Marita Krauss: Ludwig I. von Bayern - Prägungen, Konzepte und Politik eines katholischen Herrschers

Shownotes

Tiefe Gläubigkeit prägte lebenslang das Wertesystem von König Ludwig I. Sein Glaube bildete für ihn keinen Gegensatz zu seinen Freiheitsidealen. Seine Biografin Marita Krauss erläutert in diesem Video, dass seine liberalen Ideen von Beginn an neben seinem Wunsch standen, die katholische Kirche zu fördern. Er wollte, so die Kernaussage der Veranstaltung vom 16. Oktober 2025, seit seinem Regierungsantritt 1825 Fortschritt und Tradition versöhnen, was vielen Zeitgenossen aber als nicht lösbarer Widerspruch erschien. Ludwigs Klostergründungen und seine katholische Politik stießen auf scharfen Widerspruch der Liberalen und die zunehmende Rekatholisierung Bayerns verärgerte die evangelischen Bürger im Königreich. 1848 trat der König zurück, weil er seine Politik nicht mehr durchsetzen konnte.

Den Vortrag über Ludwig I. von Bayern hielt Marita Krauss am 16.10.2025 in der Katholischen Akademie in Bayern.

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00:00:03: Ich begrüße Sie herzlich und ich freue mich sehr, dass ich da bin.

00:00:06: Ich bemüh mich jetzt heute einen Vortrag zu erhalten der sie hoffentlich auch nicht nur irgendwie über Ludwig informiert sondern auch wie soll ich das nennen?

00:00:16: ihnen auch Vergnügen macht.

00:00:17: denn ich muss sagen diese Biografie war zwar ein dickes Brett aber sie war wirklich aufregend sie zu schreiben.

00:00:24: also insofern freue ich mich sehr wenn ich Ihnen davon etwas vermitteln kann.

00:00:28: Ich habe heute den katholischen Ludwig ihnen angeboten Prägungen Konzepte und Politik eines katholischen Herrschers.

00:00:35: Das ist natürlich nur ein Aspekt, ich hab vieles weggelassen aber dafür gibt es ja das Buch.

00:00:41: Als XVII nach dem Rücktritt und schweren persönlichen Krisen sein Sohn Otto von Griechenland König Ludwig I. fragte wie er sich seine lebensfrische Erhalte sagte er sich nicht zu grämen über dass was isst Durch Drungen zu sein von des irdischen Vergänglichkeit, sich nicht daran zu ketten.

00:01:01: Dem Willen Gottes sich ergeben.

00:01:03: Mäßig seien in allem die Beschäftigungen sich nicht schwer

00:01:06: vorstellen.".

00:01:08: Ich trage diesen Satz immer mit mir weil ich denke das ist da hat Ludwig sehr kluge Dinge gesagt.

00:01:14: und diese Lebensmaximespiegel gut die Bedeutung des Glaubens für Ludwig.

00:01:19: Lebenslang fand er darin Trost und Stärkung.

00:01:22: Er schilderte in seinen Tagebüchern intensive religiöse Erlebnisse, nahm die Ohrenbeichte sehr ernst und seine höchst umfängliche persönliche Karitas war ebenfalls religiös motiviert.

00:01:35: Doch persönliche Religiosität allein war es nicht – das katholische Alt Bayern stand im politischen Spannungsfeld zwischen dem Katholischen Österreich einerseits und den eigenen evangelischen Landesteilen sowie dem protestantischen Preußen andererseits.

00:01:50: Diese Spannung auszutarrieren gelangt zeitweise besser, zeitweise schlechter.

00:01:55: Manjela's Reformprozesse – die Religionsethikte sowie die Verfassung von Achtzehntundachzehn hatten nach der Kulturevolution der Säkularisation von Aightzehndhundertdrei die Ausgangsbasis für Toleranz zwischen den Bekenntnissen geschaffen.

00:02:11: Doch Ludwigs Klostergründungen und seine katholische Politik stießen auf scharfen Widerspruch der Liberalen.

00:02:17: Und als nach eighthundertunddreißig Karl von Abel Innenminister wurde, verärgerte die zunehmende Rekatolisierung Bayerns den evangelischen Bürger im Königreich wie im Rest des Deutschen Bundes.

00:02:30: Ludwig wurde zur Galleonsfigur des deutschen Katholizismus.

00:02:35: Im Kontext der Lola Montes Affäre bekam er zu spüren, dass die katholische Partei – wie sie bald genannt wurde – nicht bereit war, die Macht wieder aus der Hand zu geben und für den Machterhalt auch in Kaufnahmen dem König schwer zu beschädigen.

00:02:49: Das wurde zwar dann zum Auslöser von Karl von Abels Entlassung, aber auch zur Geburtstunde des politischen Katholizismus der bis Ninzehundertzwölf dann darum rang in Bayern wieder gegen Liberale oft protestantische Minister an die Macht zu kommen.

00:03:06: Es geht mir nicht nur um den politischen Herrscher.

00:03:09: man kann aus sehr unterschiedlichen Perspektiven auf diesen König schauen.

00:03:13: nachdem ich dank meiner Kenntnis der Tagebücher andere Wege gehen konnte erlaubte Ich mit dem Weg der Empathie.

00:03:20: Empathie in der Geschichtswissenschaft, so Thomas August Kohut in seinem gleichnamigen Buch schützt vor der deterministischen Deutungen wirft ein Schlaglicht auf zeitgenössische Ideen Handlungen Hoffnungen und Ängste und schärft das Verständnis für die Geschichte als prinzipiell ergebnisoffenen Prozess.

00:03:39: Empathied bedeutet also nicht unkritisch zu sein.

00:03:42: obwohl ich zugeben muss dass sich inzwischen nationalge Ludwig gegen Angriffe zu verteidigen So ist eine hohe Emotionalität ein zentraler Teil von Ludwigs Wesen.

00:03:53: Hinter der dominanten, dynamischen und disziplinierten Herrscherpönel-Persönlichkeit dem Sparmeister und unerbittlichen Vertreter des monarchischen Prinzipes wird bei genau umhin sehen ein fantasiesprühender hochgebildeter begeisterungsfähiger und emotionaler Romantiker sichtbar.

00:04:10: Der schöne Frauen anbetete für die antike Schwärmte und Gedichte veröffentlichte Ein liebevoller Vater und Großvater – ein Mann von schier unerschöpflicher Energie sinnlich mit Glust am Leben an der Liebe, an Kreativität und am Regieren.

00:04:27: Johann Wolfgang von Goethe bezeichnete ihn nach einer Begegnung als dieses merkwürdige viel bewegliche Individuum auf dem Throne – als einen Menschen, der neben der königlichen Majestät seine angeborene schöne Menschennatur gerettet hat.

00:04:42: Es ist eine selten Erscheinung und deshalb erfreulicher!

00:04:46: Mit seinem von großen Emotionen geleiteten Charakter entsprach Ludwig in vieler Hinsicht nicht den Vorstellungen, die sich zeitgenossen aber auch heutige Historikerinnen und Historiker von einem König machen.

00:04:58: Doch viele der Widersprüche, die sie zu entdecken glaubten finden sich eher im Auge der Betrachter.

00:05:04: Es ist an der Zeit, Ludwig neu zu bewerten.

00:05:07: Ich beginne mit einer kurzen biografischen Skizze.

00:05:12: Ludwig, ah, siebzehnhundertsechsachzig geboren war als Kind, als Heranwachsender und als junger Mann von den Kriegen in Folge der französischen Revolution.

00:05:21: Und vor allem jenen Napoleons geprägt.

00:05:24: er erlebte am eigenen Leib das Ende des Anziger Regime und die kriegerische Geburt der neuen Zeit begleitet von Lebensgefahr und Fluchten.

00:05:32: Er sah sich zwischen zwei Welten.

00:05:35: In seinen Memoaren schrieb er wie ich denn selbst zur alten und zur neuen Zeit und in zwei Jahrhunderte gehöre.

00:05:44: Es waren unruhige Zeiten, die Familie musste mehrfach von den französischen Revolutionstruppen fliehen, die ja keineswegs edle Vertreter der franzisischen Revolution waren sondern die gerade ins Süddeutschland wirklich plünderten Raubten vergewaltigen wirklich eine Horde von die Horde, die da über SüdDeutschlands hereinbrach.

00:06:02: Da gibt es sehr gute Forschungen dazu.

00:06:05: Zunächst ging es im August die Flucht los in Strasbourg.

00:06:10: Hier sehen Sie Ludwig als Kind mit seinem Vater, der ja in Straßburg als französischer Offizier diente und dann auch aus Mannheim.

00:06:21: Etliche weitere Fluchtstationen folgten.

00:06:24: Die vom Ludwig sehr geliebte Mutter starb.

00:06:28: Sie und die Kinderfrau Hofrätin Luise Weyland hatten dem sensiblen Kind die Liebe entgegen gebracht, die Ludwig offenbar lebenslang stützte.

00:06:37: Das war wichtig, denn er startete mit etlichen Handicaps ins Leben.

00:06:42: Er kam mit einem Sprachfehler auf die Welt der nie ganz verschwand und wo man natürlich am Anfang versuchte es ihm abzuerziehen woraufhin er Stottern begann also alles das was auch bis heute sozusagen was man heute weiß was man nicht machen sollte.

00:06:57: als dreijähriger wäre er fast an den Pocken gestorben Da er bei einer Impfung, das waren damals noch Lebendimpfungen und diese Lebensimpfung hat ihn infiziert.

00:07:08: Und er behielt von dieser Pocken-Impfung an den er passt gestorben wäre auch hässliche Narben im Gesicht.

00:07:12: Und nach dem Tod der Mutter verschlechterte sich sein Gehör.

00:07:17: Ludwig musste also mit körperlichen Beeinträchtigungen zurechtkommen.

00:07:20: vor allem seines schlechtes Höhren und seinen damit verbundenes Überlauters sprechen bereitet ihm viele Peinlichkeiten.

00:07:28: Doch er zog sich nicht zurück, sondern behauptete sich trotz der Handicaps mutig und selbstbewusst in der Gesellschaft.

00:07:35: Sie können sich vorstellen dieses halblaute Gespräch nebenbei was so zur höfischen Konversation gehört blieb ihm immer verwehrt.

00:07:42: Er entwickelte jedoch Strategien um im Tagesgeschäft nicht unsicher zu werden.

00:07:47: So mussten ihm später seine Mitarbeiter die Anträge zuerst schriftlich vorlegen damit er nicht auf den mündlichen Vortrag angewiesen war.

00:07:55: Da er schlecht hörte, wurde er ein Augenmensch.

00:07:58: Da er schlecht sprach – ein Schreibender!

00:08:00: Er hinterließ rund sixty-tausend Seiten Tagebücher und begleitende Notizen.

00:08:05: Rund sechshundertseiten handschriftliche Memoaren.

00:08:08: Ein Traumtagebuch mit vierhundert Träumen also total exzeptionell.

00:08:13: so was gibt es einfach nicht von einem Monarchen sowieso nicht aber auch nicht von anderen Leuten.

00:08:17: Viertausends sechshundert Gedichte drei Schauspiele sowie umfängliche Briefwechsel.

00:08:22: Fast dreitausend Briefe gingen allein an die geliebte Marquesa Mariana Florenzi in Paru Perruccia.

00:08:28: Er korrespondierte jedoch mit unzähligen Personen, nicht zuletzt mit seinen Schwestern und Kindern, mit den Architekten, Künstlern und Kunstagenten.

00:08:37: Allein im Privatnachlass findet sich eine schwindelerregend umfängliche Dokumentenfülle.

00:08:42: Hinzu kommt die dienstliche Korrespondenz.

00:08:44: Von seinen weit über hunderttausend Aktenvermerken, den Signaten sind etwa dreitausend gedruckt Sie müssen sich das vorstellen, die Minister schrieben dann ganz brav, ganz ordentliche Kolumnen auf ihren Titel und er schrieb dann so Tannenbäume rein.

00:08:58: Das ging dann weiter und wurde immer emotionaler und unten wieder quer.

00:09:02: Also ist gut zu lesen sage ich ihnen.

00:09:05: Doch der Weg bis zum regierenden Herrscher war lang und von vielen unvorhersehbaren Wendungen begleitet.

00:09:12: Ludwigs Vater, Max Josef von Pfalz Birkenfeld beerbte erst seinen älteren Bruder dann dank der Wittelsbarischen Hausverträge.

00:09:26: Und zog in München mit der Familie.

00:09:30: Er hatte sich nach dem Tod seiner ersten Frau bald mit Caroline von Baden verheiratet, die zu ihren Stiefkindern Ludwig Augustus, Charlotte und Karl kein besonders gutes und inniges Verhältnis entwickelte.

00:09:41: Sie brachte selbst sechs Töchter auf die Welt.

00:09:45: Ludwigs Verhältnis zum Vater blieb lebenslang gespannt was man zum Beispiel auch dem Traumtagebuch entnehmen kann, in dem vor allem auch diese Vaterträume eine zentrale Rolle spielen.

00:09:56: Und es ist davon auszugehen dass er bei diesen Träumen, bei diesem Traumtaggebuch das er ein Jahr lang führte eben auch gesehen hatte, dass er mit dem Vater noch so über Kreuz lag.

00:10:05: Das war achtzehnneununddreißig und da hat er eben ein Jahr lange alle Träume aufgeführt wo er am Anfang wirklich sichtbar wäre wie er den Vater Ja, wie der Vater ihn noch dominierte und wie er am Ende einen Traum hatte wo er sich von diesem Vater lösen konnte.

00:10:24: Aus München musste die Familie auch fliehen zunächst vor den napoleonischen Truppen dann vor den Österreichern die Bayern besetzten.

00:10:36: Ludwig lebte fast acht Monate als Gast Napoleons in Paris, entdeckte den Louvre.

00:10:40: Den er unzählige Male besuchte.

00:10:42: das damalige Musée Napoléon und die Pariser Theater besuchten eine Schwimmschule in der Seine wo selbst eine Dame mit schwamm, wo er sagte von der sah man weniger als man bei Gesellschaften sah aber es wurde aus Sittlichkeitsgründen untersagt.

00:10:57: Er war ein aufmerksamer Gast in Napoleons Staatsrat und beobachtete dessen bauliche Umgestaltung der Hauptstadt.

00:11:04: In den folgenden Jahren des Bayerischen Bündnisses mit Frankreich begleitete er einige Feldzüge der napoleonischen Armee und führte auch selbst einen Kommando.

00:11:12: Hier sehen sie die Schlacht bei Abensberg, wo Ludwig dahinten auf dem braunen Pferd sitzen, Napoleons Rede übersetzt und eher obwohl er Napoleon hasste dann eben sagte er rief nachher weil der Napoleon so überzeugend war ganz begeistert wie alle wie Flompereur.

00:11:29: Seit den Erfahrungen seiner frühen Jugend war er ja doch ein glühender Verfechter deutscher Einheit, Deutscher wie er das nannte und Gegner französischer Hegemonie in Europa.

00:11:39: Bei Bayerns Bündniswechsel zu Napoleons Gegnern, aus dem Sieg der Alliierten im Wiener Kongress von achtundhörtzehn fünfzehn und der Neukonstituierung einer europäischen Friedensordnung war er bereits sein erwachsener Mann.

00:11:52: Gegen Ende seines Lebens bezeichnete er sich als Überbleibsel napoleonischer Zeit einer Zeit der dramatischen Umwälzungen und Umbrüche alles bestehenden mit einer schrecklichen Bilanz an Toten, die bei Ludwig zu einer tiefen Abneigung gegen Krieg geführt hatte.

00:12:09: Lebenslang blieb seine Sorge vor erneuten Übergriff in Frankreichs auf deutsches Territorium bestehen und beharrlich versuchte er doch noch seine alte Heimat wieder zu gewinnen, die rechtsrheinische widelsbachische Kurpfalz, die im Wiener Kongress an Baden gegangen wäre.

00:12:24: Sein Motto gerecht und beharlich dieses Beharlig das definiert er selber galt dieser Wiedergewinnung der Kurpfals.

00:12:32: Politisch handeln konnte Ludwig erst seit nur achtzehnhundert fünfundzwanzig Doch auf dem Weg zur Verfassung von achtzeintachzen spielte er eine nicht unbedeutende Rolle.

00:12:42: Er war damals zweifellos die verfassungsfreundlichste Person der Bayerischen Regierungsspitze.

00:12:48: Bis XVIII.

00:12:49: hatte König Max I. Josef dem bayerischen Staatsreformer und Erbauer des neuen Bayern Maximilian von Mongela weitgehend freie Hand gelassen.

00:12:58: Mongela verkörperte für Ludwig das französische Regime, die von oben umgesetzte Revolutionen.

00:13:05: Magster I. Josef entließ Moszela-Achzehnhundertseptien und Historiker werfen Ludwig vor, den Minister mit falschen Behauptungen gestürzt zu haben.

00:13:15: Doch dies lässt sich so nicht halten – ich bin dem sehr intensiv nachgegangen!

00:13:19: Moszelas führende Beamte teilten Ludwigs Kritik, seine Reformen waren stecken geblieben und er ging sehr locker mit den bayerischen Finanzen um.

00:13:26: Das beunrückte den Kronenprinzen der Füchtete, dass doch noch ein finanzieller Zusammenbruch Bayerns bevorstehende, der ja während der napolischen jambnopolionischen Kriege praktisch jeden Tag hätte eintreten können.

00:13:38: Ludwig steckte viel Zeit und Kraft in seine Kunst- sammlungen als Kroneprinz bereit und die ersten großen Bauten!

00:13:44: Er lernte Italienisch, Spanisch, Latein und Griechisch, las ungemein viel und übersetzte zur Übung täglich Herodot aus dem Griechen.

00:13:52: Zwei tausend Seiten waren übersetzt als er dann als König antrat.

00:13:57: Gleichzeitig arbeitete er sich systematisch in die Staatsverwaltung ein, beschaffte sich alle verfügbaren Unterlagen und gutachten zu aktuellen Fragen des bayerischen Staates – verfasste Denkschriften- und Verbesserungsvorschläge.

00:14:09: Besonders intensiv befasste er sich mit Fragen des Staatshaushalts Wenn Sie sich überlegen, wie der Arme Ludwig

00:14:16: II.,

00:14:16: als achtzehnjähriger völlig umvorgereitet auf den Thron kam.

00:14:20: Was er alles nicht hatte das hat dann auch damals sein Großvater sehr nachdrücklich bedauert weil er eben alle nicht die Möglichkeit hatte sich jemals vorzubereiten auf diese doch sehr anspruchsvolle Tätigkeit.

00:14:32: Im Land galt Ludwig der Ehr als ein Schöngeist.

00:14:35: Etwas spöttisch bemerkte er in seinen Memoaren, in Bayern habe lange die Meinung vorgeherrscht das ich nur mit Latein und Griechisch um mit der Kunst mich beschäftigte.

00:14:44: Ein großer Irrtum wie sich bald herausstellen sollte.

00:14:48: Ludwig kommentierte diese Lebensphase im Rückblick.

00:15:01: Als Kind die Geschichte lerne, wähnte ich jetzt ist mit den Veränderungen vorbei.

00:15:06: Jetzt nun ist alles nied und nagelfest aber wie sehr irdte ich sollte in einem Menschenalter erleben wozu es früher eines Jahrtausends bedürfte?

00:15:15: Und wenn Sie sich diese sogenanntes Sattelzeit anschauen dann sehen sie was dieser Zeit wirklich alles in der europäischen Landkarte verändert hat.

00:15:25: als König erlebt Ludwig eine lange Friedens-Epoche die ihm viel Gestaltungsspielraum für seine Projekte ließ.

00:15:31: Bayern war ein großer Mittelstaat, jedoch kein bedeutender Mitspieler im europäischen Konzert das von Österreich und Preußen, England Russland und doch wieder Frankreich bestimmt wurde.

00:15:41: Nur mit seinem Einsatz für den griechischen Freiheitskampf gegen die osmanische Herrschaft und in der Folge mit der Wahl seines Sohnes Otto zum König von Griechenland war Ludwig außenpolitisch auf der europäischen Bühne präsent.

00:15:55: Sein wichtigstes Wirkungsfeld lag jedoch in der Innenpolitik.

00:15:59: Als regierender König arbeitete er mit hoher Disziplin und größtem Fleiß, mit Akribie- und Sorgfalt, mit finanzpolitischem Geschick und Sparsamkeit für einen ausgeglichenen Staatshaushalt und eine Neuordnung der Verhältnisse in der Friedenszeit.

00:16:15: Er war sozusagen sein eigener Rechnungshof weil er immer kontrollierte ob die Ausgaben auch tatsächlich ordentlich stattgefunden haben, ob alles auch so wahr und Spassamkeit geherrscht hatte – den Beamten fürchteten ihn!

00:16:27: Und in Verwirklichung seiner groß angelegten Pläne macht er Politik mit Kunst und Kultur und Geschichte.

00:16:33: Bauen, Sammeln und Ausstellen waren seine Leidenschaft – und er wurde zu einem großen Medizin und Förderer von Kunst und Architektur.

00:16:42: Er gestaltete München um, baute aber auch deutsche Nationaldenkmäler wie die Valhalla bei Regensburg und die Befreiungshalle bei Kehlheim.

00:16:49: Und seit eighteenunddreißig und vor allem seit achtzehnziemunddreizig verschärfte sich dann sein politischer Kurs und von seiner anfänglichen Liberalität, die überall gefeiert worden war, war nun nichts mehr zu spüren.

00:17:02: Damit zog er die beisende Kritik derer auf sich, die in ihm einen Vorreiter der liberalen Weiterentwicklung von Verfassung und Staat gesehen

00:17:10: hatten.".

00:17:12: Diese Polarisierung bei der Bewertung der Person des Königs setzt sich bis heute fort.

00:17:17: Ludwig Draht in der Revolution von achtundachtenvierzig zurück, weil er fürchtete nun nicht mehr auf seine Art regieren zu können.

00:17:25: Zur Vorgeschichte dieses Rücktritts gehört die Affäre mit Lola Montes, die ihn als spanische Tänzerin bezaubert hatte und wohl auch weder wegen der Skandalisierungen der katholischen Partei aus Bayern vertrieben wurde.

00:17:38: Nach seinem Rücktritt lebte Ludwig noch zwanzig Jahre.

00:17:41: Er wirkte weiterhin als Kunstkönig und konnte seine bedeutendsten Bauprojekte vollenden, er blieb überdies eine wichtige politische Ansprechperson.

00:17:52: Katholische Erziehung und tiefe Gläubigkeit bestimmten Lebenslangen Jud-Ludwigs Wertesysteme – seine Moralvorstellungen, sein Menschenbild.

00:18:00: Eine große Rolle für diese Prägungen spielte.

00:18:03: der Priester Josef Sambuga Ludwigs Hofmeister Kirschbaum gelang es nicht, seinen Zögling für sich zu gewinnen.

00:18:10: Es war ein zäher Kampf von zwölf Jahren bis zur Ablösung des Mannes der jeden Schritt des jungen Prinzen kontrollierte.

00:18:18: Sambuga hingegen, der Religionslehrer, nahm Ludwig Ernst, forderte ihn und förderte ihm – er war Vermittler- und Vertrauter, da ihm konnte sich der Junge auch einmal ausweinen!

00:18:29: Er war jedoch wie Kirschbaum amusisch und höchskonservativ.

00:18:34: Er propagierte das Gottesgnadentum der Fürsten einen fürstlichen Sinn mit lebhaftem Standesgefühl, geistige Größe und Religiosität, Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit.

00:18:47: Selbstständigkeit gegenüber anderen, die der Fürst zwar anhören solle – die Entscheidung habe er aber allein zu treffen!

00:18:54: Er dürfe nicht zum Sklaven seiner Räte werden.

00:18:57: Sambugas Ideal war der christlich-patriarchialische Absolutismus.

00:19:03: Von Sambugas Lehren und ihrer Wirkung auf sein weiteres Leben berichtete Ludwig in seinen Erinnerungen nichts.

00:19:09: Das ist natürlich kein hinreichender Grund, seinen Einfluss auf Ludwig zu bezweifeln.

00:19:14: Sicher empfand Ludwig große Sympathie für Sambuga – und es war Sambuger der Inzireligion als Mitte der Persönlichkeit und als Zentrum eines christlichen Staates hinführte.

00:19:26: Dies ist viel und war für Ludwig späteren Wirken von großer

00:19:29: Bedeutung.".

00:19:30: Doch es zeigt sich auch deutlich Samburgas Begrenztheit.

00:19:34: Er hatte keinen Zugang zu Fantasie oder zur Begeisterungsfähigkeit seines Schülers, versuchte kindliche Spontanität als unpassend zu zügeln war Brüde und verklemmt.

00:19:46: Sambugas Abneigung gegen Schauspiel- und Oper hielten den Prinzen jedoch nicht davon Absicht dafür zu begeistern – schon als Kind in Mannheim vor allem!

00:19:54: Ebenso wenig wirksam war Sambukas Überzeugung Ein Fürst dürfen nicht aus Staatseinnahmen Bauten errichten, die nur der Kunst dienten.

00:20:03: Die bildende Kunst sollte nach Sambugas Meinung nur der moralischen und zittlichen Erziehung

00:20:08: dehnen.".

00:20:09: Diese Maximum hatten wie wir wissen keinen nachhaltigen Einfluss auf seinen Schüler.

00:20:14: Doch Ludwig lernte von Sambuga die Gewissenserscheuerforschung und das Gebet.

00:20:19: auch der regelmäßige Besuch der Messe war immer ein großes Anliegen.

00:20:22: Vor allem mit der Kronprinzenzeit, als dieser aktive Mann in den besten Jahren zur politischen Umtätigkeit verbannt war, erhielt das Gebet für ihn große Bedeutung.

00:20:32: Eighteenhundertsechzehn steht im Tagebuch meist am Tagesbeginn Bibel gelesen – Morgengebet oder in die schmerzhafte Kapelle gegangen, verrichtete in derselben mein Gebet.

00:20:44: wie froh dass ich beten konnte.

00:20:46: Milde Luft klarer Himmel Licht ist für religiöses Gefühl, vereinigt sich.

00:20:51: Es schließt das Herz eher

00:20:53: auf.".

00:20:54: Vor der österlichen Beichte ging es an die ernsthafte Gewissenserforschung.

00:20:59: Um fünf Uhr mich zu wecken hatte ich gesagt – Auf meinem Beat-Shamel knien Vater Unser und gegrüßete Seisto Maria verrichtet.

00:21:06: Gewissenserforschungen angestellt um nicht zu vergessen gleich schriftlich vermerkt.

00:21:11: Um sieben Uhr begab ich mich zu Sutner in Herzog Max berichtete und beichtete Wie man in jedem Gegenstand gesündigt gehöre dazu, wie wird dies oft nicht beachtet.

00:21:22: Die Handlungen als privat, nicht als Herrscher darunter ziehend die viel

00:21:27: ergreifender.".

00:21:28: Nach der Beichte bei Sambugas Bild das an der Wand hing sprach ich von ihm Der Sutters guter bekannter war.

00:21:35: Tränen kamen mir in die Augen.

00:21:38: Getrost solle ich das heilige Abendmal empfangen und guten Mut begab mich gab' ich mich auf den Weg nach der Hofkapelle.

00:21:44: Aber in meinem Gebetbuche lesend kam mir die Meinung, ich würde es unwürdig einnehmen.

00:21:50: Die behilte ich.

00:21:51: Ging zu Suddner um getröstert zu werden der mich bad beruhigt zu sein.

00:21:56: unter vielen wären wenige zum heiligen Abendmahl so würdig wie ich

00:22:00: gegangen.".

00:22:02: Nebenbei korrigieren solche Einträge auch die Behauptung Max Spindlers, der als Herausgeber der Signate des Königs schrieb, Ludwig sei immer mitten im Strom in den Wellen und in den wellen gestanden.

00:22:13: Und habe dabei keine Zeit für Reflexionen

00:22:16: gehabt.".

00:22:17: Er sagte, die Signate zeigten den Handeln und regierenden König, ich füge hinzu die Tagebücher und Gedichte, die reflektierende und fühlende Person.

00:22:28: Als Kind seiner Zeit hatte Ludwig einen romantisch geschärften Blick auf die Natur.

00:22:34: Auch im Religiösen erlebte er vielfach das Gefühl, ergriffen zu sein.

00:22:38: Es ergreift mich – es ist immer seine Formel wenn es um die Kunst geht, wenn es über Ereignisse und Personen geht.

00:22:45: Frauen gibt deren Begegnung in Ergriff auch die Begegnung mit Kanovas Hebe oder Ebayin Venedig Der Götter, die ihn für die Kunst gewann, hieß es echt Ergriff mich.

00:22:58: Also auch im Religiösen dieses Gefühl ergriffen zu sein.

00:23:01: In einer Schilderung aus Salzburg in den letzten Jahren verbindet sich das Religiös mit dem Romantischen.

00:23:07: Als ich angekleidet an das Fenster getreten, sah ich vor dem Kloster auf dem Kapuziner Berge das Kreuz von der Morgenröte umgeben.

00:23:15: Ein hoher Augenblick!

00:23:17: Ich kniete zu beten – wie romantisch schön ist der Anblick aus diesem Fenster des Eckzimmers meines lichten Arbeitsgemeindes.

00:23:24: Anblick jenes Kreuzes?

00:23:26: Wie erweckest du in mir religiöses

00:23:27: Gefühl?".

00:23:29: In Rom besuchte er Gottesdienste im Petersdom, wohnte auf dem Marmorboden knient, dem Ende einer und der folgenden Mentmesse ganz bei.

00:23:38: Gott will es.

00:23:39: dass ich nicht zündige darf also nicht die Frage sein.

00:23:42: Ergreifend fand ich seeliges Gefühl und seliges Gefühl.

00:23:48: Er lebte auch Ostern in der Peterskirche des Papstes Segen ergriff mich mächtig mit schönem Gefühl.

00:23:56: Die Religiosität und er religiöses Erleben waren bei Ludwig also tief verankert.

00:24:02: Dies war auch der Ausgangspunkt für etliche Aktionen des Königs, die als eminent politisch begriffen wurden.

00:24:08: Für ihn bildete sein Glaube zunächst keinen Gegensatz zu seiner von der Romantik bestimmten hohen Emotionalität, seiner Liebe zur Antike oder seinen Freiheitsidealen.

00:24:18: Seine liberalen Ideen standen jedoch von Beginn an neben seinem Wunsch, die Kirche für die Verluste der Säkularisation zu entschädigen.

00:24:26: Er wollte beides – Pressefreiheit einführen und Klöster wieder begründen, Fortschritt und Tradition

00:24:32: versöhnen.".

00:24:33: Ludwig später Innenminister und Dichterfreund Eduard von Schenk bezeichnete es als das Königslinie, dass Religion und Freiheit Glauben und Wissen Hand in Hand gehen könnten.

00:24:45: Versöhnt durch das monarchische Prinzip.

00:24:48: Doch seinen Zeitgenossen erschien dies als nicht lösbarer Widerspruch.

00:24:53: Vor allem die neu bzw.

00:24:55: Wiedergründungen der achtzehnhundertdrei sekularisierten Klöster waren vielen liberalen Zeitgenosen ein Dorten im Auge.

00:25:02: Ludwig Sadi ist jedoch als Wiedergutmachung für die vielfach barbarischen Eingriffe der Säkularisation und erkannte die Verluste, die daraus auch für Bayern entstanden waren.

00:25:11: Im religiösen aber auch im kulturellen Bereich bei der Fürsorge für Bedürftige in Schulwesen.

00:25:17: Er wollte vor allem die tätigen Orden wieder in Bayern etablieren – die Benediktiner an erster Stelle.

00:25:23: Bereits am Februar, mit Schenk ging er den möglichen Koloster durch.

00:25:29: Benedikt Beuern wird wieder Abtei, Eberbach, Walzassen sind dazu bestimmt.

00:25:33: Otto Beuren eine zu bleiben neu begründet zu werden.

00:25:36: Vielleicht dass ich Scheiern stifte?

00:25:38: Vielleicht wird Weltenburg zu einer wieder an Weltenburg dachte Schenk.

00:25:43: Ludwig war ungeduldig die Abteien wieder zu besiedeln und schrieb an Schenk Wann wird endlich Metten von den Benediktinern bezogen Das solche doch recht bald geschehe?

00:25:53: dies liegt mir sehr nahe.

00:25:54: Und nun jetzt so den Monat mit Sicherheit zu wissen Er wollte den Klöstern auch wieder Schulen übertragen.

00:26:02: Etliche Vertreter der Bürokratie waren davon gar nicht begeistert, die gehörten sozusagen noch zur Riege des morgelaschen Beamten der alten Zeit, das aufgeklärte Absolutismus, die eigentlich eben vollends mit der Säkularisation über eingestimmt hatten.

00:26:18: Doch Ludwig ging es um eine Verbesserung der Schulverhältnisse im katholischen Sinne und um Krankenpflege.

00:26:23: So etablierte er, sehr früh den Krankenpflegeorten der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Winzins von Paul die sich bereits in der ersten großen Kohlerer Epidemie in München große Verdienste erworben hatte.

00:26:39: Doch Ludwig protestierte auch Bettelorden was besonders auf Widerstand stieß.

00:26:44: Es war zunächst gar nicht einfach für alle diese Klöster wieder insassen zu finden und man musste sie regelrecht aus dem Ausland anwerben.

00:26:51: Dennoch wurden in Bayern zwischen eighteen sechsundzwanzig und achtenvierzig, also in Ludwigs Regierungszeit insgesamt hundertzweiunddreißig Klöster neu etabliert oder wiederbelebt.

00:27:01: Nach Ludwiks Rücktritt entstand noch St Bonifats in München und Kloster Scheftlern.

00:27:06: Damit schuf Ludwig eine wichtige Grundlage für die Entstehung des politischen Katholizismus im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts, die sich auch um diese Klöste herum sammelten.

00:27:16: Neben den Klöstern protegierte er auch Wallfahrten, Bittgänge, Passionsspiele und andere katholisch geprägte Volkskultur.

00:27:23: Die er als Teil der Identität der einfachen Volksklassen ansah.

00:27:27: Auch schon in Tirol wo er ja teilweise als General-Gouverneur gedient hatte war ihm das ein Dorn im Auge dass die aufgeklärten Beamten aus Bayern das alles unterbanden weil er sagt es gehört doch zu deren Identität, zu deren Kultur.

00:27:39: Er war in dieser Beziehung wirklich modernen mit seinem Blick auf das, was Identität ausmacht.

00:27:46: Seine großen Kirchenneubauten die zumindest hier erwähnt werden sollen beeindruckten selbst Metternich der im Juli-Achzehn-Sechsunddreißig nach München kam.

00:27:55: er schrieb Was man da in München sieht übersteigt selbst die Ausschweifens der Einbildungskraft.

00:28:03: Man begreift nicht wie ein Mann kalten Blut ist Die Idee fassen kann all das zugleich zu Unternehmen was der König bauen und tun lässt.

00:28:12: Man baut in diesem Augenblick das Palais, die Bibliothek also die Uni-Bibliothekt, die Staatsbibliotek und die Universität.

00:28:19: Ich weiß nicht wie viele andere Gebäude und vier ungeheure Kirchen.

00:28:23: dabei sind es nicht nur kleine Unternehmungen alles ist gewaltig groß.

00:28:27: für diese Kirchenbauten förderte Ludwig auch neue konstantwerkliche Techniken.

00:28:33: So unterstützte er die Gründung der Königlichen Glasmalerei anstalt, die als Mutterinstitut des Jahrhunderts gilt.

00:28:43: Seit der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderte war die Techniken der Glasmalerei weitgehend in Vergessenheit geraten und die Brennöwen abgebaut.

00:28:51: Nun mussten viele Technik gewissermaßen neu erfunden werden.

00:28:55: Auch die Bayernfenster für den Kölner Dom wurden in München produziert natürlich auch im Regensburger Dom.

00:29:02: Doch in den letzten Jahren schrieb Ludwig in sein Tagebuch.

00:29:06: Schon vor geraumer Zeit wollte ich in dieses Tagebuch aufzeichnen, dass ich Kirchen baue, Klöster stifte – dies aber nichts nützt wenn nicht Gottes Gebote ich

00:29:16: erfülle.".

00:29:20: Diese Überzeugung festigte sich bei Ludwig zunehmend im Jahr mit dem Stabswechsel im Innenministerium von Ludwig von Oettingen Wallerstein zu Karl von Abel im Jahr abends einen Einschnitt.

00:29:34: Der Standesherr Kunstkenner und Grand-Senieur Ettingen Wallerstein entstammte dem europäischen Hochadel.

00:29:40: Er war im Milieu- und Wertesystem dieser Welt sozialisiert.

00:29:44: Seine Auffassungen von Staat und Gesellschaft hatten sich zunehmend liberalisiert, und er sah in einem kommunikativen Austausch mit den neuen Kräften der Gesellschaft den Weg der Monarchie in die

00:29:55: Zukunft.".

00:29:57: Der er siebzehn-achtnachzig geborene Carl August Abel dagegen, ab achtzehundertdreißig.

00:30:01: Karl Ritter von Abel entstammte einer protestantischen Advokatenfamilie in Wetzlar.

00:30:07: Studierte Jura und durchlief eine klassische bayerische Beamtenlaufbahn.

00:30:12: Er war als Karrierebeamter der Bayerischen Bürokratie grundlegend anders sozialisiert als Oettingen Wallerstein Und als Vertreter der Beamtenschaft wie viele seiner Kollegen ursprünglich antifeutal und auch anti-clerical eingestellt.

00:30:27: Maßgeblich für seine Karriere war sein scharfer juristischer Verstand.

00:30:32: Einen entscheidenden Karriereschub erfuhr er seit eighteen-sechsunddreißig durch seine Konversion zum Katholizismus.

00:30:39: Nun wurde aus dem liberalen Protestanten ein konservativer Katholik.

00:30:44: In diesem Wandel betrachten viele Kollegen mit Misstrauen, sie sahen seine Konversion als Folge grenzenlosen Ehrgeizes.

00:30:51: Der preußische Gesandte Bernstorff, sicherlich nicht ganz objektiv, bezeichnete Abel als durchtriebenen Heuchler.

00:30:58: Selbst Bischof Melchor-Diepenbrock weniger verdächtig als der preußischen Gesande schrieb ihm sei Abelswesen ein widerwertiges Unheimliches und der Oppositionsführer Herbert von Rotenhahn nannte Abel einen herzlosen falschen unwaren heftigen reizbaren

00:31:16: Mann.".

00:31:17: Jedenfalls wurde die neue Haltung und Konsequent zur Richtlinie von Abels Politik, durch die er sich dem König empfahl.

00:31:24: Und Abel umgab sich fortan demonstrativ mit Männern der katholischen Restaurationen.

00:31:30: Die Ernennung von Abl – das ist sehr spannend – war nicht zuletzt auf Intrigen von Staatskanzler Metternich zurückzuführen, der im Geheimen jahrelang mit Feldmaschalf Rede korrespondierte, der zu den vertrauten Beratern von Ludwig gehörte.

00:31:43: Und Friede verstand es immer wieder geschickt, dem misstrauischen Ludwig Metternis konservative Position nahezubringen und den liberalen öttigen Wallersteinen zu diskreditieren.

00:31:54: Und letztlich Abel als den gegebenen Retter aus dem Hut zu zaubern.

00:31:59: Dieser Abel begleitete denn König dann durch die kommenden zehn Jahre und durch die Landtage von eighteen vierzig, achtzehn dreienvierzig und sechsenvierzig?

00:32:07: Die Rolle Abels für die Rekatolisierung Bayerns ist nicht hoch genug einzuschätzen.

00:32:12: Er trieb Ludwig immer weiter in die Ultramontane Richtung und gewann auch großen Einfluss auf Ludwigs Bischofsernennungen, bis ihn Melchor Diepenbrock, Bischoff in Augsburg auf diesem Feld verdrängte.

00:32:23: Einen wichtigen Einschnitt in der vorbehaltlosen Förderung der katholischen Sache bedeutet die für Ludwig jedoch die Beisetzung der evangelischen Königin Wittville Karoline, also seiner Stiefmutter, aus München.

00:32:36: Ludwig hatte zwar zu seiner Stiftmutter kein besonderes Engels-Verhältnis Doch die Art, wie die katholische Kleros mit Abels Einverständnis der ehemaligen König in den letzten Ehren verweigerte, empörte ihn.

00:32:49: Er sah es als Verletzung des Respekts vor dem Königshaus an.

00:32:53: Besonders peinlich war dies da der preußische König Friedrich Wilhelm IV und seine Frau Ludwigs Halbschwester Elisabeth zu dem Zeitpunkt in München anwesend waren stand doch die Verlobung des Grundprinzen mit der Preußischen Prinzessin Marie

00:33:06: bevor.".

00:33:08: Die Geistlichkeit, die katholische Geistlichkeit erschien bei der Bebeisetzung von Caroline nicht im Chorrock sondern in Zivil.

00:33:16: Der Sarg wurde ohne jede Feierlichkeit vor den Toren der Theatinerkirche den katholischen Geistlichen übergeben, die ihn ohne Gebete oder Orgel spiel durch die Dunkle Kirche in die Duft gruftbrachten.

00:33:29: Ein Prediger der Hofkircher stellte der Verstorbenen sogar das Strafgericht Gottes in Aussicht.

00:33:35: Ludwig sagte dem österreichischen Gesandten, ich werde die Würde und das Bli prerokative der grüne Krone zu verteidigen wissen.

00:33:43: Abel hatte den Eklat nicht verhindert.

00:33:46: Am fünften Dezember einundvierzig hielt Ludwig ihm eine Standpauge und versicherte ihm in kirchlichen Fragen kein Vertrauen mehr in ihn zu setzen.

00:33:55: Doch es war Ludwig, der dies alles duldete und beförderte.

00:33:59: Abl lieferte nur die Vorlagen.

00:34:01: Es ist daher zu fragen, warum sich Ludwig auf diesen neuen Kurs einließ.

00:34:06: Dafür ist ein Blick auf den Wandel der inneren Positionierungen sowie wie auf mögliche Einflüsse seiner Umgebung nötig.

00:34:13: Religion und Zittlichkeit galten Ludwig als Grundlage seines christlichen Staates und das monarchische Prinzip lebte insgesamt von der Synthese aus Thron und Altar.

00:34:23: Ludwig fürchtete jedoch Bigotterie und er sagte immer wieder die Bayern sollten nicht zur Kopf hängern werden bei aller Sittlichkeit, also man soll trotzdem mutig vorangehen.

00:34:34: Und er fürchtete auch die Einmischung der Kirche und des Kleros in die Staatsgeschäfte.

00:34:39: Gemäß dem Religionsendikt sah er sich als Haupt der katholischen Kirche Bayerns mit weitreichenden Rechten bei der Bischofseinsetzung.

00:34:47: Die Ultramontane Partei, also die auf den Papst ausgerichtete Partei Der Abel-Nahestand war hingegen sehr auf den Paps und Rom bezogen was nicht zu Ludwigs landeskrieglichen Vorstellungen passte.

00:34:59: Doch war er aber ein gutes Verhältnis zu dem jeweiligen Papst bemüht, den er als Haupt der Christenheit verehrte.

00:35:05: Für Ludwig stand die katholische Kirche im Mittelpunkt seiner Welt.

00:35:09: Die Protestanten duldete er wie er es in einer Verfassung beschworen hatte.

00:35:12: Immerhin war er seine Frau-Protestantin Seine Mutter war Protestantin gewesen Auch seine Kinderfrau war protestantin.

00:35:19: Also er hatte eigentlich guten Grund auch eine Beziehung zum protestantischen Welt zu haben Aber das verschob sich immer mehr in dieser Zeit.

00:35:29: Gegenüber den Orden waren seine Sympathien ungleich verteilt.

00:35:33: Von Jugend an fürchtete er die Jesuiten, Abel schloss sich jedoch einer Gruppe an, die achtzehnneununddreißig für der Wiederzulassung der Jesuiten agitierte was Ludwig aber konstant ablehnte.

00:35:44: Die Benediktiner hingegen liebte er wie er bei einem Besuch in Kremsmund nieder schrieb.

00:35:51: Heiterer Sinn bei dem Benediktina Sie sehen allem ins Gesicht!

00:35:55: Die Jesüten gegen den Boden sind ernst Nicht als für alle gelten, soll dieses gesagt sein.

00:36:03: Es fehlte in den religiösen Belangen nicht an Konfliktfeldern.

00:36:06: Insgesamt hatte Ludwig stets die Wahrung seiner Kronrechte im Blick.

00:36:10: Die Geistlichen sahen sich immer wieder in ein Ludwigs Staatskirchensystem eingebunden.

00:36:14: Sie mussten bei ihm den Eid ablegen Rechenschaft ablegen Urlaub nachsuchen Alle diese Dinge wo er immer wieder klar machte ich bin der König und ich stehe über den Beziehungen zu rohen.

00:36:26: Nach der Berufung Abels von abel unterstützt und animiert für viele kirchliche Interessen ein, so auch über den Ludwig-Missionsverein für Missionen in Nordamerika.

00:36:42: Das Spektrum von Ludwigs Stiftungen für religiöse Zwecke ist enorm!

00:36:47: Er gab für persönliche Karitas oder nicht für religioses sondern auch für wohltätige Zwecke für Einfallstiftungen große Summen aus.

00:36:56: Da es sich um viele kleine Unterstützung in Notfällen handelte, bedeutete das auch einen großen Arbeitsaufwand und zeigt dass dieser Kunstkönig keineswegs die Sorgen und Nöte der einfachen Leute aus dem Blick verloren hatte.

00:37:08: Für die Behandlung gemischt konfessioneller Ehen erreichte Ludwig XVIIIIV in Bayern eine Lösung.

00:37:14: Immerhin war er mit einer Protestantin verheiratet und die Defamierung von Kindern aus gemisht konfissionellen Ehen als Bastarde – wofür auch die Presse animiert von einigen der bayerischen Propagandisten eintrat, traf auch ihn selbst.

00:37:33: In den Kölner Wirren erwarb sich Ludwig Große für Dienste als Vermittler.

00:37:37: Das waren die Aktionen, wo im Protestantischen Preußen siebenunddreißig zum Eklat kam.

00:37:43: Als der Erzbischof von Köln erklärte er akzeptiere die Staatsgewalt nur in weltlichen aber nicht als Instanz in den kirchlichen Fragen.

00:37:51: Erzbushof Clemens August Roste zur Fischering griff auch in die universitäre Lehre ein und positionierte sich gegen die preußischen Verordnungen zu Kindererziehung in gemischt konfessionellen Ehnen.

00:38:02: Der präussische König Friedrich Wilhelm III.

00:38:05: ließ den Erzbischof daher im November, in seinem Bistum verhaften und ins Gefängnis bringen.

00:38:11: Dies löste große Unruhe im katholischen Deutschland aus.

00:38:14: Der Abel gewann Ludwig für die Kirchenoffizielle Position und er gab für die Berichterstattung die Pressezensur frei, die ja inzwischen seit den achtzehnunddreißiger Jahren eingeschränkt war.

00:38:27: Ein Fach in München, darauf vor allem Josef Göris im Januar, mit seiner Streitschrift Atenasius.

00:38:35: Eine polemische Diskussion und auch andere Publikationsorgane fuhren einen Scharf an die Preußischen Kurs.

00:38:42: Preußen beschwerte sich beim Bundestag über Bayern.

00:38:45: erst als in Preußen dann, Lutwig Schwager, Friedrich Willem

00:38:50: IV.,

00:38:50: auf den Thron kam konnte hier ein Vernehmung erreicht werden.

00:38:54: Vor allem der sogenannte Kniebeuge-Erlast von eighteen achtunddreißig führte zu großer Aufregung.

00:39:00: Vor achtzendseinunddreißig und damit vor der Installierung Abels als Innenminister hatte es keine derartigen Konflikte gegeben.

00:39:07: Nun signierte Ludwig Anfang Juli, achtzehnachtent dreißig.

00:39:11: bei den katholischen Militärgottesdiensten sollten Soldaten vor dem Allerheiligsten niederknähen.

00:39:16: Das war ja eigentlich noch kein Problem weil in katholischen Gottesdienst natürlich auch nur katholsche Militäre angehörigte waren.

00:39:23: Doch am vierzehnten August, also einen Monat später wurde das dann so weitergegeben.

00:39:29: Das gelte nicht nur für Gottesdienste sondern auch bei der Frohn-Leichnahmsprozession und auf der Wache.

00:39:33: Und damit betraf es jetzt auch protestantische Militärangehörige.

00:39:38: Für die dass eine Provokation war galt doch für Protestanten das Niedergrin vor der Monstranz als gottlose Anbetung.

00:39:45: Die Linienoffiziere blieben hier weitgehend indifferent, doch die protestantischen Landwehroffiziere in Regensburg und Augsburg protestierten – und ersuchten darum davon entbunden zu werden.

00:39:56: Der König lehnte dies ab!

00:39:58: Diese Kniebeugefrage empörte die nächsten Jahre weiterhin die evangelische Öffentlichkeit.

00:40:04: Erst in den letzten Jahren wurde der Erlass aufgehoben.

00:40:07: Es lässt sich an diesem Beispiel zeigen, wie Abel dem König nicht abriedt sondern ihn bestärkte.

00:40:14: Wie er als Oberzensor dafür sorgte das Kritik am Erlass in der Presse nicht erwähnt und auch nicht den evangelischen Generalsyndoten beraten werden durfte.

00:40:23: Die Diskussion um den Erlass schadete Ludwigs Ansehen im protestantischen Deutschland sehr.

00:40:29: Was an dem katholisch-ultramentanen Kurs Ludwicks eigenen Ideen entsprach Und zu was ihm Abl riet ist nicht genau auszumachen.

00:40:37: Abel verstand es offenbar, Ludwig argumentativ auf bestimmte Themen einzustimmen und dessen Entscheidungen dann diese Kniebeuge erlassen so konsequent durchzuführen dass er damit große Irritationen auslöste.

00:40:49: Abels Bedeutung als Meisterjurist wird vor allem von Heinz Goldwitzer gelobt der die Ludwig Biografie von neunzehnhundertsechsten achtzig geschrieben hat aber eben auch ein Buch über Karl van Abel und der auch für diesen Begriff Die Ära-Abelprägte.

00:41:05: Ludwig ärgerte sich nach seiner Thronentsagung immer wieder darüber, wenn jemand von der Regierungszeit Abels sprach.

00:41:12: Abel habe nie regiert!

00:41:14: Golvices Kritik an Ludwigs Weg selbst zu regieren, sein eigener Ministerpräsidenten zu sein geht davon aus ein Mann wie Abl wäre wohl ein sehr viel besserer Regent gewesen und hätte diese Position auch unter einem schwächeren König erhalten.

00:41:29: Dies erscheint mit Blick auf Abel überraschend.

00:41:32: Bedenkt man, wie sehr Abels Positionierungen den König in den Achtzehn-Vierzigerjahren schwerster Kritik aussetzten?

00:41:38: Dazu gehört auch das Verbot des evangelischen Gustav Adolf Vereins zur Förderung evangelischer Gemeindearbeit im Februar achtzehntviertzig zu dem Abel Ludwig nachdrücklich rät.

00:41:50: Ludwig behauptete nach Informationen Abels der Verein Arbeite gegen Deutschlandseinigkeit Ludwig Schwager, der preußische Königschrieb im Achtzehnvierundvierzig.

00:42:00: Du hast keinen Begriff davon wie in diesen Zonen deine Gesinnungen gegen die Evangelischen verdächtigt werden?

00:42:07: In welch furchtbaren Verruf Herrn Abels verwaltungsgrundsätze hier stehen!

00:42:11: Das ungescheute Walten der demagogisch-katholischen Presse – das Terrangewinnen der Ultramontanen,

00:42:18: d.h.,

00:42:18: der undeutschen katholischer Partei trübte seitdem das schöne Bild.

00:42:23: Du weißt nur zu gut, welchen Staub die Kniebeugung und das Verbot des Gustav Adolf Vereins aufgerührt haben.

00:42:29: Jetzt ist die Aufregung der evangelischen In- und Außerbayerns erschrecklich und tief

00:42:34: betrübend.".

00:42:37: Es regierte im Bayerner König – dadurch stand auch er in der Kritik!

00:42:41: Doch sein Berater Abel befeuerte als Anführer der Ultramontanen die königlichen Aktionen.

00:42:48: Ludwig begab sich damit auf einen gefährlichen Weg der konfessionellen Spaltung seines Landes.

00:42:53: Eben diese Gegensätze hatte das Reformwerk von Mojila zu über Brücken versucht.

00:42:59: Es ging um erneute konfessionelle Trennung in den Schulen und sogar einen Haftanstalten.

00:43:04: Ludwig stellte sich gegen protestantische Gemeindegründungen im katholischen Gebieten wie Niederbayern.

00:43:10: In einem wusste sich der König seit dem Umschwung seiner Politik, XVIII-XVIII.

00:43:14: mit dem Klerus einig es ging um die Abwehr liberaler Zeitströmungen.

00:43:19: Bayern galt immer mehr als Hort des Katholizismus, Ludwig als dessen Garant.

00:43:24: Noch im Juni, abelt dem König.

00:43:28: Auch wird wohl einer katholischen Regierung selbst auf den politischen Standpunkt nicht veragt werden können wenn sie in den katholischen Elemente die einzige Bürgschaft für den Sieg des erhaltenen Prinzips und den einzigen Damm gegen zerstörerische Wogen des Radikalismus unter liberalem Ideen der jetzt Zeit erblickt.

00:43:49: Die Rettung aus dem Unheil der Gegenwart könne nur durch die katholische Kirche erfolgen, so Abel.

00:43:56: Man kann Abel – so ist dies zu resümieren – ebenso auch als Bösengeist dieser Jahre bezeichnen.

00:44:02: Als Abel, von Lutwig entlassen wurde, jubelten Ludwigs Kinder.

00:44:08: endlich sei Abel keins Bruder gestürzt!

00:44:12: Wenn Goldwitzer Ludwig in der Lola Monteszeit auf fatalem Kurs sieht, so lässt sich dies mit eben solcher Berechtigung für diese Jahre unter Innenminister Abel behaupten.

00:44:23: Vor diesem Hintergrund ist zu fragen ob Ludwigs zunächst ganz unpolitische Liaison zu der angeblichen spanischen Tänzerin Lola montes ohne katholische Skandalisierung überhaupt zu einer Staatsaffäre geworden wäre?

00:44:37: Bisher wird diese Geschichte meist so erzählt Der König habe mit der verrufenden Lola Montes eine Affäre begonnen, in die bayerische Staatsbürgerschaft und einen graven Titel versprochen.

00:44:46: Dem widersetzen sich die tapferen katholischen Minister, die daraufhin entlassen worden seien.

00:44:51: Und letztlich sei ja Ludwig Rücktritt ein Jahr später nur die konsequente Folge dieser Verirrung gewesen.

00:44:58: Lola montes, eine gebürtige Irin war am fünften Oktober, eighteen-sechsenvierzig nach München gekommen und trat nach einer Audienz beim König erst einmal im Hoftheater auf.

00:45:08: Die exotische Schönheit blieb sechzehn Monate in München und wurde immer mehr zur Projektionsfläche für Fremdenhass, Frauenfeindlichkeit und Sozialneid.

00:45:17: Die Bevorzugung der Tänzerin – die als Freigeist und abgesandeter Freimarer galt – wurde von der katholischen Seite als Bedrohung des religiösen Friedens- und der Machtstellung der Kirche gesehen.

00:45:29: Ludwig schätzte die Entschlossenheit der kartholischen Seite zum Machterhalt falsch ein!

00:45:34: Er konnte sich nicht vorstellen, dass sein Innenminister Abel im Verbund mit dem Regierungspräsidenten sowie wie den Münchner Polizeidirektor und in Absprache mit dem österreichischen Gesandten übrigens auch einem Konvertiten eine groß angelegte Intriege gegen diese neue Liebe spinnen.

00:45:50: Dass Pfarrer gegen sie predigen und katholische Adelige einen Balkott beschließen würden.

00:45:56: Doch so entwickelte sich aus seiner Verliebtheit eine Staatsaffäre und als im Februar, die Regierung stürzte ein international wahrgenommener Skandal.

00:46:07: Wobei man dazu hinzufügen muss, dass auch in England wurde das wunderbar kommentiert.

00:46:12: Also es hieß, daß der Bischof von Augsburg bittere Tränen vergieße über diese Verirrungen des Königs kommentierten, bissige Kommentare an den Morning Post, dass dann die englischen Bischöfe eigentlich Tag und Nacht nur weinen müssten vor dem Hintergrund der Verirronung des Englischen Königshauses.

00:46:31: Dass ja die Meere von Tränern überhaupt nicht mehr zu fassen sein würden!

00:46:37: Weitere Faktoren heizten die Kritik an.

00:46:40: Europa wurde in den Jahren aus der letzten großen vorindustriellen Hungerkrise heimgesucht.

00:46:47: Klimatisch bedingte Missernten führten zu Verteuerungen, so wie sie auch aus dem Ausbruch des Indonesischen Vulcans Tambora das Jahr ohne Sommer stattfand und große Hungersnöte stattfanden.

00:47:02: Im Frühjahr, in den meisten deutschen Ländern kam es zu Protestaktionen.

00:47:07: In Berlin wurden Bäckereien geplündert und in Stuttgart musste das Militärunruhen beenden.

00:47:12: Auch in Bayern gerieten Händler, Bäcker und Brauer in die Kritik.

00:47:16: Vor diesem Hintergrund lösten Gerüchte um die Gelder, die Ludwig an die Spanierinnen ausgab große Erbitterung aus.

00:47:24: Es trafen also mehrere Faktoren zusammen, die dann auch als Katalysatoren im Vorfeld der Revolution von achtundvierzig wirkten.

00:47:33: Lange verstand Ludwig nicht wieso seine Liebe zu Lola solche Wellen schlug.

00:47:37: Er versicherte den Bischöfen es handelte sich um eine platonische Beziehung was ich jetzt auch definitiv aus dem Tagebuch gut nachweisen konnte und er dachte gar nicht dran Lola politischen Einfluss zu geben.

00:47:48: Erst durch Abel und die katholische Partei wurde die Lola-Affäre öffentlich diskutiert, unskandalisiert.

00:47:55: Lola trug in den Folgemonaten dann kräftig dazu bei, den Skandal zu befeuern der im Februar, aus München endete.

00:48:04: Es traf zutiefst Ludwigs Königssinn wie er das nannte dass er sie nicht schützen konnte.

00:48:10: Er war verletzt und ging wie betäubt durch die nächsten Wochen.

00:48:14: Anfang März sprang dann der Funke, die erneuten Revolution aus Frankreich auf Bayern über und der König sah sich am sechsten März gezwungen den Merzforderungen zuzustimmen.

00:48:26: Zwei Wochen später trat er aus eigener Entscheidung zurück.

00:48:29: in seinen Abschiedsworten an das bayerische Volk heißt es auch vom Throne herabgestiegen schlägt glühend mein Herz für Bayern, für Deutschland.

00:48:39: Dass sich, dass private Drama seine Liebe zu Solola Montes mit ihrer Vertreibung aus München und das politische Drama der Märzrevolution so verdichteten, dass sich dieser große König dem Druck von außen und innen nicht mehr gewachsen sah und zurück trat war für ihn zunächst eine Erleichterung.

00:48:58: Der jedoch lebenslanges Bedauern folgte.

00:49:01: Der Rücktritt wurde als Blaupause des Klischees vom König und der Tänzerin immer wieder aufgegriffen, und verdunkelt Ludwigs Lebensleistung bis heute.

00:49:12: Ludwig lebte nach seinem Rücktritten noch zwanzig Jahre als König ohne Regierungsaufgaben, ohne offizielle Macht- und Herrscherkompetenzen.

00:49:20: Der leidenschaftliche Alleinhärscher, der zwei Dutzend Jahre in Bayern alles bestimmt hatte, musste sich neu erfinden!

00:49:27: Der Blick auf seinen Umgang mit dieser neuen Lebenssituation, die er zwar selbst herbeigeführt hatte, die ihm aber ungemein viel abverlangte, zeigt seine innere Ressourcen.

00:49:37: Seine persönliche Krise nach dem Rücktritt dauerte noch bis eighteenfünfzig.

00:49:42: Solange brauchte er um seine tiefe Liebe zu Lola Montes überwinden.

00:49:46: Dann begann er sich in seinem neuen Leben besser einzurichten.

00:49:50: Er sagte bei seinem Rücktritten sei er nicht bei Gott gewesen Aber inzwischen sei er wieder mit Gott versöhnt.

00:49:56: Ludwig trafen in diesen Jahren viele Schicksalsschläge.

00:49:59: Diese reichten von der erzwungenen privaten Rückzahlung seines an Griechenland gegebenen Darlehens über den Tod seiner Schwester Auguste, achtzehn-einundfünfzig und seiner Frau Therese an der Kolara aachzehntvierendfünftig bis zum Tod vier seiner Kinder.

00:50:14: Eine letzte große Liebe zu legalisieren gelang ihm nicht.

00:50:18: Die über fünfzig Jahre jüngere Carlotta von Breitbach Bürgsheim lehnte seinen Heilratsantrag achtundsechzeig endgültig ab.

00:50:26: Ludwig fand jedoch auch durch seinen Glauben immer wieder Wege nicht zu verbittern, unabänderliches zu akzeptieren und sich seelisch wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

00:50:35: Auch als König außer Dienst blieb ein wichtiger politischer Gesprächspartner der Minister und der Gesamten.

00:50:41: dies umso mehr als bald die schwierige Persönlichkeit des neuen Bayerischen Königs Max II deutlich wurde.

00:50:48: Immer wieder gab es Initiativen vielleicht doch den Ludwig zurückzuholen auf den Thron.

00:50:54: Ludwig war ein zutiefst politischer Mensch, doch seine Gestaltungsmöglichkeiten hatten sich grundlegend verändert.

00:51:00: Aus dem machtvollen Alleinherrscher wurde ein älter Statement geworden, den er noch beraten und indirekt Einfluss nehmen konnte.

00:51:06: In der Krise des Jahres, die seinen unerfahrenen Enkel Ludwig II völlig überforderte, wurde er neu politisch aktiv.

00:51:16: In ihren Jahren nach seinem Thronverzicht konnte Ludwig in mancher Hinsicht die Ernte seiner Kunstpolitik einfahren.

00:51:22: Bereits im Oktober eighteenhundertfünfzig wurde die Aufstellung der Bavaria auf der Theresienhöhe zu einem großen Hüldigungsfest für Ludwig.

00:51:29: Es wäre gleichzeitig sein Silbernistroniobeläum gewesen, auch bei anderen Gelegenheiten feierten ihn die Künstler.

00:51:36: Da solche Feste im öffentlichen Raum und unter Beteiligung großer Beteilligungen der Öffentlichkeit stattfanden waren sie keineswegs Privat genauso wenig wie Ludwigs Bauten und seine Kunstförderung privat waren, sondern Teil seiner Politik mit Hilfe von Kunst.

00:51:52: Als Kunstkönig war Ludwig also weiterhin im Dienst – auch wenn er als politischer Herrscher abgedankt hatte.

00:51:59: Abschließend möchte ich nur noch den Bogen zum Anfang schlagen!

00:52:02: Über die vielen überlieferten Ego-Dokumente treten wir an diesen Ludwiks sehr nah heran.

00:52:08: Ein politisch handelnder König wird zum liebenden, bedrängten planenden, träumenden Menschen.

00:52:14: Er selbst hat alle diese sehr persönlichen und intimen Dokumente bewusst überliefert und damit den Blick auf diese Facetten seiner Person ermöglicht.

00:52:23: Diesen enormen Kosmos zu durchschreiten war für mich höchst aufregend – und ob ich tatsächlich zu einer ordentlich distanzierten Beobachterin geworden bin, möchte ich bezweifeln!

00:52:33: Ich nütze jedoch die Chance, Ihnen diesen anderen Ludwig vorzustellen der dieses Bayern geprägt hat wie kaum ein Zweiter.

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