Gespräch zum Thema 'Das Buch für alle Lebenslagen? Biblische Theologie heute'

Shownotes

Unser Video dokumentiert den Abendteil eines Studiennachmittags zur Biblischen Theologie in der Katholischen Akademie in Bayern am 16. Juni 2026. Den Auftakt bildet ein Plädoyer des Zürcher Neutestamentlers Prof. Dr. Jörg Frey für die Biblische Theologie in zwölf Thesen. Darauf folgt eine Response von Prof.in Dr. Irmtraud Fischer, die das Thema aus alttestamentlicher Perspektive aufnimmt und weiterführt. Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Das Buch für alle Lebenslagen?“, moderiert von Prof. Dr. Johannes Elberskirch.

Dem Abendprogramm gingen drei Workshops zu aktuellen Fragen biblischer Auslegung voraus:
• Prof. Dr. Andreas Schüle: Das „überholte“ Testament? – Warum Christ:innen die ganze Bibel brauchen
• Prof.in Dr. Irmtraud Fischer: Mit ihren Augen – Weibliche Bibellektüre in Geschichte und Gegenwart
• Prof.in Dr. Dorothea Sattler: „Macht euch die Erde untertan“? – Schöpfungstheologie im Zeitalter der Klimakrise

Die Veranstaltung geht der Frage nach, wie biblische Texte heute gelesen und verstanden werden können und welchen Beitrag sie zur Orientierung in den Herausforderungen der Gegenwart leisten.

Mitwirkende:
Prof. Dr. Jörg Frey
Prof.in Dr. Irmtraud Fischer
Prof. Dr. Johannes Elberskirch (Moderation)

Transkript anzeigen

00:00:03: Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie ganz herzlich zu dieser Abenddiskussion.

00:00:09: Zu dem einleitenden Vortrag von Jörg Frey und der anschließenden Abenddiskursionen.

00:00:13: Mein Name ist Johannes Elverskirch.

00:00:15: Ich bin Professor für Dogmatik- und Dokmengeschichte an der Universität Regensburg, an der dortigen Fakultät für katholische Theologie.

00:00:22: Und ich freue mich ganz besonders auf diesen Abend, weil heute darf den Exegeten und Exegäten zuhören, und muss keine Fragen dazu beantworten.

00:00:31: Normalerweise heißt es – und jetzt Ihr großen Dogmatiker!

00:00:34: Was macht ihr jetzt damit?

00:00:35: Wahrscheinlich wieder nichts.

00:00:39: Und heute kann ich einfach nur sagen ja was sollen wir denn machen?

00:00:44: sagt uns doch was ein guter Weg sind.

00:00:47: Ich habe dazu ganz großartige Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner bekommen und da freue Bevor ich Jörg Frey das Wort gebe, für seinen einleitenden Vortrag Frau Irmthard Fischer kann es vorstellen mit der wir dann diskutieren darf oder mit der Jörgg Frey dann diskutiert haben.

00:01:07: Sie sind aus dem schönen Bad Aussee heute zu uns gekommen und aus dem Salzkammergut und das freut uns dass sie den Weg nach München trotz aller Bahnschwierigkeiten da kann man ja keinen Witz mehr machen das ist einfach nur noch tragisch zu uns.

00:01:24: Frau Fischer war von nineteenhunderts, siebenundneunzig bis zwei tausendvier Professorin für Alters Testament und Frauenforschung in Bonn.

00:01:31: Seit zwei Tausend vier bis zweitausendzweiundzwanzig Professoren für alttestamentliche Wissenschaft an der katholischen Theologischen Fakultät den Graz.

00:01:39: Und seit zweitausend zwanzig dort im Graz am Institut für Antike angesiedelt weil sie ein großes Forschungsprojekt gemeinsam mit dem Max Weber Kollege in Erfurt betreuen darf.

00:01:53: Ganz besonders wichtig für uns heute ist, oder was sie besonders auszeichnet, ihr viersprachiges Enzyklopädie-Projekt.

00:02:01: Dass Sie seit Jahrzehntausend sechs verfolgt hat und ich glaube das jetzt zum Abschluss gekommen ist.

00:02:06: Herzlichen Glückwunsch dazu.

00:02:09: unter dem Titel Die Bibel und die Frauen.

00:02:12: Jagd Freig!

00:02:13: Stammt aus dem Schwäbischen.

00:02:15: Er wurde in deihthundert und neunzig Professor für Neuestestament in Jena, neunzeinundneinzig bis zweitausendzehn war Professor für neues Testament und Antiges Judentum hier an der LMU in München und dann etwas für einen Bayern völlig Unverständliches hatte die Landeshauptstadt verlassen.

00:02:31: das muss also wird einfach nicht einsichtig.

00:02:35: Solange man da werden die Biografen daran zu knabbern haben, dass du dann von Jahrzehnte bis heute in die Schweiz gegangen bist an den schönen Zürichsee das muss man doch neidvoll anerkennen, dass es schon sehr schön ist.

00:02:49: und dort bist du Professor für Neutestamentliche Wissenschaft mit den Schwerpunkten Antiges Judentum und Hermeneutik an der Universität in Zürch Und vielleicht zu seinem Forschungsschwerpunkt ist, mit einem biblischen Wort zu sagen.

00:03:02: Sein Name ist Johannes, denke ich.

00:03:04: Er ist der Experte für Johannes und ist da in einem großen Forschungsprojekt zur Johannes-Rezeption bis ins Mittelalter und darüber hinaus tätig.

00:03:14: und was uns da alles erwarten wird.

00:03:16: Darauf freuen wir uns!

00:03:17: Aber heute freuen wir ganz herzlich über deine Ausführungen zur biblischem Theologie.

00:03:22: Du hast das Wort.

00:03:25: Vielen Dank lieber Johannes.

00:03:27: freundliche Einführung, liebe Kolleginnen und Kollegen meine Damen und Herren hier im Saal und auch online.

00:03:36: Hier ist es das neue Jahrbuch für biblische Theologie Band vierzig mit dem Titel Biblische theologie heute.

00:03:46: Frisch vor wenigen Tagen aus der Druckerpresse gekommen Und ein vierzigster Geburtstag ist ja bekanntlich ein Orientierungspunkt, manchmal auch ein Phänomen der Midlife Crisis.

00:03:57: Wo stehe ich?

00:03:58: Was will Ich?

00:03:59: Was habe ich noch zu erwarten?

00:04:00: Welche Schritte sind jetzt dran?

00:04:03: Vor vierzig Jahren wurde das Jahrbuch gegründet.

00:04:05: die Gründungsväter waren Bernd Janowski und Michael Wälcker, der hier ist Ein Alttestamenter und ein Systematiker zusammen mit dem damaligen Leiter des Neukirchner Verlags.

00:04:16: aus dem damals in der Tat protestantischen Impuls sollte bald ein ökumenischer Kreis werden, der das Jahrbuch bis heute verantwortet.

00:04:25: Vor vierzig Jahren als ich im Tübingen studierte wurde biblische Theologie gerade dort heftig diskutiert.

00:04:32: Gesamtbibliche Theologie sagte man auch – denn darum ging es in den Diskussionen – wie können wir die ganze Bibel altes und neues Testament im gegenseitiger Bezogenheit, in ihrer Gesamtheit als Grundlage christlicher Theologie lesen- und fruchtbar machen.

00:04:50: Dürfen wir das so?

00:04:52: Ohne das neue einzuebenen

00:04:55: oder

00:04:56: müssen wir geradezu biblische Theologie betreiben weil wir eben die eine Bibel als nur neuen Testaments haben!

00:05:04: In heutigen Wissenschaftlichen Diskursen wird nur noch selten von biblischer Theologie geredet.

00:05:10: Neue Theologien des alten und neuen Testaments kommen ohne Biblisch aus, die Welle gesamtbiblicher Theologie scheint ihren Zenit überwunden überschritten zu haben.

00:05:20: der Begriff klingt etwas antiquiert und für manche liberale Theologen riecht er nach unangenehmen Verbindlichkeitsansprüchen, die man sich besser vom Leib hält.

00:05:32: In einem eben erschienenen Büchlein formuliert ein protestantischer Ethiker geradezu, der Rekurs auf die Bibel in ethischen Fragen sei gefährlich und besser zu meiden.

00:05:41: Kommen wir jetzt nur nicht mit der Bibel?

00:05:43: Und ob sich die Kirche noch um die Bibelscherd oder eher an Machterhalt Medienpräsenz- und modischen Diskursen interessiert ist, ist wenn ich meine evangelische Kirche ansehe zumindest eine offene

00:05:55: Frage.".

00:05:57: Als Bibelwissenschaftler stehe ich dafür ein, dass die Bibel mehr zu sagen hat.

00:06:02: Ein Buch für alle Lebenslagen!

00:06:04: Ein Buch das allen problematisch gebraucht zum Trotz für existenzielle Fragen unserer Zeit wichtige und lebensfördernde Impulse bereitet.

00:06:13: Darüber wurde heute in verschiedenen Seminaren schon gesprochen und als Jahrbuch bietet – ich habe hier das Teil aus dem Inhaltsverzeichnis da – Dialoge zwischen Biblikern anderen Spezialisten zu fragen, wie gerade in ethischen Fragen mit der Bibel umgegangen werden kann.

00:06:30: Wie im Umgang mit Leiden oder der eigenen Endlichkeit biblische Texte lebensfördernd sind, Spiritualität anregen oder in apokalyptischen Zeiten Hoffnung begründen können?

00:06:45: Gleichwohl stelle ich mir als Neutestamentler auch kritische Fragen.

00:06:49: Vermitteln

00:06:49: wir die Prisanz und die Relevanz der Texte

00:06:52: auch

00:06:52: klar und verständlich Oder bleiben wir in unseren Diskussionen schön unter uns?

00:06:58: Und gerade wenn ein bisschen die aktuelle Weltpolitik hinein Bibel zitiert wird, um Menschen auszugrenzen und Kriege zu begründen oder um das Gebot der Liebe auf das eigene Volk einzuschränken.

00:07:10: Dann ist eine starke Stimme gefragt, die die Texte zur Geltung bringt auch in ihrem machtkritischen Potenzial, ihrem theologischen Anspruch ohne sie nur in vornehmer historischer Distanz zu behandeln.

00:07:26: Ich möchte kurz etwas zur Geschichte und zur Diskussion um biblische Theologie sagen, und dann mein Plädoyer für eine biblischen Theologie heute ins Wölftesen präsentieren.

00:07:37: Man könnte ja meinen Biblische theologie wäre ein ganz protestantisches Unternehmen weil hier die Bibel traditionell als Norm des Glaubens bestimmt wird Und die Exegeten ja auch nicht selten als quasi-Päpste bestimmen wollten, was den gelten darf und was nicht.

00:07:55: Das stimmt aber nicht!

00:07:57: Dass die Bibel alten und neuen Testaments zusammenzulesen ist haben schon die frühen Kirchenschriftsteller ein Irenaeus im zweiten Jahrhundert ganz deutlich gemacht und mittelartliche Ausleger, Reformatoren waren allesamt gesamtbiblische Theologen die das Zeugnis der ganzen Schrift in ihrer Zeit verantworten.

00:08:21: Erst in der Neuzeit kam es zur Emanzipation der Bibelischen von der dogmatischen Theologie, nicht einfach alles nur in Lothier einordnen sondern die biblischen Aussagen separat zu lesen.

00:08:35: Es kam auch zur Ausdifferenzierung der Fächer von Altem und Neuem Testament Und auch innerhalb dieser Testamente wurde zwischen unterschiedlichen Leerbegriffen, Unterschieden einem Juden christlich und einen Paulinischen usw.

00:08:50: Das mit jeder Exegeten bis heute ist kritische Differenzierung.

00:08:56: das Zusammendenken größerer Zusammenhänge ist immer leicht angreifbar und unserem Verdacht es könnte ein bisschen unterkomplex sein.

00:09:06: Vor allem im neunzehnten Jahrhundert kam es an dem Zuge der am religiösen Subjektorientierten Theologie Friedrich Schleiermacher zu einer starken Abwertung des alten Testament hinsichtlich seiner Bedeutung für die Kirche.

00:09:18: Und im Zuge religionsgeschichtlicher Forschungen wurde dann auch das neue Testament zunehmend nicht mehr auf den Hintergrund des Alten, sondern aus einem Paganen Hellenismus oder als eine vermeintlich vorgristlichen Gnosis

00:09:32: erklärt.".

00:09:33: Schließlich kam es vor allem in der NS-Zeit zum ideologisch motivierten Kampf gegen alles Jüdische, indem das alte Testament und sein Gebrauch in der evangelischen Kirche verfehm wurde bis hin zur Verbreitung von gekürzten und verfälschenden Bibelausgaben.

00:09:52: Die Frage nach biblischer Theologie entstand aus dem Erschrecken über die Shoah und über die Mitschul der Theologie an Judenhass- und Judenvernichtung durch Wissenschaftler aus der Tradition der bekannten Kirche, insbesondere Gerhard von Rath.

00:10:07: Danach als junger Dozent in Jena von den deutschen Christen, die dort herrschten, ausgegrenzt worden war und begann die Bedeutung des alten Testament für Kirche und Theologie zu verteidigen.

00:10:18: In seiner großen Theologie des alten Testaments, in der dieses Neu als Geschichtswerk erschlossen wurde spricht er am Ende im Schlusskapitel als Fernziel von einer biblischen Theologie, in der die Dualität von Altem und Neuem Testament überwunden wäre.

00:10:38: Von Rad wollte nicht das alte Testament christlich vereinnahmen – er war streng am damaligen Stand kritischer Analyse orientiert.

00:10:46: Dennoch war es sein Ziel, die Texte auch nicht nur in der Religionsgeschichte zu belassen sondern in ihrer Bedeutung für den christlichen Glauben aufzuzeigen!

00:10:55: Er wollte die Aussagen des alten Testaments nicht in ein System von leeren Fassen, sondern dieses als lebendige auf Geschichte bezogene Überlieferung verstehen.

00:11:05: In der es stets neue Brüche und Aufbrüche gab, in denen das alte selektiv rezipiert und immer wieder neu vergegenwärtigt wurde, sodass das alte Testament als ein auf Zukunft ja vielleicht die neutestamentliche Rezeption hin offenes Buch

00:11:21: erschien.".

00:11:23: Das ist natürlich eine christliche Lektüre, was denn sonst?

00:11:27: Aber im Vergleich zu seinen Vorgängern konnte von Rat den Gehalt des alten Testaments doch sehr viel eigenständiger und positiver präsentieren.

00:11:35: Natürlich gab es heftige Kritik.

00:11:37: Manche Topoi waren in seinem Entwurf unterbelichtet.

00:11:41: die Rede von Schöpfung- und Weltordnung oder auch Weisheit mit Apokalyptik kamen nicht so gut bei ihm unter.

00:11:48: Kritiker beumängelten, dass er sich zu sehr an der charigmatischen Geschichte, an der biblischen Darstellung orientierte statt an der realen Geschichte.

00:11:58: Und natürlich war der Ansatz bei der Geschichte für alle jene ein No-Go die im Horizont der damals modischen Exzenzialtheologie die Geschichte als Kategorie überhaupt ablehnten und den Blick auf eine Ereignis oder Geheilsgeschichte verfehlt hielten.

00:12:17: Da die seinerzeit unter den Neutestamentlern in Deutschland die Mehrheitsmeinung war, fand von Ratsentwurf gerade bei den Neu-Testermentlern seinerzeit Kaubresonanz.

00:12:28: Erst als die Wiederentdeckung der Geschichte unter dem Motto Offenbarung als Geschichte unter jungen systematischen Theologen wie Wolfer Pannenberg eine neue Orientierung ausgelöst hatte und die Überzeugungskraft der exzenzialen Theologie Bultmanns im Schwinden war da konnte die Frage nach biblischer Theologie neu und breiter rezipiert werden.

00:12:48: Ab den neunzehnten Seventiger Jahren wanderte die Diskussion nach Tübingen, wo Habmut Gese als alttestamentler programmatisch Konturen einer biblischen Theologie entwickelte und dann auch ein Neutestamentlicher Partner Peter Stuhlmacher die Impulse aufnahm.

00:13:04: Ich habe kein Bild von Gese im Internet gefunden – ganz erstaunlich!

00:13:08: Er ist sozusagen der Bildlosigkeit komplett verschrieben.

00:13:14: Stuhlmacher hat dann eine biblische Theologie des Neue Testaments publiziert.

00:13:18: Bei Gese waren

00:13:19: es viele

00:13:20: Einzelaufsätze.

00:13:22: Gese, einer meiner akademischen Lehrer, hat die geschichtsbezogenheit der Alttestamentienverkündigung nicht zum Ausgangspunkt genommen weil diese nicht erweisbar sei ist das wirklich auf Geschichte bezogen?

00:13:37: sondern er nennt die Darstellung in der Traditionsbildung zum Ausgangspunkt Die Offenbarung liege in diesem Traditionsprozess nicht den einzelnen Stufen oder Aussagen, auch nicht in einem dahinterstehenden Absoluten.

00:13:50: Die Offennbarung ist ein Prozess, ein ontologischer Prozess wie er sagte indem sich Seinsaufweitungen sukzessive ergeben und er meinte dieser Prozess sei im Neutestermännlichen Christusgeschehen sozusagen abgeschlossen.

00:14:08: Dabei sind schon zwei Punkte problematisch Zum einen, die bei Geshe nie wirklich reflektierte philosophische Theologie, Thermologie und theologische Seinsaufweitung usw.

00:14:20: Und zum anderen, dass das alte Testament letztlich durch das neue abgeschlossen werde – durch das Christusgeschehen.

00:14:28: Dies wird sicher der Komplexität der kanonischen Prozesse nicht gerecht.

00:14:33: Geses erhellende Beiträge – ich habe auch viel von ihm gelernt – blieb in der Aufnahme der Texte des alten Tests wieder vielfältigen Texte, oft recht selektiv und oft scheint auch die Zielperspektive zu klarer und zu monolithisch im Blick auf das denneute zumindest in Aussagen hinzulaufen.

00:14:54: Und es ist eben doch klar der Sinn dieser Aussagen ergibt sich nicht einfach aus der Tradition Ihren Linienführungen.

00:15:01: Doch ungeachtet dieser kritischen Fragen hat Gese anhand thematischer Durchgänge zum Verständnis des Todes, des Gesetzes der Söhne.

00:15:10: Der Messias-Tradition zum Johannesprolog ganz viele Schneißen zum Verständnis der Zusammenhänge

00:15:16: eröffnet.".

00:15:18: Dies wurde umgekehrt von neu testamentlicher Seite von Peter Stuhlmacher aufgenommen.

00:15:24: Seine biblische Theologie des neuen Testament setzt voraus dass die neut testamentlichen Texte selbst alle durch das zeigentliche Judentum vermittelt an Schriften würzeln also eine biblisch Rückorientierung zum Alten Testament selbst fördern.

00:15:40: Aufgenommen ist dabei weniger der hebräische Text, sondern die Septuaginta mit ihren deutorkanonischen Apokrüfen schriften.

00:15:50: Stuhlmacher gründet seine Interpretation dabei auf eine recht konservative Rekonstruktion der Verkündung Jesu und die Annahme einer Kontinuität zwischen Jesus, der Urgemeinde und der Paulinischen Wirksamkeit.

00:16:04: Das hat natürlich bei vielen Widerspruch hervorgerufen, ebenso auch seine Hermeneutik die der älteren historischen Kritik gegenüber recht skeptisch ist.

00:16:15: Klar ist, Kritik ist auch gegenüber manchen Texten unumgänglich.

00:16:20: es gibt grausige Texte auch in der Bibel.

00:16:24: Einverständnis wie Stuhlmacheres formulierte als Prinzip wäre problematisch aber das Anliegen bleibt bestehen.

00:16:32: Auch wenn uns manche Denkweisen der Bibel heute fremd erscheinen, sollten wir erst versuchen sie zu verstehen bevor er sich schnell als überholt oder unverständlich verabschieden.

00:16:44: Und auch wenn ein solcher Entwurf wie der von Stuhlmacher in vielen Einzelentscheidungen kritisierbar ist, Aufgabe, die disparaten Dinge zusammenzudenken mit einer gewissen Notwendigkeit gestellt.

00:16:59: Eine solche Synthese setzt dabei natürlich theologische Stellungnahme voraus und es wäre fatal wenn man als wissenschaftlich nur die analytische Differenzierung und die Deconstruktion anerkennen würde oder die theologischen Einordnung als dogmatisch verwerfen würde.

00:17:21: Auf dem Höhepunkt der Diskussion um Gesie und Stuhlmacher wurde das Jahrbuch gegründet.

00:17:26: Das Tübinger Programm war in der Tat, in den Achtzig- und Neunzigerjahren eines der strittigsten Felder der deutschsprachigen Theologie.

00:17:34: Das Jahrbuch hat viele dieser Detailfragen aufgenommen – Frage der Einheit und Selbigkeit des Gottes der ganzen Bibel, des Verständnisses von Gesetz und Torah, von Messianismus und Christologie, das Verständnis des Todes Jesu oder der Bedeutung des Kanuns.

00:17:49: Doch weiteten sich im Laufe der Zeit die Kreise.

00:17:53: Anders als in früheren Entwürfen wurde nun das antike Judentum von allen Seiten mit bedacht, notwendigerweise und die Komplexität der Kanunfragen war angesichts der Puppe Funde aus Kumran nicht mehr zu bestreiten.

00:18:08: Strittig blieben religionsgeschichtliche Gewichtungen ob wenn Paulus von Eurangelion spricht oder die Aussagen über den Tod Jesu, die stellvertretende Lebenshingabe Ob das wirklich aus dem alten Testament abzuleiten ist oder nicht auch, oder sogar eher aus Pagan- hellenistischen Traditionen.

00:18:30: Dabei ging es für viele Exegeten nicht nur um historische Abwägungen – und für viele war auch die Sorge um das Neue im neuen Testament, das Proprium des Christusgeschehens leitend, dass bei einer zu großen Kontinuität mit dem Alten Testament eingeeignet

00:18:47: würde.".

00:18:48: Hinter vielen Einzelfragen zeigen sich Grundfragen der Theologie.

00:18:52: Kann und darf man die beiden Testamente auf Augenhöhe miteinander lesen?

00:18:57: Oder wie viel kritische Distanz zum Judentum ist denn notwendig?

00:19:03: Nicht zu übersehen, ist das die Diskussion in dieser Phase neue Aspekteaufnahmen, die über das typige Programm hinausgehen.

00:19:11: Die hebräische Bibel hat eine doppelte Nachgeschichte.

00:19:14: Und auch aus christlich-theologischer Perspektive ist eine andere Weise der Lesart der altesten Männchen Schriften als legitim anzuerkennen.

00:19:23: Die biblische Traditionsbildung führt eben nicht mit quasi göttlicher Notwendigkeit auf Christus hin, vielmehr zeigen sich hier vielfältige und nicht immer einlinig zielorientierte Rezeptionsprozesse.

00:19:37: Die nächste Generation der Tübinger Exegeten, unter anderem unser Gründungsmitglied Bernd Janowski oder auch Reinhard Feldbayer in seiner mit Hermann Spiekermann dialogisch erarbeiteten Gotteslehre und Lehre der Menschwertung haben daher Modifikationen des Programms vorgenommen.

00:19:53: Nun wird die Komplexität der kanonischen Prozesse wahrgenommen ohne die Voraussetzung einer einlinigen Zielrichtung und auch den Vielfalt der Religionsgeschichte in Kontexte berücksichtigt.

00:20:04: Bibelische Theologie, wenn man diesen Begriff weiter verwenden will, nimmt die Komplexität der verschiedenen jüdischen und christlichen Kanonäse wahr.

00:20:11: Und sieht darin einen Niedelschlag der Polyphonie des altsystemänlichen Redens von Gott.

00:20:16: Sie ist offen für Fragen der Sozialgeschichte und lässt sich nicht zu einem geistesgeschichtlichen Überstieg über die Fragen der realen Geschichte verleiten.

00:20:24: Sie nimmt die Fülle der Religionsgeschichte in Bezüge wahr ohne sich das theologische Urteil und das Recht zur Sachinterpretation verbieten zu lassen.

00:20:34: Wo dies praktiziert wird, die Beiträge von Bernd Janowski sowie in unserem Jahrbuch und seine Bücher zur Anthropologie, zur Schöpfungslehre oder den Konfliktgesprächen mit Gott in dem Salmen zeigen die Fruchtbarkeit des gesamtbiblichen Blick für gegenwärtige theologischen Diskurses.

00:20:50: Und gerade das wollten wir auch im neuen Jahrbuch zum Jubiläum dokumentieren.

00:20:55: die offenen Diskurse der biblischen Texte alten und neuen Testaments tragen, fundiert und existenziell relevant zu den großen Fragen des Lebens bei.

00:21:05: Wenn man sie nur dafür erschließt und ihr eigenes Wort in die heutigen Diskurste einbringen

00:21:10: lässt.".

00:21:12: Im XXV.

00:21:13: Jahrbuch war fünfzehn Jahren damals von Herrn Draud Fischer initiiert hat er verstorbene Systematiker Christoph Schwöbel die Aufgabenstellung noch einmal klar formuliert.

00:21:23: Christliche Theologie kann nur christliche Theologie sein wenn sie biblische Theologie ist.

00:21:29: Demgegenüber wurden von anderen, etwa dem Münchner Kollegen Jörg Lauster die Sorge geäußert das biblige Theologie in manchen ihrer Formen zu mit einem zu normativen lehramtlichen Anspruch auftreten könnte so dass die Differenz zwischen Bibel und Dogma unbedingt festzuhalten sei.

00:21:46: Exegetisch beherzigenswert ist dabei die Frage inwiefern die real existierende Exegese also wir in ihrer Detailverliebtheit und Expertise in Halb- und Viertelfersen noch für andere Fächer relevant und rezipierbar ist.

00:22:01: Wagen wir es, nur uns nicht allein an philologischen und geisteswissenschaftlichen Maßstäben zu orientieren sondern auch am Wahrheitsanspruch der Texte ihre Sache zu explizieren und im Horizont antiker Diskurses zu profilieren?

00:22:16: Solche Theologizität ist gerade kein Verlust an Wissenschaftlichkeit, sondern nur ein letzter nötiger Schritt zur Interpretation.

00:22:28: Zwölftesend zur biblischen Theologie heute Christliche Theologie ist ursprünglich und wesentlich biblische Theologie.

00:22:35: Sie gründet im Nachdenken des Christusgeschehens.

00:22:37: im Horizont der Schriften Israels Und in der zweiteiligen christlichen Bibel werden diese Schrifte durch neue grundlegend auf sie bezogene Zeugnisse von Christus ergänzt.

00:22:48: Mit der Sammlung und Zusammenstellung dieser Schriften ist die Aufgabe des Zusammendenkens, der unterschiedlichen Zeugnisse unabweisbar gegeben.

00:22:56: Somit ist die Aufgabe biblischer Theologie der christlichen Theologie von Anfang an vorgegeben.

00:23:04: Bibelische Theologie ist als Nachdenken der Schrifte wie jede Theologie eine menschliche Verstehensbemühungen.

00:23:11: Darin ist sie begrenzt perspektivisch kontextuell relativ.

00:23:18: Von Anfang an stehen daher unterschiedliche Lesarten und Verständnisse nebeneinander.

00:23:24: Das ist normal!

00:23:25: Da menschliches Verstehe die Wahrheit Gottes nie vollständig und definitiv erfassen kann, ist die Idee, die biblische Wahrheit rein- und ganz abzubilden oder ihre Mitte und Grenze eindeutig zu bestimmen – eine Illusion und als Streben nach einer göttlichen Perspektive Hybris und

00:23:43: Zünde.".

00:23:45: Bibelische Theologie ist wesentlich auf die christliche Kirche als Lesegemeinschaft bezogen.

00:23:52: In den Schriften in dem von ihnen bezeugten Christusgeschehen gründet das Wesen und die Identität der christlichen Kirche, sodass sie zu ihrer Identitätsvergewisserung auf die Zeugnisse des Anfangs zurück verwiesen ist.

00:24:03: – doch es kirchengeschichtlich ökumenisch und global zu bedenken, dass die Art des Bezugs auf die Bibel in verschiedenen Kirchen und Kontexten unterschiedlich war und

00:24:13: ist.".

00:24:14: Das zeigt sich nicht nur in differierenden Kanonis, sondern auch in einer je verschiedenen Funktionen und Autorität des Kanons oder der Texte ihrer Auslegung.

00:24:23: Bibliotheologie als spezielle Disziplin hat ihre Ursprünge im Protestantismus.

00:24:29: Erst mit der Reformation und ihrer kritischen Entgegensetzung der Schrift gegen kirchliche und politische Autoritäten wurden Fragen des Kanons, des literalen und auch historisch ursprünglichen Textins zum entscheidenden Faktor im Streit um Lehre- und kirchlicher Geltung.

00:24:47: Erst in diesem theologischen Kontext waren Unklarheiten oder Widersprüchlichkeiten in der Schrift ein solches Problem, dass sich die Aufgabe der Suche nach Klarheit und Einheit angesichts der vielfältigen Aussagen mit einer großen Theologischen Dringlichkeit stellte.

00:25:02: Doch auch im protestantischen Denken wurden für den Auslegen der Schriften die Abwägung ihrer Geltungsansprüche theologische Distinktionen gebraucht Buchstabe versus Geist, Gesetz versus Evangelium.

00:25:15: Aber auch Verheißung und Erfüllung, diverse Bünde oder Dispensationen wurden da genannt.

00:25:23: Im systematisierenden Bezug auf die Schrift kommt es unvermeidlich zu Priorisierungen, Selektionen, Distinktionen, die man kritisch diskutieren kann – eine reine biblische Theologie Ohne außerbibische theologische Kategorien ist daher auch unseren Vorzeichen protestantischer Schriftbindung nicht möglich.

00:25:44: Fünftens, biblische Theologie ist notwendigerweise ein kritisches Unternehmen in mehrfacher Hinsicht.

00:25:51: Als kritische Denkbemühungen ist biblisch der Theologie einerseits bezogen auf die Bibel selbst im Anbetracht der Vielfalt ihrer Zeugnisse als die unvermeidlich sachkritische Reflexion und gegenseitiges Inbeziehungssetzen von Geldungsansprüchen innerhalb der Bibel.

00:26:07: Sie steht andererseits, je nach Kontext auch in einem kritischen Gegenüber zu Kirche und Öffentlichkeit.

00:26:14: Hier ist Ihre Aufgabe den biblischen Texten angesichts Ihrer Inanspruchnahmen für vielfältige religiöse ökonomische oder politische Argumentationen ihre eigene Stimme zu geben, Missverständnisse auszuräumen und Missbrauch zu benennen oder zu verhindern.

00:26:32: Sechstens Unter den Bedingungen der Neuzeit ist biblische Theologie nur in uneingeschränkter Einbeziehung philologischer, historischer und literaturwissenschaftlicher Einsichten zu betreiben.

00:26:43: Die Verbindung einige Entwürfe biblischer Theologie vor allem im angelsächsischen Raum mit der Abwehr historischer Kritik ist unglücklich und führt nicht nur zur Diskreditierung bibliger Theologie sondern auch sachlich in eine Sackgasse weil die biblige Theologie dadurch auch um ihr kritisches Potenzial gebracht wird.

00:27:01: Die biblischen Texte sind ebenso wie der zweiteinig Christliche Kanon oder die verschiedenen Kanones historisch gewachsene Größen, deren jeweiliger Kontext und Situationsbezug immer zu reflektieren ist.

00:27:13: In einem modernen hermeneutischen Verständnis kann dabei weder der historische Ursprungs-Sinn eines Textes in seiner ältesten Gestalt noch allein die kanonische Entgestalt des Buches Alleingültigkeit beanspruchen.

00:27:27: Vielmehr muss die kanonicche Entgestaltung ihrer historischen Tiefenschärfe gelesen werden.

00:27:33: Dabei kommt es zum spannungsvollen Dialog von einer hypothetischen, historischen Rekonstruktion und theologischen Interpretation, weil jede Form neuzeitlicher Theologie des alten Neutestaments ist dadurch

00:27:48: charakterisiert.".

00:27:50: Insofern hat biblische Theologie auch Anteil am hypothetischen Charakter allen historischen Arbeitens wie an dem konstruktiv-perspektivischen Allersynthesisierung oder Systematisierung.

00:28:03: Eine absolute Bibliotheologie kann es nicht geben!

00:28:07: Siebtens, in ihrem Bezug auf die Kirche ist Bibliothologie auf jegültige Kanonäs bezogen.

00:28:13: dabei sind historische Einsichten zur Pluralität zum Werten und Wesen solcher Kanonäse aufzunehmen.

00:28:20: Kalonische Prozesse in der Entstehung der Sammlungen der Schriften Israel, des neuen Testaments sind komplexe.

00:28:27: Nicht immer zielgerichtete Rezeptionsprozesse die von lokalen Gegebenheiten spezifischen Trägerkreisen und politischen Auseinandersetzungen beeinflusst sind.

00:28:37: Die Rede von der göttlichen Providenz das der Heilige Geist den Kanon geschaffen hat resultiert aus der Erfahrung und dem Zeugnis derer und Sammlungen, Weißfunk zum Leben und Wahrheit vernommen und solche Wirken bezeugt haben.

00:28:53: Aber ein solcher Glaube kann die Wahrnehmung der geschichtlichen Prozesse nicht negieren.

00:28:57: Ein formales Karl-Prinzip mit einer strikten Trennung von göttlich inspirierter und rein menschlicher Schrift wie es im Bereich des reformierten Christentums zeitweise gehandhabt wurde ist historisch

00:29:09: unangemessen.".

00:29:10: Statt als festuberissene Räume der Wahrheit sind die Kanonis eher, als in sich plurale Diskursräume zu verstehen.

00:29:19: In denen auch in unterschiedlichen Positionen Perspektiven um die Wahrheit des Glaubens geruhren wurde und ja heute als Grundlage für die Frage nach der biblisch-theologischen Wahrheit zu verstehen

00:29:30: sind.

00:29:31: Acht!

00:29:32: Bibelsteologie ist wesentlich mit der Grundfrage Christian Theologie nach dem Verhältnis der beiden Kade und Teile alten und neuen Testaments befasst.

00:29:41: Dabei ist historisch wahrzunehmen, dass die Schriften Israels die erste Bibel des frühen Christentums waren – und in neutestamentlichen Schriftern erst mit der Zeit neben diese traten!

00:29:51: Die urchristischen Schriften sind alle in Aufnahme der Schrifte Israels entstanden, sodass diese den privilegierten Bezugsrahmen der Neutestimente in Christusbotschaft bilden.

00:30:03: Dabei ist er von den neutesten Schriftingen rezipierte Kreis von Schriftern nicht die hebräische Bibel, die als solcher nie ein Christian Kardon war sondern der damals noch unabgeschlossene Rahmen der Septuaginta zuzüglich weiterer fräu- jüdischer Überlieferungen, in denen die biblischen Schriften weitergeführt wurden.

00:30:22: Im Licht des Christusgeschehens wurden die Schrifte israels perspektivisch neu aber ohne weitere Selektion also alle zusammen rezipiert.

00:30:32: sie sind ihrerseits der Resonanz und Wahrheitsraum für das christus Ereignis.

00:30:36: eine prinzipielle Abwertung der schriften gegenüber dem Neutestamentchen christus zeugnis wäre historisch unangebracht und theologisch fragwürdig.

00:30:47: IX.

00:30:49: Bibliotheologie ist eine christliche Verstehensbemühung, doch kann diese nur im Horizont der christlich-jüdischen Beziehungen angemessen betrieben werden.

00:30:59: Die Schriften Israels bilden ja nicht nur das christliche Altes Testament – vielmehr haben sie als Tanach auch eine andere Nachgeschichte im Judentum!

00:31:09: Dieses hat seine spätere Gestalt zwar nicht primär in Abgrenzung zum Christentum, aber doch parallel zu dessen Ausformung in der rabbinischen Literatur gewonnen.

00:31:19: Die Hebräische Bibel hat mithin eine zweifache Nachgeschichte und beide Rezeptionsformen die jüdische und die christliche stehen nebeneinander.

00:31:28: So sehr also die Frage nach einer gesamtbiblischen Theologie eine christliche Fragestellung ist, die für jüdische Gesprächspartner weniger Relevanz besitzt, muss jedoch im Bewusstsein betrieben werden, dass die Texte des ersten Kanunteils der Christi im Bibel auch in einem anderen Rahmen gelesen wird und den Dialog darüber respektvoll pflegen.

00:31:48: Zehn?

00:31:50: Biblische Theologie kann nur in einer religionsgeschichtlichen Weite betrieben ganz sicher für die alttestamentigen Schriften im Rahmen der Kulturen des alten Orient.

00:32:00: Das gilt aber auch für die Exegese der Schrifte, das neue Testaments von meinem Bereich, die neben dem primären Bezugsrahmen der Schiften Isra als gleichermaßen Anteil haben an der Kultur der griechisch-römischen Welt und mit dieser in vielfältiger Weise in Resonanz treten.

00:32:16: Historisch wesentlich bleibt dabei die fundamentale Verankerung der urkristlichen Botschaft im zeitgenössischen Judentum Doch war dieses eben bereits schon lange Teil der hellnistisch-römischen Welt.

00:32:29: Die Trennung zwischen einem alttestamentlich jüdischen Rahmen und einem hellnismisch römischen ist historisch überholt, und auch Gedanke das die Hebraika wäre tass höherwertig oder reiner wäre als das Pagane Hellnist für Denken ist auch theologisch unhaltbar.

00:32:46: Elftens Bibel für Theologie erfordert synthetisches und systematisches Denken, und muss verantwortete Komplexitätsreduktion in Kauf nehmen.

00:32:57: Die Bibelwissenschaft ist von der Tendenz zur fortschreitenden Differenzierung geprägt – aber wo das Ganze in unzählige Lehrbegriffe Konzepte, Traditionen oder Theologien zerfällt, ist deren jeweilige Bedeutung unklar!

00:33:11: Daher ist die zur Analyse gegenläufige Denkbewegung, dass synthetische und systematisch reflektierende Zusammendenken der vielfältigen Aussagen in ihrem inneren historischen wie auch sachlichen Zusammenhang unabdingbar damit die Bibelwissenschaft nicht für die Kirche und Gesellschaft irrelevant wird.

00:33:30: Komplexitätsreduktion ist dabei in gewissem Maß in Kauf zu nehmen – und theologische Urteile über Zusammenhänge, Gewichtungen und Wertungen sind notwendig!

00:33:39: Natürlich immer diskutierbar.

00:33:42: Das macht das Anliegen einer biblischen Theologie nicht illegitim.

00:33:47: Solches Zusammendenken ist dann fruchtbar, wenn es nicht in einem apriorischen Streben nach Einheit und Homogenität gründet sondern als Spannungsverhältnis von Vielfalt- und Einheit in historischer Differenziertheit wartet.

00:34:02: Zwölften sind letztens eine Form christlicher Theologie.

00:34:06: zielt biblische Theologie letztlich darauf das Evangelium und seine Denkbewegung angemessen zu übersetzen, um zur Sprache zu bringen.

00:34:15: Diese Bemühungen hat neben einer dogmatischen auch eine ethische Dimension.

00:34:19: Letztlich geht es darum ob die wissenschaftliche Erforschung und Aufbereitung der Bibel denken und leben einengt oder fördert.

00:34:28: Wo es nur darum geht ausgrenzend religiöse oder wissenschaftlichen Richtigkeiten festzustellen oder der eigenen Person oder Gruppe zum Recht zu verhelfen wird dieses Ziel verfehlt.

00:34:39: wo die Entfaltung von Traditionen, Diskurs und Wahrheiten der Bibel in der Lesegemeinschaft der Christlichen Kirche hingegen Horizonte eröffnet zur Freiheit beiträgt.

00:34:50: Und Leben in seiner Vielfalt ermöglicht!

00:34:53: Wo sie biblische Zumutungen und Zusagen als Inspiration für Leben, Glauben und Hoffen vermittelt – da kann sie selbst zur Funktion des Evangeliums

00:35:03: werden.".

00:35:06: Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

00:35:10: Ganz herzlichen Dank.

00:35:12: Thesen zur bibischen Theologie, die gemäß der biblischen Zahlensymbolik natürlich zwölf sind und deswegen sehr schön das abrunden.

00:35:22: Wir haben jetzt eine starke Stimme eines Neutestamentlers, eines männlichen Neutestermentlers, einem evangelisch-männlichen Neu-Testamentler gehört.

00:35:32: Und jetzt wollen wir eine starste Stimme einer weiblichen katholischen Alltestamenterin hören, kurz und prägnant antwortet.

00:35:44: Vielen Dank!

00:35:46: Lieber Jörg, ich werde auf diese Thesen die ich ja heute Vormittag erst bekommen habe und das während ein Zug ausgefallen ist eben in der kurzen Weise und vielleicht auch mit punktuell beantworten aber natürlich nicht auf alle Seien gehen können.

00:36:00: Das ist klar.

00:36:01: Ich bin seit über zwanzig Jahren in diesem Jahrbuch, das du uns vorgestellt hast in seiner Geschichte dabei gewesen habe.

00:36:12: Also könnte man sagen die Hälfte seiner Geschichte mitgeprägt bis zu den Jahren des Jahrhunderts.

00:36:21: Zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum hatten wir eine Tagung organisiert, die damals hieß wie biblisch ist die Theologie damals bereits äußerst unterschiedlich diskutiert, auch natürlich unterschiedlich diskutiert von den Konfessionen aber auch von den Positionern von den Einzelnen her.

00:36:42: Heute ist frei natürlich recht zu geben wenn er sagt und ob sich die Kirche noch um die Bibel schert oder eher an Machterhalt Medienpräsenz und modischen Diskursen interessiert.

00:36:58: wenn ich meine evangelische Kirche ansehe, zumindest eine offene Frage.

00:37:04: Wenn ich meine katholische Kirchen anseh', ist das meines Erachtens keine offene

00:37:09: frage.".

00:37:11: Ein Buch

00:37:12: für alle Lebensfragen?

00:37:14: Ich hätte wahrscheinlich noch vor einiger Zeit aufgrund der altestermittlichen Breite der Themen-Thematiken die behandelt wird gesagt ja das ist es!

00:37:25: Inzwischen haben sich die Zeiten allerdings geändert.

00:37:29: Rechtsradikalismus und der Fundamentalismus, der von den USA herüberschwappt, haben in Europa zu einem anderen Bild der Bibel geführt.

00:37:42: Das teilweise ja auch dieses Bild wirklich rechtsradikale Tendenzen trägt gerade diese Auslegungen am Rande.

00:37:51: Und von daher muss man sagen wenn plötzlich begonnen wird, diese Texte absolut zu setzen.

00:38:00: Dann muss man sich fragen ist das wirklich ein Buch für alle Lebenslage oder ist es nicht doch etwas differenziert zu beurteilen?

00:38:10: Das biblische Text der existenzielle Unterstützung bieten dem kann ich voll zustimmen.

00:38:15: die Torah bietet ja zudem einige Rechtsbücher und die Weisheitsliteratur schliesslich auch ethische Hinweise, so dass sie auch für das heutige Leben einige durchaus nicht alle Richtlinien geben kann.

00:38:33: Allerdings welche Texte werden für relevante achtet?

00:38:37: Die heute beim Workshop dabei waren, werden diese Fragen ja alle schon kennen.

00:38:42: Welche nicht!

00:38:44: Es ist eine Machtfrage auf mehreren Ebenen auf der Ebene des biblischen Textes, auf die Ebene der Kanonisierung.

00:38:51: Was schafft es in dieses heilige Buch hinein sozusagen?

00:38:57: Es ist eine Frage der Bibelübersetzungen und natürlich der Auslegungen bis heute.

00:39:03: Die Abgehobenheit der altestamentlichen Wissenschaft ist ein Problem in sich – das ist auch klar – und dem ich mich als feministische und intersektionale Theologin immer entgegengestellt habe mit den Effekt in diesen Kreisen, die die Scientific Community dominieren nicht immer ganz ernst genommen zu werden.

00:39:24: Wer mal in der feministischen Theologie angestreift hat, der hat einen Ugen!

00:39:30: Das Verhältnis ATNT – da kann ich nur sagen wir haben eine lange Diskussion an – die Bibel und die Frauen ja konzipiert mit ihren einundzwanzig Bänden alttestamentliche Bibel, das entspricht dem dreiteiligen Kanon der Hebräischen Bibel und zwei Bände im neuen Testament.

00:39:53: Aber die haben wir als eine kanonisch gewordene Rezeption verstanden, die aber in sich selber dann wieder kanonische geworden ist – aber es ist vorrangig auch eine Rezeptions natürlich des alten Testaments.

00:40:11: Die Abwertung des Alten Testaments als Alt bewirkt Teils oder hat bewirked auch in der Exegese-Geschichte eine völlig inadequate Interpretation.

00:40:23: neudestermännliche Texte, da die ja im Judentum allesamt entstanden oder zumindestens von Menschen verfasst wurden.

00:40:31: Die vormals im jüdischen Milieu verhaftet waren.

00:40:36: Das Christendom hat das historische Verhältnis gerade durch seine Auslegungstechnik von Verheißungen der Erfüllung aber auch vom Typus und Antitypos auf den Kopf gestellt.

00:40:48: Nicht das alte Testament bedarf des neuen Testaments um verständlich zu sein, sondern das neue Testament des Alten und zwar auch – da finde ich immer deutlicher – in seiner eigenen Kanonanordnung.

00:41:03: Die Folge von Torah und Prophetie ist eine andere Sache als wenn ich dort Geschichtsbücher einsetze und die Prophetie als Ende lese.

00:41:11: Das ist ja ohne dies schon ein alter Hut auch!

00:41:16: Freistdiagnosizierte Angst, das Problem des Christusgeschehens, dass bei einer zu großen Kontinuität zum Alten Testament eingeeignet werden könnte ist leider im katholischen immer noch omnipräsent.

00:41:31: Das macht zum Beispiel auch die Leseordnung deutlich.

00:41:35: Es wird

00:41:35: z.B.,

00:41:35: wenn diese entsprechenden Wundergeschichten gelesen werden, wo es entsprechende Wunder-Geschichten im alten Testament gibt – also in Elia Elisha Zyklus werden sie bewusst nicht gelesen, damit man ja nicht auf die Idee kommen könnte das ist etwas nicht ganz originelles was hier im neuen Testament da

00:41:53: ist.".

00:41:54: Ich gebe frei hier völlig recht, wenn er sagt die christliche Theologie ist ursprünglich und wesentlich biblische Theologie.

00:42:00: Sie gründet ihm nachdenken des Christusgeschehens im Horizont der Schriften Israels.

00:42:06: Für die katholische Kirche halte ich das allerdings mehr für eine Wunschvorstellung als für eine

00:42:14: Realität.".

00:42:17: Wenn der Kanon zwar abgeschlossen ist – da haben wir heute auch diskutiert darüber -, kann der Kommentar nicht fluid genug sein.

00:42:28: Sonst nimmt man den heiligen Schriften die Verbindlichkeit, ja, man nimmt ihr sogar die Kanonisität.

00:42:36: Anachronistische Auslegungen gibt es daher gar nicht!

00:42:40: Diese Fragen, die quasi inadequate von heute an Texte gestellt wurden, die gibt es im Prinzip nicht, denn sie wurden immer gemacht und zwar gerade dort gemacht wo die Inkulturation geglückt ist.

00:42:56: Und diese Inkulturation ist dort geglückt, wo man in der eigenen Denkweise, der eigenen Epoche und der eigenen Sprache einen neuen Aspekt des Glaubens hervorbringen konnte.

00:43:09: Das Dogma hingegen ist abgeschlossen aber es zählt der fundamentalistisch verstandene Wort laut wenn ich heute sehe was bis heute an vatikanischen Verlautbarungen kommt.

00:43:21: Das heißt eine Inkulturation Die meines Erachtens hervorragend war damals.

00:43:27: Man hat versucht, ein aus dem Judentum, aus dem Hebräischen Denken hervorgekommene Schrift in griechische Philosophie zu gießen und die Fragen von dort wirklich zu beantworten aber man hat es nicht weiter inkulturiert.

00:43:46: Es ist bis heute ganz offenkundig tabu, was meines Erachtens ein Hauptproblem des Christentums heute ist.

00:43:53: Wie erklären Sie heute den Leuten die Trinität?

00:43:56: Den einen Gott in drei Personen und ähnliches – wo wir keine griechische Philosophie mehr als Hintergrund haben, die alle verstehen!

00:44:05: Die Bibel als Sammlung welterzeugender Erzählungen und nicht als Geschichtsbuch wie ich sie verstehe.

00:44:13: Diese Sammlung kann durchaus unterschiedliche Aspekte da haben.

00:44:18: Das sieht man bereits in Genesys eins bis drei, wo es zwei Schöpfungserzählungen nacheinander gibt und damit von vornherein jeglicher Fundamentalismus absurdum geführt wird.

00:44:27: Weil die Welt schon erschaffen ist, kann sie nicht plötzlich wieder da sein?

00:44:31: In Genesysis zwei stimmt also nicht.

00:44:34: Man kann es eigentlich nur historisch mit anderen Blickwinkeln, mit anderen Erzählungen erklären.

00:44:42: Das heißt gegen Fundamentalismus hilft hier die historische Einordnung und natürlich die historischen Forschung.

00:44:50: Aus dieser Sichtweise gibt es keine Widersprüche, weil Gottes Wort immer Menschenwort und in menschlichen Sprachen und Erfahrungen, die eben nach Epochenkulturen sehr variieren können enthalten ist.

00:45:05: Und aus diesem Grund brauchen wir eine gediegene, interdisziplinäre historisch-philoologische, religionssoziologische und ikonographische Forschung um den soziekulturellen Hintergrund auf dem diese Schriften entstanden sind zu verstehen.

00:45:20: Und auch um gravierende Fehlrezeptionen zu vermeiden.

00:45:24: Danke.

00:45:28: Liebe Frau Wischer.

00:45:28: ganz herzlichen Dank für die kurze prägnante und wirklich knackige Antwort.

00:45:34: gibt es uns eben die Möglichkeit wirklich, dass das hier vielleicht nicht zu harmonisch wird.

00:45:40: Dass ist ja immer der... Die Hoffnung, die man jede so Diskussion trägt und deswegen möchte ich eigentlich gleich mit der Frage anfangen, die Sie ein bisschen in Zweifel gezogen haben, die du lieber noch sehr positiv beantwortet hast und die so die Frage ist, die sie im Saal podelt?

00:45:59: Das Buch für alle Lebenslagen Ja oder Nein?

00:46:05: Ich bleibe bei meinem Ja.

00:46:07: Wenn die Bibel so gelesen wird, so differenziert und so vielfältig und vielstimmig und perspektivisch wie wir das beide für notwendig ansehen?

00:46:17: Die andere Frage natürlich wenn in einem festlegenden oder fundamentalistischen oder ausgrenzende Interesse, dann einzelne Stellen einfach herausgegriffen werden und sozusagen als

00:46:30: schnell

00:46:32: fertige Antwort für bestimmte ethische- oder dogmatische Fragen genutzt werden.

00:46:38: Dann ist es natürlich zu kurz gegriffen.

00:46:40: das heißt aber nicht dass ihr nicht so allen Lebenslagen etwas hier aus der Fülle des Lebens der biblischen Texte zu sagen wäre.

00:46:48: das heißt nur dass die Tiefenschärfe tatsächlich im biblischen Kanon oder in den Kanones enthalten ist, nicht in der Weise wahrgenommen wird.

00:46:57: Weil menschliche Rezeption aufgrund bestimmter Macht-,

00:47:04: Geld-,

00:47:05: Geltungsansprüche zu einschichtig und zu kurzgegriffen ist?

00:47:16: Wenn... Also Jörg sagt es geht noch aber nur nicht zu konkret.

00:47:23: Ist es nicht ein bisschen wenig?

00:47:26: Na ja, das zu konkret ist ja immer wie man dann die Bibel auslegt.

00:47:30: Wo sie nicht konkret wird, ist eben die Frage wozu man sich benützt.

00:47:33: Das muss ja irgendwo konkret werden.

00:47:35: aber wenn ich heute sehe wie zum Beispiel jüdisches Siedler mit der Bibel in der Hand natürlich ihren Leute vertreiben, also wenn man sieht was in Amerika derzeit passiert mit Menschen die anders denken und den dann ein biblisches Bild aufoktroyiert wird, das ja überhaupt nicht biblisch ist.

00:47:57: Wenn ich zum Beispiel an Gender oder Homosexualität denke, man hat zwei Stellen herausgenommen.

00:48:03: alle anderen Rechtssammlungen haben diese Vorschrift überhaupt nicht.

00:48:08: Und von Homosexualität als solches reden wir in der Bibel ja gar nicht, also als Orientierung, als geschlechtliche Orientierung.

00:48:14: Dennoch werden diese zwei Texte die in einer einzigen Sammlung sind sprich eigentlich nur eine... einen Treffer machen, das wird als das biblische Bild hingestellt.

00:48:25: Und deswegen muss man wirklich dazusagen, man findet alles in der Bibel wenn man das haben will.

00:48:30: also wenn ich unsere Rezeptionsgeschichte jetzt anschaue kann nicht nur sagen historisch gesehen ist es any singles aber ob wir das wirklich

00:48:39: wollen

00:48:40: Also, wir zwei wollen das sicher nicht.

00:48:43: Aber es muss also gewisse Richtlinien geben und vor allem die Bibel kann nicht gegen ihren Text interpretiert werden und muss in der Vielfalt eben gesehen werden.

00:48:53: Und da gibt es eben auch dann Texte, die heute schlicht und einfach nicht mehr akzeptierbar sind.

00:49:01: Das muss uns auch klar sein.

00:49:04: Aber so gerade in dieser Suche nach Eindeutigkeit – was ja, wenn wir jetzt nach Amerika schauen oder Auch in einem Bandjahrbuch ist es ja so eine Frage nach Homosexualität, Gender.

00:49:17: Dann wird gesagt das gibt doch diese fünf Stellen die man so zwei alttestamentliche drei Neutestamentliche bei Paulus.

00:49:24: ich habe doch da eine ganz klare Antwort was?

00:49:26: und das ist ja sowas was vielleicht Lehrerinnen und Lehrer heute für die größte Herausforderung stellen einerseits zu sagen Die Bibel ist nicht irrelevant nur weil sie diese Stellen hat und den anderen aber zu sagen, nein das ist nicht die Bibel oder die biblische Meinung obwohl sie so eindeutig euch erscheint.

00:49:43: Was tun wir denn da?

00:49:47: In dem Fall ist es ja leicht könnte man sagen weil wir auch andere Texte haben.

00:49:51: Es gibt nicht nur die Rechtstexte.

00:49:53: also sprich diese Texte aus einem Heiligkeitsgesetz du sollst dich Mann legen, wie man sich zu einer Frau legt.

00:50:01: Sondern in den alten Rechtskorporar ist es nicht

00:50:04: drinnen –

00:50:04: weder im deuteronomischen Gesetz noch im Bundesbuch.

00:50:08: Dort haben wir das nicht, obwohl wir viele sexual Tabus dort drin haben die auch Imlevitikos drinnen sind aber das eben nicht.

00:50:16: also davon reist schon die Sache nicht eindeutig und wir haben Narrative Texte eine andere Sprache sprechen.

00:50:26: Die Frage ist eben dann, wie man mit Leuten argumentiert die so kommen.

00:50:30: Ich sage mal in Evangelikalen Freunden gelegentlich du trägst ja auch Kleidung, die mit Mischgeweben da ist.

00:50:37: also es gibt natürlich eine ganze Reihe von Anweisungen bei denen vollkommen klar ist dass sie in einem bestimmten geschichtlichen Kontext saßen.

00:50:44: Das ist natürlich bei den Aussagen aus dem Heiligkeitsgesetz auch so, da geht es ja doch um die Nachkommenschaft Israels im Land

00:50:51: usw.,

00:50:51: und man soll da nichts umkommen lassen sozusagen.

00:50:55: D.h.

00:50:56: diese Dinge sind alle zu kontextualisieren?

00:50:59: Die Frage ist einfach wie können wir mit Fundamentalisten vielleicht gar nicht diskutieren ohne verrückt zu werden, das ist das eine.

00:51:08: Aber wir haben ja viele Kollegen und Freunde jenseits des großen Teichs, die nicht so denken wie das jetzt plakativ herüberkommt.

00:51:18: Und in diese Diskurse hinein kann man natürlich entweder sagen ach lass doch diese Bibel weg!

00:51:24: Das ist ein Buch, das kann man gar nicht brauchen wir sind jetzt aufgeklärt und machen es ganz anders oder man argumentiert wie ich's befürworten würde tatsächlich auch mit der tiefenschärfe und Vielfalt biblischer Texte sagt auch diesen Leuten, hey ich nehme die Bibel ernster als ihr.

00:51:45: Und was dahinter steht an ... Man könnte sagen an Frömmigkeitskonzepten ist natürlich auf der einen Seite ein Konzept das sozusagen law and order Gesetz über alles stellt und da muss für alle Einzelfragen eine Antwort sein.

00:52:02: Demgegenüber würde ich jetzt von den Grundlinien der biblischen Theologie her gerade sagen die Leitvorstellung, die sie in der biblischen Tradition zeigt.

00:52:14: Die eines sich den Menschen zuwendenden Gottes einer Kondescendenzbewegung, einer immer größeren Anschwellens von der Rede von Gnade und Hult und all dem was damit zusammenhängt bis hinein in das Christusgeschehen.

00:52:31: Das ist die andere Vorstellung, Konzeption zeitigt und ich glaube dafür lohnt es sich zu argumentieren.

00:52:44: Inwieweit, du hast ja schon jetzt angedeutet diese Horizont also dieser wie soll man sagen inwieweit spielt jetzt nicht nur in dieser extremen Form aber vielleicht auch für unser Bild in Deutschland diese kirchliche Bindung eine Rolle wie wir die Bibel und wie wir biblische Theologie verstehen?

00:53:03: Wir haben jetzt schon in dem Statement so angedeutet Die Bibel ist immer ein Buch, das in einer Lesegemeinschaft ausgelegt wird.

00:53:13: Wie sehr, kann man sagen, ist die biblische Theologie darauf angewiesen?

00:53:18: Dass es auch eklisologisch entsprechende, ein entsprechendes Bondord dazu gibt um bedeutend zu sein.

00:53:30: Also ganz plakativ gesagt nicht Kirche ist mehr an Macht, Medialität und Außenwirkung interessiert.

00:53:39: Wenn man sie an ihre eigene Wurzel erinnert, kann man sagen, die Evangelische Kirche sich besser daran erinnern als das Sakrament des Heiles im katholischen.

00:53:51: Also Bibelverwendung ist natürlich immer eine andere Sache gewesen als in den Kirchen, die durch die Reformation gegangen sind.

00:54:00: und wenn man bedenkt dass etwa im neunzehnten Jahrhundert es überhaupt verboten war oder bis eigentlich in die fünftiger Jahre rauf nicht?

00:54:06: Dass man die Bibel selbstständig liest Dann darf es einem nicht wundern, nur mit diesem Dokument dass man also den Artisch des Wortes reichlich erdecken sollte.

00:54:19: Davon wird noch keine Bibelkenntnis in der Bevölkerung oder in der Gemeinde konstruiert.

00:54:26: Also da müsste man sich schon mehr bemühen und auch viel biblischer selber argumentieren jetzt von der Hierarchie her.

00:54:34: aber das ist ja auch nicht der Fall.

00:54:36: Das ist, also ich sehe keine große Mühe um die Bibel in der katholischen Kirche.

00:54:41: Da magst du Bibelwerke geben?

00:54:42: Ja, die machen segensreiche Dinge aber das war es dann auch schon nicht.

00:54:47: Also damit mit dem Bibelwerk hat man faktisch dann die eigene Komp... also die Notwendigkeit dass man sich damit beschäftigen sollte abgeschoben.

00:54:56: Das macht eh jemand da brauche ich dann nicht auch noch was machen.

00:55:00: Ich halte es immer noch so Man sieht, wie wenig Bibelkenntnis da ist in der katholischen Bevölkerung.

00:55:11: Das erstaunt einem immer wieder!

00:55:13: Und ich bin da selber das beste Beispiel.

00:55:16: Ich habe in Religion maturiert und habe dann eine Lehrerausbildung gemacht, eine Ausbildung zur Volksschullehrerin.

00:55:25: Als ich diese zwei Jahre zu Ende hatte, habe ich auch einen Schwerpunkt Religionsgenöcke gewählt.

00:55:32: Man hat mir die außerordentliche Religionslehrerbefähigung verliehen und ich wusste nicht... dass es eine Bibel von alten und neuen Testament gibt.

00:55:41: Das neue Testament habe ich was für sich wie oft durchgelesen gehabt, aber ich habe nicht gewusst, das all die Geschichten, die wir natürlich im Religionsunterricht gehört haben, dass das in einem zweiten Teil der Bibel steht, der viel länger ist und viel größer ist.

00:55:56: Und als ich dann dieses Buch endlich in den Händen hatte – das war in den Fünfund Siebzig – dann habe ich das durchgefressen und es ist wahrscheinlich kein Wunder, daß ich dort hängen geblieben bin!

00:56:06: Wo man sieht, das war nicht ... Ich hab mich nicht vom Religionsunterricht abgemeldet gehabt.

00:56:15: Und trotzdem... ist die Bibelkenntnis, es geht gegen Null.

00:56:19: Das sind Geschichtchen, die erzählt werden und die halt dann wieder in den Religionsbüchern auftauchen und die vielleicht in der Kirche dann mal auftauchten in dem Prädigten schon wieder weniger weil vom Alten Testament wird nicht geprädigt.

00:56:32: also die Bibbelkenntnis ist meines Erachtens ich habe das bei meinen Studierenden ja auch gesehen, ist katastrophal im Prinzip.

00:56:39: Also wenn man jemanden drinnen hat der Mal die ganze Bibel durchgelesen hat Dann kann man jubeln In einem Kurs.

00:56:47: Das ist bei euch sicherernd das, ne?

00:56:50: Das ist leider auch inzwischen nicht mehr so sehr anders.

00:56:54: Also wenn ich jetzt wie du es erzählst, dass da dich beeindruckend was für einen Weg gemacht hast... Ich komme sozusagen von der anderen Seite her!

00:57:01: Ich komme aus einer württembergischen Bibelfräumigkeit, in der man vieles auswendig gelernt hat und sehr vieles kannte.

00:57:14: Allerdings war ich dann fasziniert, als ich in den Studium kam von den Texten Henoch und Kumran und außerhalb der Bibel.

00:57:21: Was gibt es sonst noch aus dieser Welt?

00:57:22: Meine Bibel kannte ich!

00:57:24: Das ist aber heute auch nicht mehr so, weil in der protestantischen Fräumigkeit diese biblische Prägung zurückgetreten ist unsere Studierenden heute, wenn sie fromm sind von einer Eventfräumigkeit herkommt sehr vielleicht worship orientiert sind aber eben doch nicht substantiell mit den biblischen Texten vertraut sind.

00:57:48: in der Schweiz wo es bei uns keinen Religionsunterricht an den Schulen gibt ist natürlich auch damit einer solchen Kenntnis nicht mehr zu rechnen.

00:57:55: das heißt die substanzielle Kenntnisse fehlt natürlich.

00:57:58: und auch was sich sozusagen die selbstständige Bibellektüre anbetrifft gibt es natürlich auch in der protestantischen Kirchengeschichte durchaus sehr dunkle Flecken.

00:58:10: Wenn ich wieder von meiner württembergischen Geschichte herkommen kann, da wurde irgendwann ein Pietistenreskript erlaubt dass sich Leute sozusagen ohne den Pfarrer treffen dürfen um Bibel zu lesen.

00:58:24: vorher und anderswo durften sie tatsächlich sich nur treffen wenn der Pfarrers als Beamter für Recht und Ordnung dabei war.

00:58:32: das heißt auch diese Einschränkung gab es natürlich, obwohl die Reformation als Lese- und Bildungsbewegung das Bibellesen gefördert hat.

00:58:42: D.h.,

00:58:42: irgendwo haben die großen Kirchen sobald sie an der Macht festgehalten oder mit der Macht leiert waren, die Gefährlichkeit des eigenen Bibelesens der Leute wahrgenommen und versucht einzuschränken.

00:58:59: Das heißt auf der anderen Seite, die Bibel ist ein gefährliches Buch!

00:59:02: Und irgendwo können wir ja in einer gewissen subversiven Weise immer wieder dazu beitragen, ein bisschen was zu der Gefährlichkeit von der Gefälligkeit auch zum Ausdruck zu bringen.

00:59:14: Da würde ich jetzt keinen Eingang, weil dieses Animieren zum eigenen Bibel lesen und bzw.

00:59:20: auch im Gottesdienst die Bibel als in seiner Verbindung zu exorges und zur biblischen Theologie zurückzubringen, ist ja auch ein Teil des Projektes dem du dich ja auch verschrieben hast mit diesen Perikopen die du auslegst für die Sonntagsevangelien.

00:59:36: Und ich glaube dass vielleicht wenn du darüber kurz mal deine Erfahrungen berichtest wie das gut geht weil ich aus meiner eigenen und das jetzt weil wir alle hier so uns bekennen was wir alles falsch gemacht oder wo wir herkommen also meine eigene Predigtätigkeit so ein bisschen reflektiert habt zu Beginn vor allem, dann liest man als katholischer Priester das so durch und macht sich Gedanken.

01:00:02: Und die eigenen Gedanken zu den Bibelentexen sind vielleicht nicht immer ganz falsch aber sie sind auch manchmal sozusagen ziemlich einfach oder eben auch ein bisschen dumm.

01:00:14: Was sind deine Erfahrungen damit?

01:00:15: Also jetzt auf mich bezogen, muss ich ganz ehrlich sagen.

01:00:18: Wenn man Predigten von vor zehn Jahren durchlässt, denken Sie im Gott deswegen und das... Und da sind die Leute in der Kirche sitzen geblieben ja.

01:00:25: Also wenn ich meine Predigten aus dem Vicariat wieder gelesen habe dann waren sie so exegetisch und so richtig dass sie auch furchtbar langweilig war.

01:00:35: Ich hab mal versucht an einer Karfreitagspredigt Verständnis des Todes Jesu vom großen Versöhnungstag her zu erklären.

01:00:43: Das sind mir die Leute sicher nach zehn Minuten längst eingeschlafen gewesen.

01:00:48: Also das kann natürlich auch nicht funktionieren, es muss sozusagen schon auch die andere Seite des Hobbyletische, dass die Menschen ansprechend da sein.

01:00:56: Aber in der Tat, das Projekt, das du angesprochen hast – das ist ja von der Deutschen Bibelgesellschaft initiiert – Exegese für die Predigt in der Orientierung an den evangelischen Reihen der Predigtperikopen.

01:01:11: Und da bearbeiten wir auch immer ein Exigit oder Exigithin zusammen mit einer Kollegin aus dem systematischen oder praktischen Bereich, Fahrpersonen.

01:01:22: Bearbeiten wir die Texte mit einer Knappenexegese zwei bis drei Seiten Hilfe zur Übersetzung wesentliche Fragen und dann eine Weiterführung in der Richtung auf die Predigt hin.

01:01:38: das wird von vielen Pfarrerinnen und Pfarrern sehr dankbar aufgenommen, weil sie alle schon.

01:01:46: ihr Studium ist schon lange her.

01:01:48: Und eigentlich wäre man mit den Texten zunächst mal überfordert oder hat einfach nicht die Zeit.

01:01:53: Das ist online verfügbar.

01:01:56: Man muss keine Zeitschrift abonnieren.

01:01:59: Insofern führt es hoffentlich dazu – das war das Interesse der Kollegin Evan-Marie Becker, die das initiiert hat Inhalte und Substanz wieder stärker in die Predigten reinkommt.

01:02:13: Und eben nicht einfach jeder und jede nur die eigenen Lieblingsgedanken immer wiederholt, ach ich predige mal wieder ein Gleichnis jetzt kommt das nächste Gleichnis Dann wird die Bibel natürlich langweilig weil sie einfach weil die Vielfalt nicht mehr zur Sprache kommt.

01:02:28: Jetzt würde ich mir gerne so einen bereizigen Artier und Ente kommen Glauben Sie dass Dadurch, dass Sie Alttestamentlerinnen sind, Ihr Blick auf die ganze Bibel... oder wir glauben Sie, Ihr Blick wäre anders.

01:02:44: Nein, andersherum gesagt.

01:02:45: Wie stark ist Ihr Blick davon auf die ganzen Bibel geprägt?

01:02:48: Dass sie für das alte Testament so brennen und es als junge Frau so gefressen haben einmal?

01:02:55: Ja ich würde überhaupt sagen, ich bin einfach alttestamentlerin.

01:02:58: Es ist so!

01:02:59: Und das neue Testament ist interessant nicht Aber mein Bereich ist das alte Testament und da, das finde ich das Spannende daran.

01:03:07: Das verstehe ich ehrlich auch weil es einfach Also da würde ich wirklich sagen, die Lebenslagen mit herein nimmt.

01:03:13: Wenn ich um das zu zitieren, das Thema von heute... Es ist viel breiter von der Anlage her, nicht?

01:03:20: Wir haben Gesetzestexte drinnen und wir haben die Schöpfungstheologie drinnen.

01:03:29: Wie ist überhaupt die Weltdeutung und Welterzeugung?

01:03:33: Welche Narrative habe ich, um meine Situation klarzumachen?

01:03:39: Das ist viel breiter angelegt natürlich im alten Testament.

01:03:43: Und das neue Testament ist für mich natürlich faszinierend, wie rezipiert man einen Text?

01:03:49: Sprich – Wie versteht man in einer anderen Situation mit einem anderen Akzentsetzung?

01:03:55: nochmal also sprich mit einem Christologischen natürlich dann, wie versteht die Texte?

01:04:01: Und das finde ich schon auch spannend, weil wir ja eine andere Auslegung haben.

01:04:07: Eine zweite Auslegungen haben die die Texte ganz anders dann versteht noch mal, nicht?

01:04:12: Also die Texte bis ins philologische Detailchen auseinander nimmt und dann wieder zusammensetzt in dem diese ganzen Dinge miteinander verbunden werden.

01:04:24: Wenn ich an der rabbinischen Schriftauslegung denke, also wo es wirklich ins Detail geht und dann eben ganz andere Texte verbunden wird, die intertextuell dann würde man heute sagen verbunden werde ist eine ganz andere Auslegung als wenn ich nun eine unbekannte Figur mit einer bekannten Bibel auslegen muss und die da deuten muss, nicht?

01:04:50: Also dass man das dann umgedreht hat in der historischen Theologie.

01:04:55: Dass man dann gesagt hat, das Alte-Destament ist erst im Neuen verständlich, also durch Verhessungen und Erfüllung ist natürlich ein Wahnsinn.

01:05:04: eigentlich nicht wenn man hat es auf den Kopf gestellt sondern man braucht um diese Jesusfiguren des Jesuereignisses auszudeuten brauche ich eben die Bibel und diesen Prozess zu nachzuvollziehen.

01:05:19: Das finde ich wirklich eine spannende Geschichte, was machen die mit den Texten?

01:05:23: Sagen wir jetzt mal so...

01:05:26: Und wie sehr würden Sie sagen befruchtet Ihre Auslegung oder Ihren Blick auf das neue Testament eben genau diese Auseinandersetzung mit der anderen also mit der rabbinischen Auslegungen, die sie auch kennen und die sich als Altersdamenterin natürlich auch rezipieren.

01:05:42: Also wie würden Sie es einfach ein Reichtum, den Sie selbst für auch ihr Blick auf das neue Testament neu entdecken konnten?

01:05:54: Das neue Testament legt nach meinem Dafürhalten natürlich viel mehr auf ein Ziel hinaus.

01:06:00: während wenn ich jetzt ein paar Episoden, mit denen ich mit herbillischer Auslegung hatte.

01:06:08: Als ich den Trutkommentar geschrieben habe im vierten Kapitel nicht da ist ja dann dieser reinagnatische Stammbaum wo ausschließlich Männernamen vorkommen der Männerstammbaum in Frauenbuch und die meisten Leute sagen mir das ist sekundär dazugekommen doch hat irgendjemand noch einen patriarchalen Stempel aufgedrückt und sonst weh.

01:06:29: Als ich das dann genauer gelesen habe, bin ich draufgekommen.

01:06:32: Nein!

01:06:32: Es gibt zuerst einen zehngliedrigen Frauenstambam, weil sieben Glieder ersetzt die Rout und dann guckt Obidie sei David und zwar auf David hin natürlich.

01:06:41: Und war ganz stolz dass ich das entdeckt habe.

01:06:47: Als man dann im Mitrasch nachlass haben die das schon gesehen gehabt.

01:06:52: Also, die lesen genau.

01:06:53: Die lesen wirklich genau!

01:06:55: Nur natürlich mit feministischen Blickwinkel.

01:06:58: Aber sie haben das gesehen und da gibt es viele Dinge, die wir in der feministischen Theologie mühsam erarbeitet haben, die sich dort aber schon finden.

01:07:08: Natürlich nicht unter dem Titel Feministisch sondern unter den Titeln genau gelesen.

01:07:19: bestreiten, dass ich ein vom neuen Testament begeisterter Mensch bin.

01:07:23: Das ist völlig klar und es ist ja gut was wir beide von unserem Gegenstand jeweils begeistert sind aber es ist völlig klart das das neue testament ohne das alte abschweben würde.

01:07:35: Es wäre sozusagen ideologisch in jeder richtung biegbar.

01:07:40: Und genau das ist ja passiert in der ls-zeit als man das altes testament oder die jüdischen teil Texte im Neuentestament auch abkappte und es dann für eine andere Ideologie verwenden konnte.

01:07:54: Das heißt, diese Erdung dieses, man kann auch sagen, dieses Fremde im eigenen was sozusagen unabdingbar dazugehört das ist notwendig um das Ganze zu verstehen.

01:08:05: Und dann ist natürlich für mich im Neuentestament spannend Es ist ja ein kultureller Transformationsprozess der da schon stattfindet dass hier von einem palästinischen Juden, Jesus von Nazareth mit

01:08:19: ganz

01:08:21: alttestamentlich jüdischen Begriffen Menschen und so weiter geredet wird.

01:08:25: Und der Paul ist dann durch die griechisch-römische Welt geht zum Teil andere Thermologie, vom Menschenzonerede der Paulus nicht mehr.

01:08:36: Der hat andere Termine.

01:08:37: Da ist plötzlich von Sorterch die Rede ein Begriff den römischen Kaiser für sich angewandt haben da wird eine Konkurrenz aufgebaut zu anderen Heilsansprüchen und es ist wenn man sich die Welt der Tempel in der griechisch-römischen Welt anschaut natürlich eine Unerhörtheit.

01:08:55: dass diese Botschaft sozusagen keinen Gott vorweisen kann, der ist unsichtbar und von dem berichtet was immerhin im Vorhinein schon das Diaspora Judentum mit seinem bildlosen Kult natürlich auch getan hat.

01:09:10: Aber da ist ein Transformationsprozess da, der unglaublich spannend ist und der natürlich den Weg weiß und du hast es vorhin auch darauf hingewiesen wo man nicht stehen bleiben darf an der einen Transformation, die dann in das christliche Dogma hineingeflossen ist.

01:09:26: Sondern sehen muss – Die Bibel ist übersetzbar in unterschiedlichen neue kulturelle Kontexte und als sie in den germanischen Kontext übersetzt wurde sind wieder Transformationen erfolgt.

01:09:37: Und wenn wir heute sehen wie die Bibel in entsprechende andere Kontexten übersetzt wird dann sind natürlich auch da, auf diese Faktoren zu achten.

01:09:48: Was passiert eigentlich?

01:09:49: Ich hab immer das schöne Beispiel aus einer Südsee-Kultur, wo gesagt wird ich bin die Kokosnuss des Lebens statt ich bin das Brot des Lebens weil einfach dass das Lebenselixier in dieser Kultur ist aber auch da ist auf diese Transformationen und Inkulterationsprozesse zu achte die in jedem Land und jeder Kultur, ich kriege das bei meinen internationalen Doktorierenden auch mit in Äthiopien oder in Korea, entsprechende ganz andere Rahmenbedingungen sozusagen haben.

01:10:23: Und wo wir Kompetenz brauchen diese Texte in ihrer eigentlichen Strahlkraft weiterzuführen.

01:10:31: Wenn wir uns diese Inkulturation als Auftrag geben dann muss man aber sagen dass natürlich dadurch gewaltige der Pluralität, die der Kanon selbst in sich trägt oder hinter den verschiedenen Bezügen, die er kann und innerhalb seiner schon hat.

01:10:47: Wir kommen ja jetzt noch mal dazu dass diese verschiedenen Kulturen verschiedene Antworten auf das Evangelium verschiedener Antworten auch auf die biblische Botschaft nun geben wollen.

01:11:02: was?

01:11:02: Das sind aber nun Kriterien dafür, dass – wie Tobias Niklas sagt das Ganze nicht im Chaos endet.

01:11:09: Dass man nicht in der Pluralität auf einmal dann diese Systematisierung auch nicht befindet.

01:11:14: Wie kann eine Kunst, wie kann es sagen, die Systeme funktionieren mit Blick auf die Bibel?

01:11:21: Die auch heute noch auch im Ethischen oder auch im Dogmatischen eine gewisse Perspektive bieten kann und Kriterie findet, die wirken können?

01:11:34: Das interessiert den Dogmatiker natürlich, die Eindeutigkeit.

01:11:40: Also ich würde sagen ... Den Text würde ich nicht anrühren.

01:11:45: Da war ja heute Nachmittag auch schon ein Ansatz der Diskussion da.

01:11:50: Der Text ist der Text.

01:11:51: Wenn jede Generation den Text ändern würde, dann hätten wir keine Bibel mehr.

01:11:54: Dann hätte ich jede Generation aus anderes rausgeschmissen und wir hätten gar keine mehr.

01:12:00: Aber!

01:12:02: Texte ausloten ist eigentlich unsere Aufgabe.

01:12:07: Und Texte Ausloten, welchen Sinn kann ich diesen Text noch ablocken?

01:12:14: Das sind die Fragen von heute, die ich daran stelle und das ist eben nicht etwas was dann nur in die Pastoral gehört wo es dann ja meist anders ausgelegt wird noch mal nicht, sondern das ist unsere Aufgabe auch.

01:12:29: Es geht nicht nur um das historische Verden des Textes, sondern es geht auch um das was heute in diesem Text ... Was wir sagen können von diesem Text ohne dass wir dem Text wie er da steht Gewalt antun aber ihn anders zu verstehen.

01:12:46: welche Sinndimensionen finde ich in diesem text auch noch?

01:12:50: Ist das die einzige traditionelle die immer schon da war und die ich daher auch noch weiterführe, oder eben kann ich mit anderer Sichtweise noch andere Dimensionen aus diesem Text herauslocken sozusagen.

01:13:05: Das ist das was mich zum Beispiel an meiner Zunft immer noch fasziniert und nicht ob ich die hundertfünfzigste Literarkreditik eines Halbwertes jetzt entdeckt habe.

01:13:15: also irgendwann einmal ist das endenwollend lustig finde Nachdem jeder Alttestamentler und Alttestamentalerin seine eigenen Thesen hat, also insofern.

01:13:28: Die historische Rückfrage ist dann interessant wenn ich sie brauche um einen Text einordnen zu können in Bezug auf Gesetzeslage, im Bezug Auf sozialkulturelle Gegebenheiten und Ähnliches.

01:13:43: Dazu brauche ich das unbedingt!

01:13:45: Und auch um eine zeitliche Abfolge zu haben nicht?

01:13:47: Das was du ja auch gesagt hast der kanonische Text ist dabei es in seinem Wachsen natürlich auch zu erklären und nicht als Endtext nur zu sehen.

01:13:58: Bist Du dann so was wie der Anwalt des Textes?

01:14:02: Ich sehe mich als exigent in der Tat, als Anwalt des Textes gegenüber seinen Inanspruchnahmen durchaus unterschiedlichen Interessen.

01:14:10: Das ist völlig klar.

01:14:12: Das heißt auch wir distanzieren natürlich Texte wenn wir mit Studierenden im ProSeminar Texte analysieren dann ist das natürlich klar dass Vorurteile wie jemand bislang den Text gelesen hat erst einmal zerstört werden müssen und dass ein Text erst einmal in die Distanz rückt.

01:14:33: Das ist so weit, insofern richtig wenn es dann nachher wieder auch zu einer reflektierten Aneignung kommt und nicht einfach alles nur in Schärfen sozusagen in der Distanz bleibt.

01:14:43: das ist das eine.

01:14:46: auf der anderen Seite müssen wir tatsächlich auch wichtiges von unwichtigem unterscheiden.

01:14:53: dazu gehört natürlich auch einen reflektiertes Urteilsvermögen.

01:14:56: Also es gibt Hauptzeugen, es gibt vielleicht auch Randzeugen und es gibt Leute die ein biblisches Buch zu ihrem Zentrum machen.

01:15:06: da ist die Johannes offenbarung der Schlüssel für alles Für die Geschichte oder für das Weltende oder was auch immer sie daraus lesen.

01:15:15: Und dann wird es schwierig und dieses eine muss relativiert werden Und dazu ist der Kanon eben als Wahrheitsraum genau richtig bestimmt.

01:15:26: Weil, und wiederum auch geschrieben steht zum Beispiel ... Wir wissen nicht seit noch Stunden, wann da Menschen so entkommen wird.

01:15:35: Die, die das berechnen wollen, sich natürlich auf ein ganz gefährliches Glatteis begeben.

01:15:41: Das heißt wir müssen in der Tat Wichtiges und Unwichtiges unterscheiden.

01:15:48: Grundlinien, Hauptlinien eines ... biblischen Zeugnisse oder eines Neutestamenten hier in meinem Sinn auch herausarbeiten.

01:16:00: Da würde ich schon denken der Gedanke, wie ich es vorhin mal kurz formuliert habe, der Kondescendenz und des Beziehungswillens Gottes zu den Menschen.

01:16:12: das ist eine der Grundlinien und die zieht sich sozusagen durch von dem Ja, von dem zweiten Kapitel Adam wo bist du?

01:16:21: Oder dritten Kapitel bis durch das ganze neue Testament hindurch in des Christus Zeugnis.

01:16:29: Und davon sollte eigentlich die kirchliche Verkündigung und Lehre geprägt sein und sich nicht an Quizquelien oder marginalen Details sozusagen aufhalten.

01:16:46: Ja, wie ich es in meiner letzten These versucht habe zu formulieren.

01:16:49: Dass Leben ermöglicht wird und nicht Leben eingeschränkt wird?

01:16:53: Das Hauptzeuge und Randzeuge ... Und das Wichtige und das Unwichtige ist natürlich eine Machtfrage.

01:17:01: Ich denke, das haben wir so lange nicht gestellt gerade diejenigen, die nicht an der Macht sind.

01:17:08: Also da muss man noch mal dazuschauen was überhaupt wichtig ist zu definieren.

01:17:15: Was gehört zum Zentrum dazu?

01:17:17: Und kann ich, wenn ich die Hälfte der Menschheit zum Beispiel als unwichtig erklärt habe in der Auslegungsgeschichte?

01:17:25: Kann ich dann überhaupt noch berechtigt von wichtigen und unwichtigem Reden, wenn nicht das mit bedenke.

01:17:38: Kann ich nur unterstreichen?

01:17:41: Kann man jetzt also gar ... dass Frauen wie Sie auch geschrieben haben Die Bibel anders lesen?

01:17:47: völlig d'accord.

01:17:47: Aber würden sie sogar soweit gehen, dass aufgrund Ihrer Erfahrungen Frauen die Bibel gerechter lesen und damit besser vielleicht.

01:17:56: Also erstens mal Frauen können die Bibel genauso schlecht lesen wie Männer, davon abgesehen.

01:18:01: Es gibt bestens sozialisierte patriarchale Frauen, die die Bibeln noch fundamentalistischer lesen als Männer.

01:18:08: also da würde ich überhaupt das nicht unterscheiden ist gerade immer einen.

01:18:12: im Pro Seminar habe ich in meinen Text ob Frauen-Bibel anders lesen oder andere Texte haben?

01:18:18: Habe ich immer zwei Texte gegeben einen von Jürgen Ebach und einem von Hagia Wizenrad über das Buch Ruth.

01:18:24: Welcher Text Frauen, welcher ist von einem Mann.

01:18:28: Zu hundert Prozent haben sie HGA-Witzenrad als Mann

01:18:31: eingestuft.".

01:18:33: Also das sagt gar nichts aus letztendlich.

01:18:36: Das würde ich auch sagen, da kann man schon mit Schüssel für Rentzer sagen es gibt eben Frauen identifizierte Männer auch die diese Sichtweise auch einnehmen können.

01:18:46: Ich denke gleich vielleicht gewisse Erfahrungen meinen dann nicht so ganz nahe liegen aber man ist ja auch kommunikativ nicht.

01:18:53: also dass würde ich jetzt nicht vom Geschlecht abhängig machen sondern von der Sichtweise.

01:19:00: bin ich überhaupt sensibilisiert genug, um diese Fragen zu stellen.

01:19:05: Und halte ich sie für relevant genug?

01:19:08: Halte ich Sie für wichtig?

01:19:10: oder sind das eben Nebenfragen die man auch stellen kann wie das berühmte Kapitel über Frauen im Alten Testament in den Schulbüchern nicht?

01:19:18: Die können wir auch weglassen dann.

01:19:21: Genauso zentral fragen eben, wie andere Dinge die wichtig sind.

01:19:26: Und kann man nicht zum Beispiel den Bund auch an Frauen abhandeln oder solche Dinge nicht?

01:19:32: Oder Verheißung nicht?

01:19:33: Also kann man das nicht auch an Frau abhandlen mal und nicht nur an Männern.

01:19:37: also diese zentrale Themen es werden immer nur die Beispiele von Männern genannt Man muss die Texte mal anders lesen und dann kommt man auch dazu dass man andere Beispile bringen könnte.

01:19:50: Und damit könnte es auch gerecht, also eine gerechte Reform auch das zu lesen finden oder?

01:19:56: Ja.

01:19:56: Und zwar da bin ich ja auch dafür mit diesen Intersektionalitätskriterien, die mich heute auch schon in diesem Seminar besprochen habe.

01:20:07: Also wir können nicht nur eine Diskriminierung herausgreifen sondern es gibt eben mehrere und die dürfen wir auch nicht aus den Augen verlieren.

01:20:17: Sei das jetzt Ethnizität oder sei das andere Religionen oder andere Konfessionalität auch bei uns natürlich nicht.

01:20:26: Und ob der Arm oder Reich ist, ob er Zugang hat zu Bildung und Ähnliches heute nicht?

01:20:32: Aber da würde ich dann an der anderen Seite auch sagen... Nicht nur die eine Hälfte der Menschheit wurde sozusagen für unwichtig erklärt Auch das globale Christentum sozusagen Die Mehrheit der Menschkeit, die nicht an unseren mittelzentraleuropäischen exegetischen Diskursen teil hat, ist natürlich ein wichtiger Gesprächspartner.

01:20:55: und deswegen ist eben die Lektüre der Schrift im gemeinsamen Lesen unterschiedlicher Christinnen und Christen aus unterschiedlichen Regionen auch wesentlich, wenn ich denke dass in einem asiatischen Kontext eben Fragen von Familie und Gemeinschaft usw.

01:21:16: in ganz anderer Weise wahrgenommen werden als in unserem individualisierten Kontext.

01:21:21: dann kann man zumindest sagen das sie vielleicht auch manche Dinge so lesen, wie wir das nie wollten.

01:21:27: Aber durchaus auch bestimmte Aspekte der biblischen Texte näher und besser verstehen als es wir vielleicht tun oder dass im afrikanischem Kontext die Fragen von Körperlichkeit und Konkretheit der Lebensverhältnisse auch von Leiden usw.

01:21:45: in ganz anderer Weise wahrgenommen werden als in unserer westlichen Gesellschaft.

01:21:49: Ich glaube da gibt es auch andere Bereiche Auch da intersectional gedacht natürlich noch mal, wo wir biblisch-theologisch hinausschreiten mit dem Risiko dass manche dieser Menschen fundamentalistischer, biblizistischer geprägt sind und unsere Ideale einer kritischen Lektüre vielleicht gar nicht so einfach und so leicht nachvollziehen.

01:22:17: Das ist jetzt ein guter Stichwort weil wir drei jetzt so intensiv diskutieren das für die große Mehrheit oder die große Mehrheit jetzt bisher als stumme Zeugen sehen durften und Zeuginnen sehen durfte.

01:22:29: Und wir wollen natürlich nicht, dass Sie mit Ihren Fragen hier einfach nur nach Hause gehen oder unbeantwortet nach hausigen sind sehr gern eingeladen Fragen zu stellen?

01:22:39: Wir haben ja eine Frage aus dem digitalen Raum und die finde ich ganz spannend auch im Hinblick auf eben die Anwesenden nämlich wie kann sich jemand ohne Theologie-Studium in die Lage versetzen aneignen, die Bibel heute zu lesen und für sich zu deuten.

01:22:57: Also sowas raten sie?

01:22:59: welche Kompetenzen?

01:23:01: Was müsste man sich da erarbeiten und wie könnte man davor gehen?

01:23:05: Ich fange mal an.

01:23:06: ich bin immer wieder auch in Leienkreisen im Gemeindepiebelkreisen unterwegs um mit Menschen Bibel zu lesern Und ich habe den sehr positiven Eindruck bei vielen gewonnen wenn man da ein paar Abende Leuten zum Beispiel, dass Johannes Evangelium liest.

01:23:26: Die merken inzwischen bald wie ein Text da anders klingt als in den anderen Evangelien.

01:23:33: Das heißt, wache Bibelleserinnen und Bibelläser haben durchaus viele Kompetenzen.

01:23:38: Sie müssen nur genau lesen und ihren Augen trauen.

01:23:42: Und dann kann man mit wenigen ... Also das was wir in Methodseminaren sehr kompliziert vermitteln, kann man vermutlich Fragen relativ gut erschließen.

01:23:57: Wer sagt, was zu wem wann und so weiter?

01:24:00: Und dann kann man sich mit... Man kann sich dann die bestimmte Informationen, muss man sich vielleicht über die antike Welt und dergleichen verschaffen.

01:24:08: aber es ist durchaus möglich aus einem Text seine Zielrichtung, seine Stoßrichtung internen Diskussionen, seinem Kontext herauszuarbeiten.

01:24:22: Ich möchte Mut machen dazu das nicht Fachleute sich was trauen Bibel zu lesen und dass die Kirche es braucht so könnte Laien kompetent zu machen.

01:24:35: Ich bin hier in Bayern auch in der Lektoren- und Prädikantenausbildung immer wieder tätig gewesen.

01:24:42: Und habe einen großen Respekt vor Leuten, die als Laienprediger, wenn gerade keine paar Personen da ist Gottesdienste halten und das sehr gründlich und sehr ernsthaft vorbereiten und etwas einbringen was ganz, ganz wertvoll ist.

01:24:57: Insofern kann man nur sagen, davon lebt die Kirche auch in Zukunft.

01:25:01: Dass nicht nur bezahlte und bestallte und beamtete Personen das

01:25:07: tun,

01:25:07: sondern dass die Kompetenz von Laien ... Der Begriff Laie ist eigentlich hier ein unangemessener, dass diese Kompetenz gewürdigt wird.

01:25:16: Und jetzt mal einfach so aus der reformierten Schweiz gesagt, es ist natürlich ein Uranliegen gerade reformierten und reformatorischen Traditionen das auch zu fördern und zu ermutigen.

01:25:32: Und ein kleiner Trip noch, nie nur eine Bibel-Übersetzung lesen!

01:25:36: Wenn Sie nicht selber die Texte übersetzen können schauen sie sich mehrere Bibel Übersetzungen gleichzeitig an dann merken Sie auch wo's happert wo es kritisch übersetzt wird.

01:25:46: und der Etliches

01:25:47: Ja.

01:25:47: vielen Dank für die beiden Beiträge und das Gespräch.

01:25:51: ich möchte noch einmal den Fokus setzen wirklich auf das Thema biblische Theologie und auch den Anlass noch einmal aufgreifen.

01:26:01: Vierzig Jahre Jahrbuch für biblischetheologie Und ich möchte zwei Fragen stellen an euch beide, die für mich selber auch wirklich offen sind.

01:26:11: also wenn man dir zugehört hat Jörg hat man den Eindruck Biblische theologie soll eigentlich nicht ein Projekt für sich selbst sein.

01:26:23: Es soll nicht eine eigene Subdisziplin werden in der Theologie, es ist ein bisschen ja konturiert als eine

01:26:34: neue biblische Grundierung

01:26:36: oder Fundierung christlicher Theologie überhaupt.

01:26:42: damit also das ist vielleicht noch eine wissenschaftshistorische Anmerkung kommt eigentlich ein solches Projekt von biblischer Theologie in einer auffälligen Nähe zum amerikanischen Namensvetter.

01:26:56: unserer biblischen Theologie.

01:26:58: Es gibt ja das Biblical Theology Movement in den USA, in den vierziger-fünfziger-, sechzigerjahren, dass eigentlich mit unserer biblichen Theologie fast nur den Namen gemeinsam hat.

01:27:09: Das war so eine vielleicht fast erweckliche eben neue Grundierung der Theologie die jetzt auch schon wieder Geschichte ist.

01:27:20: also wenn es in diese Richtung geht würde ich von euch beiden gerne wissen.

01:27:26: Was ist denn die angemessene Darstellungsform dieser biblischen Theologie?

01:27:32: Ist es nach wie vor unser Jahrbuch, ist das sozusagen der Weisheit?

01:27:36: letzter Schluss Die zweite Frage ist, das hast du auch hervorgehoben Jörg.

01:27:42: Die zentrale Problematik der biblischen Theologie ist das Verhältnis von Altem und Neumtestament, Gese-Stuhlmacher

01:27:48: usw.,

01:27:49: da hat man ja versucht solche Metanarrative zu bilden.

01:27:54: Und jetzt einfach selbstkritisch gefragt also es gibt wahrscheinlich kaum etwas vielleicht in der Theologie mehr aus der Zeit gefallen sein könnte, einer postmodernen Zeit.

01:28:07: Aus eben solche Metanarrative zu konstruieren und ihn vielleicht auch nachzutrauen?

01:28:14: Wie seht ihr das also dieses Verhältnis altes und neues Testament gewissermaßen im einundzwanzigsten Jahrhundert irgendwie in diese, in solche Continuity zu täten zu bringen?

01:28:26: kann das überhaupt gelingen?

01:28:28: ist es sinnvoll?

01:28:31: Sollte man das versuchen oder muss man da ganz anders ansetzen?

01:28:37: Ich fang mal an.

01:28:39: Ich habe mich ja jetzt sozusagen mit Thesen vorgewagt, die quasi in meine eigene Studienzeit zurückgehen.

01:28:46: Ich hab in den achtziger Jahren im Tübingen studiert, wo das alles ganz hoch gekocht wurde.

01:28:52: und die Frage ist natürlich für mich selber was ist die Bilanz davon?

01:28:58: ich habe wenn ich das so sagen darf Habut Gese nie über den Weg getraut.

01:29:04: Weil ich seine

01:29:05: Art

01:29:06: Texte auszulegen, als ein über die konkrete Geschichte so ein bisschen hinausgleiten verstanden habe und das ja misstrauisch war auch im Blick auf die Thermologie, die er anwandt.

01:29:22: Ich hab' auch mit Peter Stuhlmacher viele konfliktreiche Gespräche gehabt weil er mir in vielem einfach historisch viel zu konservativ war und er auch meine Auslegungen nur mit großem Augenzwinkern oder mit großer Gnädigkeit noch gelten lassen konnte.

01:29:45: Also, zur biblischer Theologie dieser Art des vereinheitlichen Volens zurückzukehren wäre glaube ich eine Sackgasse.

01:29:57: eben noch viel mehr im Blick auf den amerikanischen Begriff und da ist Biblical Theology tatsächlich ein sehr zweifelhafter Begriff, weil das eben sozusagen eine unmittelbare Übersetzung in die Predigt in einem zum Teil sehr kalvinistischem Kontext war.

01:30:18: Und das kann natürlich heute so nicht unser Anliegen sein.

01:30:24: Das heißt die Differenzierung ist unabdingbar und historische Tiefenschärfe ist auch unabdimmbar.

01:30:33: Nur, worauf ich wirklich wertlegen möchte, ist die Aufgabe des Zusammendenkens.

01:30:39: Wenn ich sehe, mein geschätzter Kollege Udo Schnelle mit seiner Theologie des Neuen Testaments satt von vornherein.

01:30:45: eine Theologie kann es nicht geben.

01:30:48: Ich bringe zwanzig Theologien des Neue Testaments oder der einzelnen Schriften nebeneinander.

01:30:53: Da ist schlicht Thema verfehlt nicht wahrgenommen.

01:30:59: Das heißt, dass Zusammendenken dessen was wir analysiert haben ist genauso notwendig und ich würde auch wissenschaftsteoretisch sagen wissenschaftlich genau so valide wie die Analyse die dem vorgeht.

01:31:13: und das ist tatsächlich in unserem Wissenschaftsbereich ein Problem weil unsere Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich durch Differenziertheit qualifizieren können, das zusammendenken aber vielleicht scheuen weil es ihnen vorgeworfen werden könnte.

01:31:31: Hier müssten wir tatsächlich im Blick auf unsere Denkformen und Denkstrukturen etwas ändern oder in eine neue Richtung denken.

01:31:44: Es kann nicht nur sein dass wir eben den letzten Halbfers noch mal in drei Schichten aufteilen oder eben so und so viel Theologie nebeneinander bilden das Schuldig bleiben, was sozusagen als theologische und ethische Grundaussage auch den anderen Fächern und der Kirche oder der Öffentlichkeit geschuldet wird.

01:32:08: Das heißt wir brauchen, wir müssen biblische Theologie betreiben nicht als ein Sonderprojekt oder ein Sondervach sondern um die Theologie selber überhaupt lebensrelevant und lebendig zu halten.

01:32:26: Also ich finde, das Jahrbuch ist deswegen nicht obsolet in seiner Anlage.

01:32:32: Weil es eigentlich sehr früh begonnen hat Rezeptionsgeschichtlich zu arbeiten.

01:32:38: Wir haben das Judentum hineingetauern wir haben Geschichte hineingenommen und auch aus dann die pastoraltheologische Umsetzung.

01:32:48: Das heißt wie wird das durch die Geschichte hindurch gelesen diese Thematik?

01:32:55: Wenn es eine biblische Theologie ist, das Ziel hat nur zu systematisieren.

01:33:02: Dann bin ich äußerst skeptisch und ich bin das leider auch für unsere eigenen Lehrveranstaltungen in der biblischen Theologie.

01:33:16: Es gibt inzwischen keine biblisch-theologischen Arte oder Ente, biblische Theologie mehr sondern das heißt inzwischen die biblige Rede von Gott und das Volk Gottes.

01:33:29: Das sind im Prinzip systematische Traktate.

01:33:33: also da gehen wir wieder zurück dort wo wir eigentlich schon gedacht haben dass wir weg sind.

01:33:37: wenn das die bibliche Theologie sein soll die wir dann beide gemeinsam machen sollten dann brauche ich das eigentlich nicht.

01:33:44: Aber wenn man biblische Theologie so macht, dass man eben die Einzeltexte nicht einhebnet sondern die Vielfalt der Stimmen betont Dann finde ich das interessant, weil das neue Testament noch mal eine ganz andere kann und das Stimmen hereinbringt als das alte Testament.

01:34:04: Dadurch dass es natürlich auch in anderer Kultur dann stattfindet.

01:34:08: Und eine Theologie so aufzubauen einfach, dass man sagt nach einzelnen Themen muss man ja an irgendwas muss man sich ranhandeln.

01:34:17: nicht also ob das jetzt Anthropologie ist oder ob das Sägen ist oder von mir aus was weiß ich Einzelthema nicht?

01:34:22: Dass man einfach zeigt Wie vielfältig diese Bibel in ihren Darstellungen sein kann, wie multilingual das ist eigentlich.

01:34:35: Und wenn ich diesen durchziehe dann noch in die Rezeptionsgeschichte ausziehe und dort weitergehe, dann finde ich eine solche Theologie sehr sinnvoll.

01:34:46: Das hat das Ja-Buch in den letzten fünf oder zwanzig Jahren ganz sicher getan.

01:34:53: Ich hatte hier noch mal drei Fragen aus dem digitalen Raum.

01:34:57: Die eine ist sehr konkret, nämlich welche konkreten biblischen Texte helfen Menschen in Krisenseiten?

01:35:05: Also quasi eine Leseempfehlung!

01:35:07: Die zweite ist auch relativ konkret aber bewegt sich eher eine Etage drüber im Meterraum, nämlich was ob und was nicht Christen aus der Bibel lernen können.

01:35:19: Und die Dritte beschäftigt sich damit, dass sehr viele Leute so tun als wären das ebenso Märchengeschichten.

01:35:31: Aber auch ihre Kinder damit gar nicht in Berührung lassen wollen.

01:35:34: was könnte man diesen Menschen

01:35:36: sagen?

01:35:38: Ich betrachte das Die Bibel als eine Sammlung von welterzeugenden Erzählungen Und damit ist auch schon diese historische Geschichte weg, dass jetzt alles wahr ist.

01:35:49: Das genau so passiert und sonst weh.

01:35:51: Sondern es sind im Prinzip Konzepte wie man die Wirklichkeit, die man jetzt vor sich hat konkret deutet.

01:36:02: Die ist nicht immer dieselbe!

01:36:04: Und sie ist auch nicht zu allen Zeiten dieselbe.

01:36:06: Man stellt nicht zu allen Zeiten dieselben Fragen oder gibt auch nicht dieselben Antworten drauf, nicht?

01:36:12: Das ist eine andere Sache, ob ich deutronomistische Theologie anschaue und wo ich gerade eine Katastrophe aufzuarbeiten habe.

01:36:21: Insofern ist diese Vielfalt der Stimmen das eigentlich was mich fasziniert und was man meines Erachtens auch betonen sollte.

01:36:33: Man sollte nicht nur ein Buch lesen, und dieses Buch ist das Buch schlechthin sondern sich in vielen Büchern umtun des alten Testaments Und da können durchaus Gesetzestexte ebenso spannend sein.

01:36:47: Ich kann mich noch erinnern als ich meine Mutter mal den alten Testament gegeben hat und mal paar Texte aufgeschrieben habe die interessant sind.

01:36:54: Das steht schon in der Bibel dass du nicht den letzten Apfel rund ernten solltest.

01:36:58: Nicht also so alte Weisheitstinge, die in den Leuten auch noch drinnen waren nicht die lässt man oben die letzten Äpfel, die Nachlese und ähnliches.

01:37:08: Also es gibt Lebenspraktisches das Menschen faszinieren kann und es gibt natürlich auch die großen Thematiken von Leben und Tod, nicht also die ganz grossen Fragen der Menschheit die in der Bibel angegeben sind.

01:37:25: Ich denke immer noch, die Bibel ist das Buch der abendländischen Kultur.

01:37:29: Und wenn wir es aufgeben, geben wir nicht nur eine Religion auf, sondern auch eine Kultur auf.

01:37:38: Ich gehe mal auf die erste Frage ein.

01:37:41: Krisenzeiten?

01:37:43: Da müsste man natürlich viel näher nachfragen was für Krisen im Hintergrund sind.

01:37:50: Das ist völlig klar!

01:37:51: Aber ich sage einfach mal... Der Psalter ist ein Text in einer weil es sozusagen eine Bibel in sich ist und alle Lebenssituationen, aber eben auch gerade den krisenhaften Lebenssituations so zu Worten verhilft dass sie aussprechbar sind.

01:38:10: Und dann vielleicht auch ein Wandel oder einen Bewusstseinswandel daraus resultieren kann.

01:38:18: das hat katartische Kraft.

01:38:20: Es gibt andere Texte Ich würde auch sagen Evangelien.

01:38:24: Texte natürlich Aber da müsste man anders auswählen, aber grundsätzlich ist sicherlich der Psalter einer dieser Texte die durch alle Zeiten hindurch zum Sprach zur Sprechhilfe in Krisenzeiten geworden sind.

01:38:42: Jetzt ist mir die zweite Frage noch nicht ganz klar gewesen.

01:38:46: Die

01:38:46: bezog sich auf die Nichtkristner und ob sie von der Bibel profitieren können oder aus der etwas lernen können?

01:38:53: Also ich sag einfach mal Interessantes Buch.

01:38:59: Ein gutes Buch und wenn man das also wie ein mit der Herrme Neutig liest, ein gutes Buch ist.

01:39:06: vielleicht ist eines bei dem der Autor oder die Autoren irgendein von dem was sie schreiben Irgendeine Ahnung haben.

01:39:16: Schlechtes Buch wird die Autore keine Ahnung habe.

01:39:20: Wenn man mit dieser ganz allgemeinen Hermeneutik rangeht kommt übrigens aus Karl-Bardscher Diktion.

01:39:28: Dann

01:39:29: kann man aus der Bibel durchaus überraschende Entdeckungen machen, ohne dass eine Glaubensforderung irgendwie vorausgesetzt ist.

01:39:41: Einfach Geschichten zu lesen und manchmal haben diese Geschichten eine innere Überzeugungskraft von sich selbst.

01:39:50: Lesende können dieser sozusagen diesem

01:39:54: Soak

01:39:55: folgen.

01:39:57: Sie können sich dem auch widersetzen, sie können auch sagen nein ich lese das mit einer anderen Perspektive und trotzdem ist es ein interessantes Buch.

01:40:08: Es ist sicherlich interessanter als viele Nachrichten und Illustrierte die uns sonst tagtäglich

01:40:15: durchflattern.".

01:40:19: Das ist jetzt eine ganz provokante Frage.

01:40:22: was unterscheidet dann die biblischen Geschichten von den verschiedenen Märchen aus den verschiedensten Kulturen, wo ja auch Metapharm drin sind.

01:40:33: Also wo man auch die Frage stellen könnte, Sind die Märchen ein Werkzeug für alle Lebensfragen?

01:40:42: Man hat früher viel von der Heiligen Schrift.

01:40:44: Was genau ist damit gemeint im Unterschied jetzt sozusagen die Heilige Schrift Bibel und den vielen, vielen kulturellen Märchen die es weltweit gibt.

01:40:57: Also ich habe das ja in dem Seminar schon ein bisschen ... im Workshop schon ein wenig angesprochen.

01:41:04: Die Bibel ist ein Buch auf das sich Menschen geeinigt haben dass es nicht nur als historisches Buch gültig ist sondern dass es Menschen durch die Zeiten hindurch so lange jemand sagt Das ist meine heilige Schrift etwas sagt.

01:41:21: Und das heißt durchaus nicht, dass es nicht Texte drinnen gibt die wesentlich weniger zu sagen haben als manche Märchen.

01:41:27: Das würde ich jetzt mal gar nicht in der Abrehde stellen.

01:41:30: aber und da sind natürlich viele Texte drin sind, die zum Beispiel auch Texte anderer Kulturen oder andere Religionen drinnen sind.

01:41:38: Wir haben in der Bibel Zitate aus ägyptischen Spruchssammlungen oder Ähnliches.

01:41:44: Also wir haben sogar Texte von anderen Religionen drinnen wenn man so will.

01:41:48: Also es ist eine Sammlung, aber von der dann eine Gemeinschaft sagt.

01:41:54: Das ist für uns ... Eine heilige Schrift!

01:41:58: Auch wenn nicht alle Texte zu allen Zeiten gleich wichtig sind, sagen wir so mal.

01:42:14: Dass Gott damit in Verbindung steht natürlich auch nicht?

01:42:16: Das ist schon klar.

01:42:23: So wie Sie jetzt gerade den Begriff oder Märchen beschrieben haben war ja zunächst einmal ein sehr tiefer und gefüllter Begriff Volkserzählungen und so weiter im Hintergrund.

01:42:34: Natürlich gibt es einen Plattengebrauch, dessen Märchen.

01:42:36: das ist nicht wahr?

01:42:38: Und Bibel ist was anderes!

01:42:40: Ich meine Eltern haben mir bewusst keine Märchen erzählt sondern biblische Texte und da war der ganz klare Trennung und das ist sozusagen eine durchaus protestantische Tradition.

01:42:53: ich weiß dass Märchen... Es gibt grausiche Märchen.

01:42:57: Hänseln und Gretl sind grausig.

01:42:59: Es gibt auch sehr tiefe Volkserzählungen, das ist völlig klar.

01:43:03: Trotzdem möchte ich das nicht wie etwa Eugen Trevermann oder so auf eine Ebene setzen.

01:43:09: dann wird alles nivelliert und die Bibel wird sozusagen langweilig gemacht.

01:43:15: was wir aber wirklich sagen müssen ist es gibt in der Bibel auch fiktionale Texte die nicht einfach erzählen wie's halt geschehen isst trotzdem nicht mehr sind, sondern eine tiefe Wahrheit ausdrücken.

01:43:34: Wenn ich als Johannes Exekret etwa denke an das Weinwunder Zucada hat der Jesus jetzt Wasser in Wein verwandelt oder nicht?

01:43:44: Ist es jetzt eine Fiktion?

01:43:46: ist es eine erfundene Erzählung oder ist es halt so passiert?

01:43:51: aber wenn's halt so passiert wäre irgendwann mal dann wärs für uns heute völlig irrelevant.

01:43:58: Wir kommen auf einen geschichtlichen Sachverhalt an der Stelle nicht mehr zurück, das lässt sich nicht erheben.

01:44:05: Nicht weil wir jetzt naturwissenschaftlich sagen müssen naja also Wasser wird nicht weinen sondern weil wir einfach von der Erzählung nicht mehr auf den Boden einer Geschichte kommen.

01:44:16: aber selbst wenn diese Geschichte als Symbolerzählung etwas von der Fülle die mit der Präsenz des Messias kommt zum Ausdruck bringt und etwas von der Freude, zu der der Glaube an Christus letztlich inspiriert.

01:44:35: Dann ist das sozusagen eine tiefe Wahrheit in einer Erzählung die gleichwohl nicht einfach etwas beschreibt – dass halt so war!

01:44:47: Und das ist das Problem, dass wir in unserer heutigen Zeit auch Schüler von der Schule her schon eine Art Naturwissenschaftliches Wahrheitsverständnis vermittelt bekommen, dass mit einer hermenneutischen oder literarischen oder fiktionalen Wahrheit fast nichts anfangen kann.

01:45:04: Wenn es nicht so war dann ist es Blödsinn und das wir aus der Literatur oder aus der Wahrnehmung von durchaus auch Märchen- und Volkserzählungen auch würdigen können.

01:45:23: Es gibt vertiefte sozusagen kondensierte Wahrheit, die weit über das hinausgeht was ein Beobachter irgendeiner Szene hätte beschreiben können weil sie erst im Nachhinein und im Rückblick in einer gewissen Distanz so komprimiert werden kann.

01:45:43: Und da sind viele der biblischen Geschichten auch wenn Sie nicht einfach etwas beschreiben was halt so historisch für jeden Beobacher beobachbar gewesen wäre.

01:45:56: Das ist auch das, was Sie vorher noch gesagt haben.

01:45:58: Diese existenzbegründenden Erzählungen, die einfach das Leben so verändern, dass man sagt ...

01:46:03: Die Wilderzeugungen erzählen ja nicht nur Welten erklären können, sondern sie schaffen Welten letztendlich indem sich auch Identitätsstiften zum Beispiel, also auch in geänderten Zeiten.

01:46:17: Ich würde überhaupt sagen im alten Orient wie auch wenn sie Texte lesen von Carl Gilbrand oder ähnliches nicht, also das ist man erzählt Geschichten.

01:46:31: Also die Narrativität dieser Geschichten, die ist nicht auf genau so was ausgelegt sondern die Narrative dieser Geschichte geht auf eine andere Ebene und nicht auf dass tatsächlich so gewesen sein.

01:46:46: Das ist keine... Erprobung nicht, sondern es öffnet Räume.

01:46:52: Es ermöglicht Identifikationen

01:46:56: und wird genau dadurch nicht weniger wahr.

01:46:58: Genau.

01:47:01: Anschließend an die Hochzeit zu Kanan!

01:47:04: Ich bin kein Neutester-Menscher und auch kein Pastor.

01:47:07: Das ist die Martial Theologe.

01:47:09: und vor vielen Jahren hatte ich die Herausforderung über diesen Text zu predigen.

01:47:14: Und als ich den las habe ich gedacht um Gotteswillen Wie konnte Johannes da nicht den anderen Synoptikern folgeleisten, die diesen Dionysos-Mythos einfach ausgelassen haben?

01:47:29: Und warum dieses merkwürdige Wundergeschichte?

01:47:35: und wollte eigentlich nicht darüber predigen.

01:47:38: Dann habe ich gedacht das ist ja so als wenn ein Chirurg sagt Ich operiere mich also das geht nicht.

01:47:44: und dann habe ich mir das ganze Johannes Evangelium gründlich angesehen.

01:47:50: Und wie viel die da anfangen vom Wein und vom Weingärtner, von den Weintrauben und Jesus und Gott und alles wird da reingemudelt in diese ganze Weingeschichte?

01:48:03: Dann habe ich gedacht also das muss offenbar ein wichtiger Punkt sein dass das Wunder des Verwandelns von Wasser im Wein ganz natürlich erfolgen

01:48:17: kann

01:48:19: wenn wir die ganze Weingearterei und so weiter, da mal mit aufnehmen.

01:48:26: Da haben Sie dieses Wunder aber jetzt mit Natur- und Kultur

01:48:30: zusammengebracht.".

01:48:32: Und dann sehen sie sich das noch weiter an und dann sagen sie nach ja also der Wein ist auch ganz schön in kleinen Quantitäten genossen bringt eine gehobene Stimmung und inspiriert.

01:48:45: und dann lesen sie weiter bei Johannes und dann gibt es noch eine Steigerung nämlich das lebendige Wasser Das lebendige Wasser, das er mit dem Geist identifiziert.

01:48:58: Und dann sehen Sie wie diese merkwürdige wunderschöne Geschichte einerseits in die Natur reingeholt wird also Verwandlung von Wasser und Wein Mit ein bisschen Kultur und dem ganzen Gewiese was Johannes da so einbaut an sein Evangelium und andererseits es ist nochmal eine weitere Dimension zu einer noch höheren Transformation, das lebendige Wasser.

01:49:29: Das sozusagen ein Speziellenartist und da sehen Sie eine ganz komplexe Verschränkung von etwas wo man erst mal lacht und sagt also einen Fehlgriff.

01:49:42: Also komisch und so was glaube ich nicht.

01:49:44: Und wenn Sie sich dann nur sehen, dass die noch panchen mit dem Rotwein da, die Juden noch beleidigen in ihre Gefäße da den Rotweil rein kippen und also diese sind ja aus viel Schwersalchoholiker da drin am Ende sie haben schon alle ordentlich Wein getrunken und dann wird da nochmal Wein gemacht und dann kommen doch die beleidigenden Bemerkungen zu Maria.

01:50:04: Also sie können an dem Text unendlich viel Ärger entfachen.

01:50:09: Wenn Sie das dann in der tiefen Dimension sehen Was da der Evangelist zusammenbringt an Erkenntnissen.

01:50:18: Dann, wie hat Luther mal gesagt, neiget dich in Ehrfurcht vor ihren Spuren?

01:50:24: Wir sind Bettler!

01:50:24: Das ist wahr.

01:50:28: Dem kann ich mich als Johannes Exeggit nur anschließen.

01:50:31: Ich habe gerade die Predigt-Beditation zu dem Text geschrieben.

01:50:38: Vielen Dank für Ihre Ausführungen.

01:50:39: Ich hätte eine Frage an Sie Herr Professor Frey.

01:50:42: Sie haben auf einer Ihrer Folien haben es gemeint biblische Theologie sei etwas protestantisches.

01:50:50: Vielleicht gehen Sie da noch mal kurz darauf ein, warum protestantisch und warum ist es nicht auch katholisch?

01:50:57: Also ich wollte ja dann deutlich richtig stellen dass biblische Theologie im Zusammensehen und Lesen von Alten und Neuem Testament seit der Frühenkirche und durch die Epochen hindurch praktiziert wurde.

01:51:12: Das Punkt ist das mit der Reformation der biblische Kanon und biblene Text sozusagen neu zum Kriterium Theologischer Leere gemacht wurde.

01:51:24: Und damit natürlich auch die Detailfragen, der Textauslegung oder der Kanonbestimmung zu einem kritischen und zum Teil scheidenden Gesichtspunkt gemacht wurden.

01:51:37: Das heißt in dieser Diskussionslage, die durch die Reformation geschaffen ist hat sich sozusagen dass Aurenberg noch viel stärker auf die Details ist.

01:51:48: Was sagt der Paulus im Römerbrief jetzt genau über das, wie wir gerecht werden und so weiter?

01:51:53: Über auf das hin verlegt!

01:51:55: Und dann hat es natürlich damit zu tun, dass auch die Bibelwissenschaft in ihrer kritischen Form überwiegend im evangelischen Raum, im Deutschsprachchen, im Englischsprachien, Französischsprachen sich entwickelt hat, und das natürlich im römisch-katholischen Bereich lange Zeit noch leeramtliche Einschränkungen waren bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein.

01:52:21: Daher sind viele der Wege und auch viel der Irrwege natürlich der Bibelwissenschaft bei uns oder auf unserer Seite sozusagen durchexerziert worden.

01:52:32: Die römisch-katholischen Kollegen und Kolleginnen sind dann durchaus nachgefolgt, auch in manchen der Sackgassen natürlich.

01:52:39: Inzwischen sind wir da weit hin auf gleicher Ebene.

01:52:44: aber zunächst mal ist dieses Augenmerk was steht eigentlich in der Bibel?

01:52:49: Was ist da als Kriterium?

01:52:51: Da ist natürlich ein mit der evangelischen Theologie gesetztes Augenmerke.

01:52:58: Die historisch-kritische Forschung hat ihren Namen eigentlich von einem Buch eines Oratorianers, das aber sofort auf den Index gesetzt wurde.

01:53:07: Und dann war Schluss im katholischen Bereich.

01:53:10: und die gesamte historisch kritische Forschungsforschung ist eben bis in den letzten Jahren ausgeschließlich entwickelt worden.

01:53:22: ausschließlich.

01:53:23: Als katholische Mensch durfte man das nicht tun, sonst kann man eben auch auf dem Index oder wurde wie Lagange zum Beispiel nicht dann natürlich die Leerlaubnis entzogen.

01:53:37: Könnte man heute sagen dass es vielleicht von allen theologischen Disziplinen jetzt die ökumenischste, die Exegese?

01:53:44: Oder ist es vielleicht die Geschichte?

01:53:47: Also wenn man heute danach fragt biblische Theologie und exegese Ist das vielleicht die ökumenische Disziplin von allen

01:53:54: Theologen?

01:53:55: Von katholischer Seite schon.

01:53:56: Ich weiß nicht, ob das von eurer Seite ist.

01:54:00: Man muss heute ökomenisch ja nicht nur bipolar evangelisch-katholisch denken.

01:54:06: Die östliche Autodoxie ist hier noch deutlich in vielen Punkten zurückhaltender und zurück.

01:54:15: In Russland läuft gar nichts in vielen osteuropäischen Ländern nur mit großen Einschränkungen und kirchtlichen Restriktionen, das heißt da sind wir noch in vielen Gesprächen die schwierig sind.

01:54:30: Und natürlich gibt es die Gegenbewegung im antimodernen Fundamentalismus nicht nur in Nordamerika, sondern auch in Teilen des globalen Christentums, das Pentecostalismus.

01:54:44: Das heißt, Bibelwissenschaft im kritischen Sinn ist ökumenisch aber durchaus von einer kritischen Minderheit derer die Bibel lesen nur geteilt werden natürlich einfacher und harmonisierendere und traditionellere Formen der Lektüre nach wie vor natürlich der Mehrheit der Bibellesenden geteilt wird.

01:55:14: Zum Abschluss und das ist jetzt so die, weil wir wollen ja nicht überziehen, das wäre auch ganz sich unkatholisch.

01:55:24: eine kurze persönliche oder persönliche Frage, die auch ganz kurz auch nur beantwortet werden darf Und zwar heißt immer, Bibel ist mehrstimmig.

01:55:33: Ihr könnt es sagen eine Symphonie.

01:55:35: und Johanna Malwitz, die lange Generalmusikdirektorin in Nürnberg war hat einmal gesagt, Symphonien sind für sie die fixierte Zeit, die fixierten Emotionen und die fixierte Erfahrung.

01:55:51: Ist das für euer und ihr Bibelarbeiten etwas was er sagen könnte?

01:55:57: Das kann ich nachvollziehen.

01:56:01: Ich liebe Symphonieren.

01:56:03: Ich habe so als Schüler Prognosynchronien versucht zu analysieren und es ist ja so, wenn man dann so eine Sinfonie hört und hört und wiederhört, hört man immer mal wieder ne andere Stimme raus.

01:56:17: Und ich glaube das ist gerade das große am biblischen Kanon dass wir auch wenn ich vorhin betont hab wichtiges von unwichtigem unterscheiden Hauptlinien sehen Dass wir trotzdem nicht ausschließen können vermeintliche Nebenlinie, plötzlich was ganz Interessantes Aufleuchten sehen oder das in einer bestimmten Situation und Zeit ein Text sich als sprechend auftut dem man vorher ganz lange nicht gehört hat.

01:56:52: Und ich glaube deswegen ist es auch gut dass wir diesen Wahrheitsraum des Kanons haben und nicht einfach nur festlegen, also in diesem Teil ist jetzt das wichtig und das unwichtig.

01:57:04: Sondern dass andere in seiner Latence belassen, dass wir da plötzlich eine Stimme oder einen Ton vielleicht auch ein Schrillenton einmal wahrnehmen, den wir vorher gar nicht gehört haben.

01:57:18: Das ist der Recht unter Bibel.

01:57:20: Da möchte ich mich anschließen, indem ich sage es gibt verschiedene Aufführungspraktiken.

01:57:26: Bekanntlich die romantische, war lange Zeit die Dominante.

01:57:30: Dann kam alles so schnell wie möglich herunter zu spielen.

01:57:33: dass man die einzelnen Stimmen überhaupt gar nicht mehr waren haben ganz aktuell gewesen.

01:57:37: mal und inzwischen ist es so das man das so langsam spielt dass jeder Ton zum anderen nicht mehr wirklich in Harmonie gesetzt werden kann.

01:57:49: Also diese Aufführungspraktiken haben wir in der Bibel genauso.

01:57:52: Das sind die Auslegungspraktiken, die auch Moden unterworfen sind letzten Endes nicht?

01:57:59: Einmal wird das so gelesen und einmal ist es so awoke.

01:58:02: aber ich würde trotzdem sagen Es zeigt uns dann wieder andere Aspekte die Sinfonien drinnen sind und das würde ich eben noch einmal zurückzukommen zu einem Terminus, dass ausloten dieser Texte.

01:58:18: Man kann es eben so lesen oder so lesend und kommt zu anderen Ergebnissen.

01:58:24: Ein wunderbares Schlusswort und ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen Frau Fischer, bei dir lieber Jörg für diese wunderbare Diskussion.

01:58:31: Ich danke Ihnen, dass Sie heute den Tag über hier waren mit diskutiert haben.

01:58:39: Ganz, ganz herzlichen Dank dafür!

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