nach Mogadishu geschickt wurden.
00:50:46: Und niemand, wirklich niemand auf dieser Welt der Liebe Gott eingeschlossen kann erklären was die Menschen in Mogadischu mit den Berichten aus New York anfangen sollten.
00:50:54: In denen ihnen erzählt wurde das ihre Lage aussichtslos sei uns zu gefährlich um Mitarbeiter zu ihnen zu schicken.
00:51:01: es gab die Sitzungssäle der Vereinten Nationen die ich wegen ihrer Kühle immer gemocht und gefürchtet zugleich habe.
00:51:09: Es gab die beiden gewaltigen Olivenzweige hinter dem Rednerpult im Saal der Generalversammlung.
00:51:14: Und es gab das Gemälde von Per Koch, dass sie Stirnseite des Sicherheitsrats zierte mit einem Phönix in der Mitte den Kopf gesenkt hielt.
00:51:23: Es gab kleinere Seele, in denen die Vertreter der Regierung und ihre Bellen oppositionellen Legionäre zusammengebracht wurden.
00:51:30: Man trug die Nachrichten vom einen Saal zum anderen.
00:51:33: Sie klang zunächst für eine Kriegserklärung, wahlte wie ein Geheimsprach Aber es war doch nicht das Ende.
00:51:39: Klangen sie wie ein Friedensangebot, aber es war keines.
00:51:43: Es war nur eine
00:51:44: Atempause.".
00:51:46: Es gab den Diplomaten etwas zu schnell in Raumverlies.
00:51:49: Es gab Sackgassen!
00:51:51: Es gab das Licht um drei Uhr morgens in den Sitzungsseelen Blasser als jede Dämmerung.
00:51:57: Und Sie sind sicher, sagte Devon, dass Sie Ihren Vertrag verlängern wollen?
00:52:02: Es gab die Mogadischu-Linie, achtzehn tote Soldaten und das Versprechen Bill Clinton sich nicht mehr in Konflikte einzumischen, in denen die USA nichts zu gewinnen hatten.
00:52:18: Es gab zehn belgischen Blauhalmsoldaten, die wenige Monate später in Kigali ermordet wurden zum Beginn des Genozid.
00:52:24: Sie hatten die rwandische Premierministerin schützen wollen – es war ihr nicht geglückt!
00:52:30: Sie wurde das belgische Mogadishu.
00:52:34: Es gibt Tote in Rwanda.
00:52:36: Einige sagten sechshunderttausend andere sprachen von einer Million.
00:52:42: Es gab das Kind, dessen Körper Feuer fing.
00:52:45: Das bereits leblos schien und doch wieder zuckte und schrie.
00:52:49: Aber es gab keine Hölle, weil es keine gefallenen Engel gab – nur Menschen!
00:52:55: Es gab die Grenze zu Saier, zu der sich viele Hute flüchteten als die FRP die Macht übernahm.
00:52:59: Es gab dass Plüjamessa never gern nie wieder aus dem heraus die UN gegründet worden war aber es verhinderte nicht, dass es wieder geschah Die Morde, die Massaker, die Genozide.
00:53:12: Es gabs die Truppen, die abgezogen wurden und die Truppen, die gar nicht erst stationiert gewesen waren.
00:53:18: Man sah den Genoziden zu oder sah weg – man vermied das Wort!
00:53:23: Es gab die überfüllten Flüchtlingslager an der kogolesischen, damals noch serierischen Grenze in dem die Leichen auf den Straßen lagen.
00:53:30: Es gab meinen ersten Einsatz in einer Mission.
00:53:33: Ich war Devons Assistentin und sollte die Wahrheitskommissionen in Burundi beaufsichtigen Die Aufarbeitung der Völkermorde in den Jahren.
00:53:45: Es gab Angst.
00:53:48: Es gab die Lebenden und die Toten und die dazwischen, es gab die Bezeichnung Hutu und Tutsi und es gab eine deutsche Vergangenheit.
00:53:57: Es gabs die deutschen Kolonial-Herren, die aus den Tutsis vor über einem Jahrhundert Verbündete gemacht hatten und aus den Hutu Minderwertige.
00:54:06: Es Gab ein Kind das mit angesehen hatte wie einer Tutsimiliz seinen Vater ermordete.
00:54:11: Das Kind war jetzt Präsident von Burundi.
00:54:14: Es Gab jene, die ihn für einen Messias hielten jene die einfach still blieben und jene, die im ethnischen Hass nachsagten.
00:54:22: Es gab die untergetauchten Mörder von dreiundneunzig, die sich in den Grenzgebieten neu organisierten.
00:54:28: es gab den Abend im Juni als Devon und ich in Bojumbura ankamen.
00:54:31: Antoine, mein berundischer Kollege hat einen Essen für uns vorbereitet.
00:54:35: wir redeten unter einem Sternklaren Himmel über ein Panther am Jardin de Plont trankenkühlen Rieslingen denn der örtliche DHL-Differant ausgesuchten Kundenbeschafte hörten Witze über die UN was einige am Tisch zum Lachen brachte, mich nicht und Devon lachte sowieso selten.
00:54:53: Und während ich hinaufsatz im Sternklaren Himmel und Antoine's ruhige Stimme von Regel sprechen hörte öffnete sich etwas in mir oder etwas viel ab.
00:55:03: Es gab Sarah die mir zur Begrüßung förmlich die Hand reichte.
00:55:06: Ich spürte ihre kalten Finger in meinen und fragte mich wie man in diesem Land frieren konnte.
00:55:13: Hier nichts sagte sie aber drüben in Bukawu da ist es kalt wie an einer Leichenhalle.
00:55:20: Zumindest gab es etwas, das wir in unseren Berichten so nannten.
00:55:24: Es gab Amnestin aber kein Tribunal.
00:55:27: Ein Tribunal wollte die Regierung im Borundi nicht – keine Schuldsprüche!
00:55:31: Es gab die Palme am Hof, die auch am Mittag noch Schatten warf... ...es gab neue Pläne und als nächstes Bangladesch….
00:55:40: Es gab schlaflose Nächte wenn ich allein in meinem vom Wachschutz eingekreisten Haus saß Die Fernbedienung meines Fernsehers so schnell bediente, als wollte ich ein Computerspiel gewinnen und irgendwann trotzdem nicht mehr überhören konnte, wie still es eigentlich war.
00:55:53: Und ich fragte mich ob solch eine Stille normal war?
00:55:57: Ob ich nicht am Leben vorbeiglitt oder schlimmer noch gegen seine Regeln verstieß?
00:56:03: Es gab Milan.
00:56:04: irgendwo dazwischen gab es Milan.
00:56:05: vielleicht habe ich das damals tatsächlich schon gewusst Oder fragte ich mich doch nur wann es auffallen würde dass ich mich in diesen Verein geschmuggelt hatte Wie eines der Nilpferde in unsere Texte.
00:56:18: Aber sie machen das ganz ausgezeichnet sagte mir Devon.
00:56:21: Aber Sie machen das ganz ausgezeichnet, sagte mir später Monsieur Boucheron.
00:56:25: Und ich nickte!
00:56:27: Auch unsere falschen Nilpferde waren selten entdeckt
00:56:30: worden.".
00:56:34: Ja die falsche Nilpfärde ist eine sehr schöne Passage, die glaube ich auch nochmal zeigt wie intensiv diese Texte sich mit der Frage von Darstellung, Erfassung... Manipulation von Wirklichkeit und Wahrheit beschäftigt.
00:57:05: spannender Text.
00:57:07: Und ich würde auch nochmal auf die andere Ebene zurückgehen, es passiert eben sozusagen auf der politischen Ebene wie eben auch auf der privaten Ebene und diese Verflechtung glaube ich das habe ich ja auch in meinem Text am Anfang gesagt dass ist etwas was mich wirklich an dem Roman auch fasziniert also die Frage welche Bedeutung haben Grenzen in der politischen Landkarte und welche Bedeutung haben Grenzen in unserem Leben.
00:57:36: Was passiert, wenn man diese Grenzen überschreitet?
00:57:38: Ja was verändert sich eigentlich?
00:57:41: Was verändert sich in der Beziehung der Menschen zueinander?
00:57:44: Und das ist eben auch finde ich eine Qualität die diesen Roman von einer reinen Aufarbeitung sozusagen auf Erbeitungsliteratur Abhebt, ja?
00:57:58: Also ich meine wir haben jetzt hier sehr viele sozusagen der summa- rischen Katastrophen in den letzten fünfundzwanzig Jahre in Sachen Völker und Menschenrecht gehört.
00:58:07: Jetzt gerade sehr viele mehr werden auch noch erwähnt übrigens in dem Roman.
00:58:12: also es ist wirklich ein Insofern auch erschreckend zu sehen was in den Letzten fünfund zwanzig Jahren an abscheulichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf dieser Welt verübt worden sind.
00:58:24: Wir verdrängen sehr vieles, weil uns das nahe eigentlich dazu führt, die anderen Dinge ganz schnell aus dem Blick zu nehmen also Gaza oder auch die Ukraine.
00:58:40: aber wenn man sieht was in den letzten fünfundzwanzig Jahren passiert ist es eigentlich abscheulich im Grunde genommen.
00:58:47: Das ist wirklich schockierend, finde
00:58:48: ich.
00:58:49: Weiterhin passiert das.
00:58:50: Und weiterhin passiert natürlich gerade im Zudansee, Sie haben es erwähnt, gehen nur stags in die nächste humanitäre Katastrophe hinein oder sie sind schon drin eigentlich?
00:58:59: Ja
00:58:59: und ja und ich meine das Dilemma der UN also ihren aus einer großen Hoffnung heraus geboren mit Idealismus entstanden festgefahren in einem Konstrukt was seine Geburtsfehler hat und was eine Weltaufteilung des Jahres neunzehntfünfundvierzig widerspiegelt, die heute so nicht eigentlich nicht mehr akzeptabel ist.
00:59:27: Und wir sehen es natürlich im.
00:59:29: Ja.
00:59:29: ich meine das Drama der UN und Sicherheitsrats haben sie in den letzten Jahren sicherlich rauf und runter miterlebt.
00:59:35: also was passiert wenn ein UN-Veto macht Krieg führt?
00:59:39: Nichts passiert.
00:59:41: Genau!
00:59:45: die tragik eines der menschlichen hoffnung, die immer wieder von menschlichem vom menschlichen wieder sabotiert wird also Die die vorteile die sich die eine gruppe nehmen kann oder manchmal sind es ja auch einzelne aktöre die Das zusammenarbeiten von so vielen unterwandert und für frieden brauche es eigentlich alle für kriegbrauchs nur ein und das ist ein Gleichheit, die immer eigentlich leider zugunsten des Kriegs dann ausgeht.
01:00:21: Sehr sehr auf jeden
01:00:21: Fall.
01:00:22: Ja und wir erleben es auch gerade im Moment.
01:00:26: Ich würde Sie vielleicht, wenn Sie das möchten, mich überleiten zu Ihrem anderen Buch, den Sie uns mitgebracht haben nämlich den Reichskanzlerplatz.
01:00:36: da geht's um eine Transformation Deutschlands passiert ist und eine Transformation, deren Folgen eben auch nicht minder katastrophalen gewesen sind.
01:00:48: Nämlich den Aufstieg der Nationalsozialisten.
01:00:52: Wiesen Sie eigentlich auf die Idee für Fallen ausgerechnet sozusagen einen Roman über Magda Quant, Magda Goebbels zu schreiben?
01:01:02: Na ich habe mich also mit dieser Zeit hab' ich mich ja schon früher beschäftigt.
01:01:09: Wer beschäftigt sich, wenn man in Deutschland aufwächst?
01:01:11: Dann beschäftigten wir uns damit, glaube ich.
01:01:13: Sonst wächst man irgendwie mit seinem eigenen Paralleluniversum auf.
01:01:19: Aber die Frage nach dem Bösen ist ja auch etwas was in den Romanen eine gewisse Kontinuität hat und die Frage Sie ist ja nicht die einzige Figur, die in dem Roman wichtig ist.
01:01:40: Also mindestens der Ich-Erzähler ist sicherlich genauso wichtig.
01:01:44: aber diese gewisserweise ikonische Figur des Nationalsozialismus, die ein Frauenmutter ideal verkörpert hat was sie ja selbst nicht mehr gelebt hat eigentlich also hinter den Fassaden sah es dann doch anders aus.
01:01:59: und eine seltsame Vorstellung der deutschen Mutter die von der ich mir nicht ganz sicher bin, ob wir es wirklich schon ganz abgestreift haben oder ob es da immer noch Relikte gibt, die da irgendwas ein bisschen komisch wirken lassen.
01:02:18: Ich bin mir nicht sehr sicher.
01:02:20: Jedenfalls eine Frauenfigur, die in ihrer Genese auch immer wieder irritiert weil sie auch Ich finde viel zu bequeme Annahme, dass Menschen böse sind und dann Böse bleiben.
01:02:38: Und am Ende böse Sterben unterwandert.
01:02:40: Also ich will jetzt nicht sagen ... Ich hab sie nicht getroffen als sie sechs war.
01:02:46: Aber man kann sicherlich sagen, dass sie mit Anfang zwanzig noch keine fanatische Massenmörderin war.
01:02:54: Massen-MörderInnen sage ich insofern, möglich gemacht hat, dadurch dass sie ihren Teil in der Propaganda gespielt hat und das wissentlich.
01:03:04: Und diese Frau die in ihrer Jugend noch mit einem jungen Mann zusammen war oder jedenfalls in ihn verliebt diesem jungen Mann sogar nach Palästina folgen wollte, um mit ihm zionistisch ein israelischen Staat aufzubauen und dann einige Zeit später mit Josef Göbbels verheiratet ist.
01:03:34: Also das ist ja schon eine gewisse Spannbreite!
01:03:39: Und was mich in dem Roman auch interessiert, es waren einfach Nebenfiguren die Weimarer Republik und warum diese Republik so kläglich gescheitert ist Und so dann ja doch auch wirklich sehr schnell gescheitert ist und in diesen absoluten Abgrund gestürzt ist.
01:03:57: Ich finde, dass die Figur Magda Quantgöbbelt Ritschel Friedler-Naberen insofern interessant ist weil sie so kameleonhaft ist.
01:04:07: Weil man im Jahr neunzehnundzwanzig mit dem Blick auf Sie, mit Blick auf die Weimarer Republik ganz hoffnungsfrei sein kann!
01:04:16: liegt da eine gewisse Modernität in dieser Figur
01:04:18: vielleicht?
01:04:19: In dieser... Also es liegt in...
01:04:23: Also die Anpassungsfähigkeit als quasi Kardinaltugend der Moderne oder Tugenden.
01:04:30: Anfangs sagen aber eher als Schlüsselqualifikation für modernen
01:04:35: Menschen Ja ich weiß nicht, also ich glaube Frauen mussten sich schon immer anpassen.
01:04:40: Aber bei ihr ist sicherlich also eine etwas, was an ihr modern ist oder später modern gemacht wird.
01:04:49: Ist die Fähigkeit zu dieser medialen Inszenierung?
01:04:54: Dass das an ihr in gewisser Weise auch modern ist eine komische Form von Glaubensverlust nämlich eine Wetterwendigkeit.
01:05:08: Sie waren mal protestantischer, war sie mal katholisch.
01:05:10: Dann war sie kurz davor jüdisch zu sein und dann war sie buddhistisch.
01:05:13: Also die Nazi- und diese fernöstlichen Religion ist das nochmal ein Thema für sich aber dass sie da eigentlich nicht mehr wirklich einen festen Kern findet oder vielleicht auch nicht einmal mehr sucht.
01:05:27: Es ist so weit, es wird an einer Stelle gesagt sie wechselt eigentlich ihre Identität wie Masken.
01:05:35: Und das erinnert natürlich an Max Frisch, der die Kleidungsstücke wechseln.
01:05:45: An letzter Stelle tritt dann aber doch der Wunsch nach dem Missianischen und das findet sich dann dem Pseudomessias Hitler.
01:05:51: Aber jetzt sieht man auch bei Figuren, der littelt für eine neuen Sachlichkeit.
01:05:55: Also ich denke zum Beispiel an Josef Roth und Franz Tunder in Flucht ohne Ende, der nirgendwo sich mitten... wirklich mehr Verbindlichkeiten entwickeln kann.
01:06:08: Der bewegt sich über den ganzen Kontinent und am Ende steht er in Paris der Hauptstadt der Welt, so nutzlos wie er ein junger gesunder Mann war keiner auf der Welt.
01:06:20: Das meinte ich eben sozusagen dass eigentlich eine Einbefund des modernen Charakters ist.
01:06:26: der Verlust des Wesenskerns In der Hinsicht
01:06:35: ist sie das sicherlich.
01:06:40: Der Verlust des Wesenskans, dafür muss man erst mal die Vorbedingung der Moderne davon ausgeben, dass es einen gibt und individuell ist.
01:06:50: Es braucht ein Individualismus um das wieder zu verlieren.
01:06:56: zumindest so wie ich sie in dem Romanzeichen, natürlich genauso eine Figur die auch deshalb von sehr vielen Männern begehrt wird.
01:07:03: Weil Sie immer nur das widerspielt was dieser jeweilige Mann sehen möchte also den nazistische Selbstüberhöhung kann sie denen so gut geben weil sie gar nicht selbst entgegensetzen kann.
01:07:14: Also sie konfrontiert mit nichts außer mit dem idealisierten Selbstbild des jeweiligen Mannes und da hinein steigert sich dann natürlich auch In ihrer Hinwendung zu Goebbels, in ihrer Hinwendung zu Hitler und in ihrem letztlich Fanatismus der einzige Glaube ist er noch für sie passen kann.
01:07:34: Also eben nicht mehr ein transcendenter Glaube sondern ein fanatischer hier-und jetzt entgrenzter Glaube.
01:07:47: Absurde Essentialismus statt einer eines Transcendenten, glauben Sie oder?
01:07:52: Ja.
01:07:53: Und es hat natürlich auch diese Verlagerung von transcendenten Hoffnungspotenzialen ins jetzt erleben wir ja aktuell auch wieder.
01:08:05: also wenn sie sich zum Beispiel in den USA gibt's jetzt ja einige prominente Neukatoliken.
01:08:14: aber Also wenn sie sich beispielsweise bei Peter Thiel oder Elon Musk, der glaube ich noch nicht zu den Neukatoliken gehört.
01:08:22: Aber warten wir mal ab.
01:08:23: Anschauen was die über Unsterblichkeit gerade sagen, hoffen wollen und das ist dass die Unsterbligkeit für die wenigen, die sich das leisten können aber eine natürlich absolute Immanente, also eine innerweltliche Unsterklichkeit Die bestimmte religiöse Grund Hoffnungen Ins hier und jetzt wendet.
01:08:47: Und damit natürlich hochproblematisch machen, höchst gefährlich.
01:08:57: In vielerlei Hinsicht per fides Menschenbild schaffe ich meine Petatiles René Girard.
01:09:02: Exegese ist ja auch eigenwillig.
01:09:04: Nur getoppt noch von der Augustinus-Exegese von JD Vance!
01:09:08: Aber bei manchen Dingen ist es ganz gut, wenn man sie im Himmel
01:09:17: lässt... Das auf alle Fälle, bei die Giragexigese von Peter Thiel ist es wirklich hochgradig merkwürdig.
01:09:29: Der Opfer möte es bei Girard.
01:09:31: Bleibt sozusagen als eine Tanz-Dendel-Figur, der lässt sich nicht wirklich realisieren.
01:09:37: Der Sündenbock ist nicht politisch instrumentalisierbar bei Girar.
01:09:44: Also das ist nicht wirklich kompatibel.
01:09:48: und was aber hier gemacht wird, ist dass im Instrumentalisiert mit Blick auf bestimmte gesellschaftliche Gruppen und das ist ganz fatal!
01:09:57: Und ich war da am Ende, der ökonomische Monopolist, der dann in einer Imitatio Christi agiert.
01:10:06: Was ich glaube nicht im Sinne von Shiran.
01:10:09: Auch das nicht?
01:10:10: Peter Olmaiti hat, glaube ich, Shiran nicht im Sinn gehabt.
01:10:16: Ja okay, wollen Sie uns daraus noch etwas lesen?
01:10:18: Das wäre wirklich wunderbar.
01:10:20: Grund der fortgeschrittenen Zeit lese ich vielleicht etwas kürzer als ursprünglich mal angeguckt eben gegenüber angekündigt, das hätte ich jetzt auch gar nichts sagen müssen weil sie wussten ja gar nicht dass es länger gedacht war.
01:10:35: Im Oktober folgte auf Makdas Ehe-Krise die Krise der Wirtschaft.
01:10:39: also wir sind in den mittigendigen zwanziger Jahren.
01:10:44: Hans, der Icherzähler Hans Kesselbach und Magda Quant sind geliebte aber magda quant ist wie Sie am Nachnamen hören mit einem Herrn Quant verheiratet.
01:10:56: Die Kinder und Enkel werden dann später BMW in die heutige Zeit hineintragen.
01:11:03: Im Mai wurden Günther Quant Fotos vorgelegt, der private Detektiv für ein üppiges Honorar geschossen hatte.
01:11:09: Und Quant legte sie am Abendmarkt davor.
01:11:12: Sie sahen die Bilder aufmerksam und ungerührt durch wie man etwas betrachtet des einem vollkommen alltäglich ist.
01:11:19: Dann fragte sie Quant ob er hier einen Taxi rufen könne.
01:11:24: Sie machte mir keine Vorwürfe als ich sie in der Wohnung ihrer Mutter besuchen kam jedenfalls nicht offen.
01:11:29: Dabei war ich es, den die Fotos an ihrer Seite zeigten und sie sollen eindeutig gewesen sein.
01:11:35: Vom Flur bis in den Salon standen Kartons- und Strankoffer herum, in denen Quant ihr die Garderobe und persönlichen Dinge nachgeschickt hatte.
01:11:43: Magda wirkte erschöpft nicht alt eher von einer fahlen Alterslosigkeit wie sie sonst nur die Toten in unseren Träumen zeigen.
01:11:51: Sie war eine der feinsten Damen der Berliner Gesellschaft gewesen Und nun lebte sie wieder wie als Dreizehnjährige im Transit zwischen Kartons und ungewisser Zukunft.
01:12:01: Auch wenn Augustus Wohnung so viel weitläufiger und ansehmlicher war, als das Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft – so sei es doch schlimmer als damals meinte sie!
01:12:08: Denn jetzt müsste sich noch das Recht erbetteln, ihren eigenen Sohn zu
01:12:11: sehen.".
01:12:14: Sie war beim Anwalt gewesen, ihre schwierigeren Allo hat ihr dazu geraten.
01:12:17: Der beste Scheidungsanwalt von Berlin sagte Magdau nicht einmal Er macht mir Hoffnung.
01:12:22: Was kann ich tun?
01:12:24: Und sie gab zurück, Sie könne eh niemand vor dem Beschützen was kommen.
01:12:28: Sie räumte Tassen auf ein Tablett und vom Tablett wieder auf den Tisch und dann fiel ihr eine zu Boden und zerbrach.
01:12:34: Unfähig sie aufzuheben oder wenigstens mich darum zu bitten, blickte Magda hinunter und klammerte sich an der Stuhlähnende fest.
01:12:43: Ich war es schließlich dass ich auf die Idee mit den Briefen brachte.
01:12:47: Wenn man einige Zeit in den Pensionen an der Bülowstraße ein- und ausgeht hört man einiges über die Unsinnlichkeiten der Stadt und bekannte Namen dreimal als Erster an die Oberfläche.
01:12:58: Quant hatte mit einer Dame Umgang gehabt, mit der kein Vorsitzender eines börsennotierten Unternehmens in einem Satz genannt werden möchte.
01:13:06: Das sagten mehr über die Börse als über die Dame aus.
01:13:08: aber dennoch ich erzählte Magda davon – mehr nicht!
01:13:12: Sie wusste selbst was sie tat.
01:13:16: Ihr eigener Wagen schien ihr zu auffällig.
01:13:18: so fuhren wir mit dem Erzähl des seines Bekannten die leuchtenden Kiefernspaliere des Grunewalds entlang bis zum Gribnizsee.
01:13:25: Ich parkte gut hundert Meter entfernt und wartete mit Blick auf die Baumkronen.
01:13:30: In der Villa hatte Quant ein Hausverbot gegen sie verhängt, aber Magda hat es immer verstanden, ihren Charme einzusetzen.
01:13:36: Keine Heilbestunde dauerte es, da stieg sie mit einem Stapelkuvers wieder ein.
01:13:41: In seiner Schreibtischuplade sagte sie, man möchte nicht glauben dass er Verführer der deutschen Wirtschaft so naiv ist.
01:13:49: Sie überflugt die Briefe und während ich sie zurück über die Awus Richtung Charlottenburg chauffierte lasse mir kurze Stellen daraus vor.
01:13:57: Ich glaube nicht, dass sie Rachsucht higte und ganz sicher keine nostalgischen Gefühle.
01:14:02: Sie errechnete nur was es brauchte um sich den Unterhalt für ein Lebensstil zu sichern – und ihren Sohn zu sich zu holen!
01:14:09: Es war ein Geschäft nichts anderes.
01:14:12: Und auch wenn Quant gekränkt sein mochte verletzt sogar so hatte doch gerade eher in Menschen selten mehr als den Posten eines Geschäfts gesehen.
01:14:22: Insgeheim mochte er bis zuletzt geglaubt haben die Ehe-Krisezöge noch einmal vorüber.
01:14:27: Noch nach dem nächsten Anwalstermin nahm er den Betrug hin.
01:14:29: und will ich dir in die Scheidung zum Markt das Bedingungen ein.
01:14:33: Eine einmalige Zahlung von fünfzigtausend Mark, danach viertausende Mark monatlicher Unterhalt.
01:14:38: Eine Köchin, ein Hausmädchen – und Harald würde die ersten Jahre zu seiner Mutter ziehen!
01:14:43: In eine von Quanz Wohnungen, sieben Zimmer am Reichskanzlerplatz.
01:14:48: Die Wohnung lag im Ersten Stock, die beiden Balkone von verschämten Kariatiden flankiert.
01:14:53: Tags fiel durch die hohen Fenster das Licht in die Räume und abends gaben sie warmes Lampenlicht wieder heraus.
01:15:00: Bald wussten alle am Platz von der schönen Frau Quandt, und wenig später sprachen sie von dem Gebäude nur noch als Haus der Quandt – die anderen Bewohner verschwanden in der Namenlosigkeit!
01:15:12: Es war ein herrschaftliches Domizil und das Erste, dass Magda selbst eingerichtet hat.
01:15:17: In meiner Erinnerung gehe ich nochmal durch die Römer, die Schiebetüren gleiten beiseite.
01:15:21: Ich schalte die Kleine mit fransenbetreste Lampe an und setzte mich an den Flügel.
01:15:27: Kaum, dass ich zu spielen beginne, belebt sich der Salon.
01:15:30: Frauen in festlichen Kleidern haben sie auf dem Fotoi niedergelassen und Herren flanieren mit angeheitert staatstragender Mino umher.
01:15:38: Jemand öffnet ein Fenster, um die von Zigarettenrauchsticke geluft zu erfrischen – und wir hören denen um den Platz kreisenden Verkehr!
01:15:47: In einer Ecke steht der Österreicher.
01:15:50: Seine Mine ist nicht so düster wie auf den Plakaten.
01:15:52: Er lauschte aufmerksam der Musik, tritt einen Schritt näher und blickt mir über die Schulter auf die Finger.
01:15:58: Schubert, sage
01:15:59: ich.".
01:16:01: Es geht zu Herzen", antwortet Hitler.
01:16:09: Am letzten Abend im August besuchte Magde eine Wahlkontgebung um Sportpalast.
01:16:13: Und obwohl meine Wohnung um die Ecke lag, kam sie danach nicht mehr bei mir vorbei.
01:16:18: Sie sei müde gewesen, sagte sie als ich sie zwei Tage später zum Abendessen traf aber ich spürte das es etwas Grundsätzliches war.
01:16:25: Ich hatte kein Indiz und keinen Namen.
01:16:27: Sie berichtete nicht einmal viel von der Veranstaltung, doch sie wirkte als hätte ihr jemand neuen Atem eingehaucht.
01:16:34: Ich lachte, als sie mir erzählte, sie sei in die Partei eingetreten und schlug ihr vor, die Kapitalisten umgehend zu enteignen und gleichbar sich selbst anzufangen.
01:16:43: Sie verstand nicht was daran lustig sein sollte und ich verstand nichts, was sie von diesen Leuten wollte.
01:16:48: Sie sind doch gegen die Kommunisten sagte sie!
01:16:51: Sie sind gegen alle, sagte ich – Alle, die nicht genauso sind wie sie.
01:16:54: Nach ihrem ersten Treffen bei der NS-Frauenschaft wirkte sie klein lauter Und ich triumphierte bereits.
01:17:03: Es waren keine Damen, auch keine Gattinnen, erzählte sie, sondern einfach nur Ehefrauen.
01:17:08: Verheiratet mit Hausmeistern und kleinen Büro Angestellten, wuschen sie in den Hinterhöfen von der Sonne weggesperrt Wäsche, erzogen Kinder und schimpften auf Menschen wie Magda.
01:17:18: Von ihnen wurde sie nicht hoffiert wie im Preis um Prinz Awi, sondern mit Miskons beäugt – und ich dachte Sie würde bald die Lust verlieren und zur Besinnung kommen!
01:17:28: Aber Magda ließ sich nicht von der Idee abbringen eine Nationalsozialistin zu sein….
01:17:33: Als sie einige Monate später auch noch anfing für den Gauleiter des Privatarchiv zu ordnen, stellte ich Sie zur Rede.
01:17:40: Sie stritt so vehement ab diesen Kerl nachzulaufen dass sich hier auf dem Kopf zusagte, sie habe sich in ihn verliebt.
01:17:46: Wenn so jemand könne sie sich nicht verlieben sagte sie.
01:17:49: Sie war empört wie man es nur sein kann wenn man selbst von der Anziehung überrumpelt ist.
01:17:55: Die Abstände zwischen unseren Abendessen wurden länger und die gemeinsamen Ausflüge sagte sie immer wieder wegen Regen ab.
01:18:00: Und wurde es nicht häufiger regnete als in den vergangenen zwei Jahren?
01:18:05: Über Weihnachten fuhr sie mit Harald zu ihrem Ex-Mann, der krank in Florenz lag und danach blieben Sie zu dritt für ein Urlaub in St.
01:18:11: Moritz.
01:18:12: Als sie im Januar zurück nach Berlin kamen hatten wir uns über einen Monat nicht gesehen.
01:18:16: Trotzdem hatten weder sie noch ich eile ein Treffen vorzuschlagen Und im Februar meinte sogar sie Miede ist mir zu begegnen.
01:18:24: Es hätte ein stiller Bruch sein können wie er vorkommt zwischen zwei Menschen die sich nie so sehr geliebt haben.
01:18:30: Zuerst vermisst man noch die Bewohnheiten und das, was alltäglich geworden ist scheint ein letztes Mal besonders.
01:18:37: Dann wird man von etwas neuem abgelenkt und lässt das Alte endgültig los.
01:18:43: Hin-und wieder spazierte ich vom Liedsensee die neue Kantstraße hinauf oder fuhr über den Reichskanzlerplatz obwohl es eigentlich nicht auf meinem Weg lag.
01:18:52: Ich hatte nicht vor sie zurück zu gewinnen aber ich hatte auch nicht genug vor mich von ihr fernzuhalten.
01:18:57: Es war in einem dieser Tage als ich ihn an Magdas Seite aus dem Haus treten sah.
01:19:02: Er wirkte kleiner als sie und etwas Starres lag in seinem Gang.
01:19:06: Es mag sein, dass er so das Hinken kaschierte über das die Zeitung gern schrieben.
01:19:12: Mit ein wenig Abstand ging ich ihn nach und als sie ein Restaurant betraten las sich erst die außen angeschlagene Karte um Zeit zu schinden, ehe ich ihnen folgte und mich abseits einer Ecke setzte.
01:19:23: Über den Avantenspiegel konnte ich es beobachten.
01:19:26: der Gauleiter schnitt mit seinen dünnen Fingern durch die Luft und magte hörte ihm zu.
01:19:31: Ein seltsamer Glanz lag in ihrem Gesicht.
01:19:34: Sie war nicht einfach nur verliebt in diesem Mann und ich habe erst später Worte dafür gefunden.
01:19:38: Mit ihm glaubte sie, einen Himmel aufzusteigen und alles darunter überließt sie der Hölle.
01:19:45: Eine elegante Dame ging an ihrem Tisch vorbei ohne den Gaulalter zu beachten und er bemerkte so laut dass sich es hören konnte das Kalbsbrie sei heute wohl zu sauer angebraten.
01:19:56: In diesen Moment fragte ich mich und ich frage es mich eigentlich noch heute warum mag da sich über Jahre in die obersten Kreise hoch gekämpft hatte Nur um all das für ein Habe nichts ohne Manieren hinzuwerfen.
01:20:07: Für ein mittelmäßig promovierten Rüpel, einen schlecht gekleideten Junggesellen!
01:20:12: Sie musste sich über alle Jahre an Quantseite von der hohen Gesellschaft gedemütigt gefühlt haben wenn auch anders als ihr Begleiter, an dessen Seite sie nun die Reichen verachten lernte.
01:20:23: Als sie mich überrascht im Spiegelglas Ansah erhob ich Mich und Draht zu ihnen.
01:20:28: Der Gauleiter musterte Mich herablassend Aber ich hielt mich so aufrecht vor ihm, wie ich es in der Kaserne gelernt hatte und allmählich dämmerte ihn, in welchem Verhältnis sich zum Akte stand.
01:20:40: Es fielen einige unschöne Sätze die ich nicht wiederholen möchte.
01:20:43: Er musste ja laut sein weil man ihn sonst über sah.
01:20:46: Er war polemisch, er rochnach zu Firasierwasser und er suchte seinen Gegenüber nach Schwächen ab um sie selbst dortzufinden wo keine waren.
01:20:55: Lulu hatte Ruscht getragen und sich auf exaltierte Bewegungen verstanden aber künstlich war er nie gewesen.
01:21:01: Dieser Mann war es und ich glaube, das war für ihn wie ein Überlebenstrieb.
01:21:05: Weil darunter nichts mehr lag.
01:21:08: Seine Intelligenz schien mir die sperrlichen Gefühle für andere Menschen aufgefressen zu haben.
01:21:13: Von anderen habe ich gehört schön Frauen gegenüber können er charmant ja liebenswürdig sein aber Ich kann mir seinen Charme nur als Kalkül sein wird's nur als Zynismus vorstellen.
01:21:25: Er musste sich über alle erheben weil er sich selbst so unerträglich nicht dich fühlte.
01:21:31: Eigentlich kann ich nicht viele Ben sagen.
01:21:33: Natürlich würde ich gern behaupten, dass ich vorausse, was noch kommen würde.
01:21:38: Aber ich bin nicht klüger als die
01:21:39: anderen.".
01:21:40: So wie Magda später in ihm den Teufel nur deshalb erkannte, weil er das Interesse an ihr verlor, so durchschaute ich in diesem Moment seine Niedertracht bloß, weil ich für ihn sitzen gelassen worden war.
01:21:52: Ich musterte ihn mit dem böswilligen Blick des Gekränken und hörte Magda durch den Lärm des Restaurants mir von meiner Freundschaft und Treue danken.
01:22:00: Hörte, wie sie mir versprach mich in guter Erinnerung zu behalten!
01:22:04: Gute Erinnerungen sind der Groschen, den wir jeden schenken für die uns unsere Gegenwart zu schade ist.
01:22:11: Magda Braach mit mir.
01:22:12: das war abzusehen gewesen.
01:22:14: sie hatte sich ein etwas größeres gebunden etwas dass ihre Langeweile endlich durchschlug.
01:22:20: Liebe das habe ich an diesem Nachmittag begriffen ist nicht so unschuldig wie wir gern meinen.
01:22:26: oder um genau zu sein Wir werden nicht unschul dich nur weil wir lieben.
01:22:29: hingebungsvoll aufopfernd besitz ergreifend vielleicht im Rausch Von einem Kellner ließ sie mich aus dem Lokal führen.
01:22:39: Das war folgerichtig.
01:22:42: Makter blickte zu Boden, ihr lachen klar und strahlend.
01:22:47: Sie wirkte glücklich in diesem Moment Und je länger ich an ihren Ausdruck denke, desto deutlicher erkenne ich ihn wieder.
01:22:54: Verliebt?
01:22:55: Zu oft verlassen?
01:22:57: Sicher nicht blind!
01:22:59: Auch wenn man das von Verliebten sagt Nur müde zurückzustecken.
01:23:04: Sie war wie diese Stadt Wie die Frauen in den lichtlosen Hinterhöfen Und wie die reichen Jungen auf den Terrassen am Gribnitzsee.
01:23:13: Wie Quant und wie Helmut, wie Karl und auch wie ich.
01:23:20: Wir wollten geliebt werden – das war alles!
01:23:23: Und wir hatten entsetzliche Angst allein zu
01:23:25: sein.".
01:23:53: Ach so, Fragen.
01:24:01: Entschuldigung!
01:24:03: Ich fange mal an mit dem digitalen Raum damit wir die nicht über den Tisch fallen lassen.
01:24:10: Da mache ich drei Fragen in Gruppenaussage.
01:24:13: jetzt mal.
01:24:13: zwei Fragen sind etwa singulär und die dritte da gibt es mehrere Fragen dazu und ich hoffe ich fasse sie einigermaßen zusammen.
01:24:22: Da geht's darum wie sich die Schutzzone Der Begriff Schutzzone, Schutzraum bis sich die innere Topografie des Nichtortes zu den moralischen Restspannungen der Erzeilinstanz verhält.
01:24:37: Es geht weiter mit.
01:24:38: ist diese Reibung intendiert oder ein Effekt der narrativen Selbstentgrenzung?
01:24:43: Das ist meine Frage, ich mag gern schriftlich vor die Nase!
01:24:47: Ja das verstehe ich gut im übertragenen Sinne metaphorisch zu verstehen, wie sieht die in echt aus und wie verhalten sich diese Begriffe zueinander?
01:24:56: Wie verschwimmt das vielleicht auch.
01:24:58: Also der Begriff Schutzzone... Ich bin aufgewachsen in einer Zeit an der Begriffsschutzzone bereits oder zumindest in der Zeit als ich soweit herangewachsen war, dass ich Nachrichten mitgekriegt habe.
01:25:11: In der Begreif-Schutzzone schon sehr kaputt war Weil es ja gerade die UN-Schutzzonen war, in denen eben in den neunzigern Jahren auch Menschen umgekommen sind.
01:25:23: Und diese Schutzzonen eben das nicht gehalten haben was sie versprachen.
01:25:28: und in dem Roman geht es sowohl im politischen wie aber auch im privaten um genau diese kaputten Schutzzone also die Schutzzone die keinen Halt mehr versprechen Und trotzdem natürlich eine Sehnsucht danach sind und teilweise sogar die Fallen sind, in die Menschen hineingeraten.
01:25:58: Ein wirklich tragisches Beispiel heißt nicht Schutzzone sondern... Es gibt eine Kirche in Ruanda, in die Menschen sich hinein geflüchtet haben.
01:26:08: Was man ja sicherlich als nicht im UN-Sinn, aber natürlich als eine Schutzzone annimmt und zumindest ein Ort vor dem doch zumindest Täter vielleicht zurückschrecken.
01:26:18: Und dann wurde diese Kirche angezündet und die Kirche war dann genau so eine Falle.
01:26:23: Also damit arbeite zumindest der Roman mit diesem Begriff.
01:26:29: also alle Begriffe wie eben schon auch schon Frieden haben immer Ihre Doppelbürdigkeit, wenn nicht sogar eher die Falltür darunter.
01:26:40: Eine weitere Frage, die ich noch stellen möchte bevor ich Ihnen den Saal übergebe ist eine sehr allgemeine nämlich Wenn Sie ein bisschen aus dem Nähekästchen plaudern wie funktioniert das mit einer Themenfindung Themenwahl?
01:26:54: Wie sieht der Rechercheprozess aus?
01:26:56: Wie schreiben sie?
01:26:57: könnten Sie da ein bisschen was zu erzählen?
01:26:59: Schreiben, das geht ganz einfach.
01:27:01: Das ist morgens von sieben bis zwölf aber nicht durchgehend.
01:27:05: Manchmal lese ich dann auch und gucke manchmal auf mein Handy muss ich zugeben Aber eigentlich ist es recht überschaubar.
01:27:13: Also um zwölfe gibt's da Nachrichten Da ist vorbei Nachrichten- und Mittagessen Und im Winter ist es auch manchmal ein bisschen früher als sieben Im Sommer manchmal ein bißchen später.
01:27:22: aber so Es ist recht schlicht Und Themenfindung, das ist glaube ich keine, die ich irgendwie aktiv vorantreiben könnte.
01:27:31: Ich wünschte es wäre so.
01:27:33: Sondern es sind Themen, die mich über längere Zeit beschäftigen und umtreiben.
01:27:38: Und einige davon eignen sich für Romane, andere eignent sich für Gedichte.
01:27:42: Dritte vielleicht für ein Zeitungsartikel oder eben für ein persönliches Gespräch oder so.
01:27:47: also... Die Konflikt, also ich glaub' ich brauch einen Grundkonflikt den der Sprache, die mir zur Verfügung steht und auch mit dem biografischen Resonanzraum den ich habe bearbeiten kann.
01:28:07: Und ja ein Konflikt, der sich über eine gewisse Zeit festsetzt.
01:28:17: also ich hab selten dass ich einmal Schnipse und ein Thema habe.
01:28:22: das finde ich interessant und dann sieht sofort der Roman daraus.
01:28:26: also das eher nicht.
01:28:29: Ich habe eine Frage, weil wir hier in einer Tagung über Transformation sind und vielleicht in der katholischen Akademie auch ein bisschen über Hoffnung.
01:28:38: Sie haben von der UNO gesprochen.
01:28:41: würden sie sagen dass die UNO neben Alten Schrecklichen und Unfägen irgendetwas Positives auch sagen wir?
01:28:48: das hätte ich gern gehört.
01:28:50: und D würden sie Welche Lösungen sehen Sie, leben all dem Negativen?
01:28:55: Was Sie aufzeigen und toll schildern.
01:28:58: Sehen Sie da irgendwelche Möglichkeiten die ohne zu transformieren wie Einstimmigkeit zum Beispiel zu ändern?
01:29:05: dann würde ich eben von Ihnen ein bisschen was Positives hören.
01:29:11: Ja ich finde es in der heutigen Zeit schwierig also bin da eher fürs positive immer nicht so geboten.
01:29:17: aber natürlich also Es gibt sehr vieles das man Gutes über die UNO sagen kann.
01:29:22: Ich glaube auch, dass die Welt ohne die UN schlechter wäre als sie ist.
01:29:26: Und das ist eben das Problem mit großen Institutionen.
01:29:30: Wir sehen es ja auch bei der Kirche, dass natürlich Transformation schwierig sind insbesondere dann wenn es privilegierte Position von einzelnen Akteuren beschneiden würde.
01:29:45: Also sagen Sie jetzt mal, dass das offensichtlichste Beispiel diese Veto macht im UN-Sicherheitsrat die Veto-Mächte müssten sich selbst eigentlich entmachten und das tun schon in viel kleineren Dimensionen Menschen ganz selten.
01:30:02: Jetzt haben wir gerade auch Präsidenten Ich würde mal sagen bei drei dieser Veto-Mächte, die auch nicht dafür bekannt sind dass sie ihre Privilegien besonders gerne schnell abgeben.
01:30:16: Aber natürlich sind Dinge möglich und natürlich glaube ich ist das was im Kleinen passiert also zum Beispiel jetzt die Verhandlungen zwischen den USA und der Ukraine nach diesem etwas bizarren der jetzt von Trump oder doch irgendwie eher von einer russischen Zwischenhandelsstufe erstellt wurde.
01:30:42: Ich glaube es ist nicht zufällig, dass die in Genf stattfinden also bestimmt ein Ort, indem es eine Kultur des Dialogs gibt, in dem zerstrittene Parteien zusammenkommen und vielleicht auch jenseits der Weltöffentlichkeit überhaupt erstmal ins Gespräch kommen.
01:30:59: Also das ist ja etwas was noch ein Krieg beendet und noch nicht Probleme endgültig löst, aber was natürlich überhaupt erst mal eine Grundlage bringt.
01:31:11: Und das ist etwas gerade bei Konflikten die nochmal kleiner sind auf denen nicht so viele Menschen schauen, was häufig unterm Radar bleibt.
01:31:19: Dann gibt es auch sehr viel engagierte Mitarbeiter der UN.
01:31:24: Es gibt auch Idealismus.
01:31:26: also ich glaube die Tragik Das Menschen auch daran zerbrechen, dass sie sehen das ihre Arbeit ins Nichts läuft oder und dann entweder wirklich innerlich zerbrechen oder sich dann sagen so ich muss hier raus.
01:31:40: Ich muss mir irgendwie bleibt doch irgendwie in Deutschland und sucht mir da irgendwas Überschaubares.
01:31:45: also genau das waren wir mit Sarah mit dieser Figur die er sagt ja was soll ich denn machen?
01:31:51: Soll ich irgendwie zu Hause bleiben und Öko Gemüse anbauen?
01:31:53: habe ich damit irgendwas geschafft?
01:31:55: und ich glaube Ich bin schon eine große Befürworterin der Vereination, dieses Grundidee auf jeden Fall.
01:32:04: Und die Tragik bleibt, dass diese große Versprechung und diese große Hoffnung immer wieder scheitert.
01:32:13: Aber hätte man weniger Hoffnungen beim Gründungsmoment gehabt, wäre es vielleicht weniger gescheitert.
01:32:20: aber sollen wir nicht auf Frieden hoffen?
01:32:22: nur damit wir nicht scheitern in unseren Hoffnung?
01:32:24: das ist ja auch kein Weg.
01:32:27: Aber ich höre jetzt eben schon heraus, die UN ist begrenzt und es vielleicht wirklich auch eine Organisation aus der Zeit fünfundvierzig.
01:32:39: Und was da alles passiert ist, die aber jetzt zum Halbwert irgendwie überschritten hat oder?
01:32:44: Also dass ich hörauß bei Ihnen das nach etwas Neuem ruft.
01:32:51: also wir sind eben auf dieser Tagung Transformation Die ist doch auch irgendwie ein bisschen so ein zahnloser Tiger und wir brauchen was anderes, etwas Neues.
01:33:00: Keiner weiß noch so richtig was es sein müsste aber dieses Gelarbeiter und dann an den entscheidenden Punkten passiert nichts.
01:33:08: das hat man jetzt auch langsam satt.
01:33:10: Und also wir kommen das jetzt so mit ihren Lesungen und den Beiträgen.
01:33:16: Da kam mir das ganz stark vor tolle Sache an, aber es kommt aus dem Jahr nineteenundvierzig ist lange her.
01:33:23: Jetzt haben wir ganz andere Bedingungen.
01:33:28: Das Problem ist natürlich auch die UN immer nur so gut wie ihre Mitglieder.
01:33:33: Und wir im Moment in einer Krise des Multilateralismus sind und wir wieder zurückfallen, in nationale Bestrebungen.
01:33:42: Abschottungstendenzen sich raushalten, sich also natürlich so bestimmte Ideen die man hatte Wandel durch Handel und sowas ist auch eher Nord Stream II jetzt nicht so unbedingt paradeartig vorgeführt das Wandel Durch Handel funktioniert.
01:34:00: Also Naja, jedenfalls hat sich die falsche Seite vielleicht gewandelt.
01:34:04: So könnte man es vielleicht formulieren oder die richtige Seite zum Falschen wie auch immer.
01:34:10: das heißt bestimmte Hoffnung einer multilateralen auf Frieden hin sich wandelnden Welt sind gerade an ihrem Tiefpunkt und mit Menschen wie Trump Putin daran interessiert, ihre Macht dafür einzusetzen dass wir jetzt eine neue Organisation bauen die viel besser ist als die UN.
01:34:38: Also ich meine der Völkerbund ist noch viel schneller klicklicher gescheitert und ich glaube wir müssen im Moment sehr sehr an der UN festhalten weil das was die Leute die gerade sehr sehr viel macht haben aufbauen würden.
01:34:52: das wäre ganz gar nicht friedensschriftend.
01:34:59: Und das Problem ist aber auch, was wir haben.
01:35:01: Ist eine extreme Unterfinanzierung der UN?
01:35:04: Also die Zahlung von den Mitgliedstaaten.
01:35:08: und da gehört... Die USA sind Hauptgeldgeber.
01:35:14: Trump zahlt ein bisschen nach Menü oder nach Allerkart.
01:35:20: Er nimmt sich dann so drei Gerichte raus, die ihm passen eigentliche Grundunterstützung, die von den USA immer kamen.
01:35:29: Die bröckelt.
01:35:30: China ist auch zurückhaltend weil wenn die einen nicht zahlen dann auch die anderen nicht.
01:35:34: Deutschland ist mit der Zahlung auch rückläufig weil eben die Krisen stapeln sich und man muss plötzlich braucht das Geld an anderer Stelle.
01:35:45: also wir haben es wirklich mit einer Grundauf mit einer Krise des Multilateralismus zu tun eines Einstehens für globale Verantwortung.
01:35:58: Und mit dem Ende einer Fahnenstange, die sowieso schon eine falsche Richtung wies, als ich glaube dass die europäische Afrika-Politik sehr lange schon wenn überhaupt jemals besonders gut war weil sie letztlich nie ganz so eine koloniale Prostkolonial ist auch wieder ein falscher Begriff dafür.
01:36:19: Aber so eine restkoloniale Überheblichkeit nie ganz abgeworfen hat und man kam dann immer so, wir sind jetzt die White Saviors, die Helfer aber man hat nicht richtig auf Augenhöhe verhandelt.
01:36:30: und jetzt wo man die seltenen erden braucht weil china die vielleicht nicht mehr ganz zuverlässig nach deutschland liefert.
01:36:36: Jetzt kriegt man es vielleicht mal hin auf augenhöhlen zu reden, weil man plötzlich merkt die gegenseite ist schon auch ziemlich wichtig und die ist nicht einfach nur ein hilfsbedürftiger krankenfall wo wir mal großherzig wie die beim herzigen samarit da vorbeigeritten kommen.
01:36:52: Das ist aber viel zu spät passiert.
01:36:53: Also ich glaube, da sind sehr viele Problematiken die sich ineinander verzahlen.
01:36:58: Aber ich habe heute in einem Sammelbahn von Habermas reingelesen aus dem Jahr neunzehntneunundsiebzig.
01:37:02: wenn man die Texte liest könnte man sie eins zu eins wieder abdrucken weil letztlich die also Krisen beschrieben werden mit den gleichen Worten mit denen wir heute krisen beschreiben.
01:37:13: und wenn man sagt die Welt es aus den Fugen darf man sich auch immer fragen wann war sie denn je in den Fuggen?
01:37:20: Das ist Shakespeare, das ist aus den Fugen.
01:37:24: Aber ich denke was man eben nicht sieht ist dass es irgendwie eine Organisation oder eine Organisationsstruktur eine Form gäbe, die am Horizont erscheinen würde, die die UN ersetzen könnte.
01:37:39: Wir haben im Moment glaube ich – was wir auch jetzt bei der letzten Koppe gesehen haben – Initiativen, die in Tessen geleitet sind von dann auch einigen Willigen, die uns sagen okay, wir müssen schauen dass wir die Maßnahmen schneller umsetzen als in dem Abschlusspapier verkündet also schnell einen Ausstieg aus den Fusilen und dann eben sich eher Koalitionen finden.
01:38:02: Aber im Blick auf das Völkerrecht gibt es keine andere Institution, die in irgendeiner Art und Weise, also die ja in der Zukunft irgendwie sich konstituieren würde, die die UN ersetzen könnte.
01:38:16: Also ist das sehe ich nichts!
01:38:19: Und wenn sie eine gäbe, Gnade uns Gott, denn es ist eine Institution die von den hegemonialen Mächten geführt wird und bestimmt wird.
01:38:35: Ja dann bin ich so frei dass ich am Ende nochmal das Wort ergreife, ich bleibe jetzt einfach sitzen!
01:38:40: Ich danke Ihnen beiden für dieses anregende vielschichtige Gespräch wo jeder bestimmt auch nochmal an eigenen Punkten anknüpfen kann und wir vielleicht morgen in den Tagen auch noch mal gemeinschaftlich.
01:38:55: Ich freue mich, dass Sie sich bereit erklärt haben, noch zu signieren und wie gesagt alle die Einladung auf ein Gläschen Wein, auf ein Stückchen Brot und auf die Fortsetzung dessen was gerade in Ihrem Kopf vielleicht noch stattfindet.
01:39:10: Einen schönen Abend!
01:39:11: Vielen Dank.
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